15.11.2017

Schweizer Digitaltag

«Ein solcher Tag ist europaweit einzigartig»

Fast 100 Veranstaltungen über die ganze Schweiz verteilt: Zum grossen Digitaltag vom Dienstag kommen gleich drei Bundesräte. Was bringt dieser Event, oder ist er vor allem eine willkommene Promo-Plattform? Gesamtprojektleiterin Verena Vonarburg zu den Hintergründen.
Schweizer Digitaltag: «Ein solcher Tag ist europaweit einzigartig»
Arbeitet seit dem Streit zwischen dem Verlegerverband und Ringier im August 2015 als Lobbyistin für Ringier: Verena Vonarburg. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Frau Vonarburg, wie gelang es Doris Leuthard, Johann Schneider-Ammann und Alain Berset gleichzeitig zu überzeugen?
Auf diese Dreierpräsenz sind wir in der Tat sehr stolz, denn sie ist einzigartig. Nur die Eröffnung des Gotthards und das Bundesrats-Schuelreisli haben sonst mehr Bundesräte versammelt. Warum das gelang? Es liegt eindeutig am Thema: Wir leben in einer revolutionären Zeit. Die Digitalisierung krempelt so gut wie alles um und betrifft die Politik genauso wie Wirtschaft und Gesellschaft. Die Schweiz hat hervorragende Voraussetzungen. Das hat die Landesregierung erkannt und beehrt uns mit ihrer grossen Präsenz.

Über 80 Veranstaltungen stehen auf dem Programm: Wie stellen Sie sicher, dass darunter Qualität geboten wird und nicht nur Belanglosigkeiten?
Mittlerweile sind wir sogar bei gut 100 Veranstaltungen über die ganze Schweiz verteilt und mit einem grossen, elfstündigen Bühnenprogramm im Hauptbahnhof Zürich. Am Digitaltag wollen wir den Menschen ganz konkret zeigen, was Digitalisierung für jeden einzelnen und jede einzelne von uns heisst: Dass das nämlich nicht einfach ein Modewort ist. Wir haben nur Projekte zugelassen, die dem Sinn und Geist des Digitaltags entsprechen und verbürgen uns für hohe Qualität, attraktiv verpackt – im besten Schweizer Sinn.

Es könnte die Gefahr bestehen, dass viele Firmen im positiv besetzten Fahrwasser zu «Digitaltransformation» mitschwimmen  und dabei auf Ihrer Plattform einfach Veranstaltungen zur Eigenwerbung machen.
Der Digitaltag ist keine PR-Show. Davon kann sich jeder auf unserer Website digitaltag.swiss überzeugen. Wir organisieren unter anderem auch hochkarätig besetzte, kontradiktorische Podiumsdiskussionen, sogenannte Stammtische, die auch auf Radio SRF4 und via Internet übertragen werden. Wenn ich Ihnen einige der Titel nenne, sehen Sie, dass wir das Thema sehr ernsthaft angehen. Zum Beispiel: «Was macht die Digitalisierung mit uns Menschen?», «Die smarte Mobilität: Wie schlau ist sie wirklich?», «Oder: Künstliche Intelligenz: Hält sie, was das Marketing verspricht?». Im Übrigen: Was soll dagegen sprechen, dass Unternehmen zeigen, was sie machen?

Die Swisscom lädt zum digitalen Boxkampf am Bahnhof, beim «Blick» kann man sich für eine Newsroom-Führung anmelden: Das sind doch klassische Promotionsveranstaltungen ohne eigens für den Digitaltag ausgedachte Elemente.
Wir dürfen hier ruhig unschweizerisch unbescheiden sein und sagen: Einen Tag wie diesen gab es noch nie hier und er ist auch europaweit einzigartig. Das tönt pathetisch, aber ich bin stolz auf unser Land, das so etwas zustande bringt. Noch nie haben sich über 40 Partner zusammengetan und über die Standortinitiative von digitalswitzerland einen solchen Tag in allen vier Sprachregionen gemeinsam gestaltet. Wir verkaufen nichts an diesem Tag, wir gehen ins Land hinaus und machen Digitalisierung erfahrbar und erlebbar. An den Bahnhöfen Zürich, Genf, Lugano und Chur gibt es eine Menge zu erleben.

Wann genau ist der Tag aus Ihrer Sicht gelungen?
Der Tag ist dann gelungen, wenn dank ihm Junge und Ältere, Menschen aus der Stadt und vom Land, in Luzern, Rorschach oder Porrentruy am 21. November mit mindestens einem Aspekt der Digitalisierung in Berührung kommen und sagen: Ich habe verstanden. Es geht darum, Chancen aufzuzeigen. Wir können uns immer Angst machen, weiter kommen wir aber, wenn wir uns sagen: Die Digitalisierung birgt zwar Risiken, bringt aber noch mehr Chancen. Konzentrieren wir uns darauf und bringen wir die Schweiz voran, damit sie das innovativste Land der Welt bleibt.

Sie sprechen von 40 Partnern: Wie gelang es da, einen gemeinsamen Nenner zu finden?
Hier möchte ich den Partnern danken. Und das ist nicht die übliche Dankesphrase gegenüber Sponsoren. Unsere Partner haben alle zusammen mit unglaublich viel Engagement und sehr grosser Hilfe diesen Tag geplant und auch ermöglicht. Wir haben eine ganz neue Art der Zusammenarbeit gelernt. Da wurde kein Programm von einer Schaltzentrale aus aufoktroyiert, sondern die Partner haben sich in fünf Themenwelten zusammengefunden und wir haben auch einen Regisseur: Marcello Weiss wählte aus allen Projekten aus und stellte ein Bühnenprogramm im HB Zürich zusammen, das es so noch nie gegeben hat. Und es ist einfach cool, mit allen beteiligten Partnern zusammenzuarbeiten. Überall sind tolle, konstruktive und engagierte Leute am Werk.

Hauptpartnern sind SRF, Swisscom und die SBB. Was unterscheidet sie von den normalen Partnern?
Alle Partner leisten wahnsinnig viel für den Digitaltag. Doch die Hauptpartner bringen Leistungen und finanzielle Mittel, welche auch allen anderen Partnern zu gut kommen. Nur dank ihnen – dank ihrer grossen Unterstützung und dank den vielen Mitarbeitern, auf die wir zählen können, ist dieser Grosstag überhaupt möglich.

Unter den Partnern ist Ringier der einzige Verlag. Warum sind AZ und NZZ nicht an Bord?
Ringier, mein Mutterhaus, engagiert sich sehr stark für den Digitaltag. Die Medienbranche ist eine der Branchen, die schon sehr früh mit der Digitalisierung konfrontiert wurden. Wir wissen also bestens, wovon wir sprechen und können unsere Erfahrungen mitbringen. Ausserdem ist Marc Walder der Initiant der Initiative digitalswitzerland, der so gut wie alle namhaften Unternehmen dieses Landes angehören.

Tamedia war jedoch mit dabei, wenn auch nur kurz (persoenlich.com berichtete). Warum kam es zum Austritt?
Das können Sie gerne Tamedia fragen.

Was genau ist Ihre Funktion dabei?
Ich bin Mutter und Chefin (lacht). Im Ernst: Marc Walder und ich hatten die Idee zu diesem Digitaltag, die Bundesräte haben uns von Anfang an ihren Support zugesichert und uns auch mit der digitalen Konferenz des Bundes, die am 20. November in Biel stattfindet, zusammengebracht. Als Gesamtprojektleiterin sollte ich den Überblick über das weitverzweigte Unternehmen Digitaltag behalten.

Warum ist Ihnen persönlich die rasche Digitalisierung der Schweiz ein so grosses Anliegen?
Mir geht es um Folgendes: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern muss immer im Dienst der Menschen stehen. Mir ist ein Anliegen, dass die Menschen verstehen, was geschieht und was sie selber dafür tun können und tun müssen, damit sie am Ball bleiben.

Wie werden Sie selber den Digitaltag vom Dienstag, 21. November verbringen?
Am HB Zürich. Und ich freue mich sehr. Auch auf das Konzert von James Gruntz um 19.30 Uhr.
 

Verena Vonarburg hat die Fragen schriftlich beantwortet



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