18.09.2016

Google

«Einigen KMU fehlt es an Digital-Wissen»

Via Smartphone die Öffnungszeiten oder ein Produktevideo finden: Diesen Test sollten alle Geschäftsleitungsmitglieder mit ihrer Firmenwebseite machen, fordert Google-Schweiz-Chef Patrick Warnking. Weil helvetische Unternehmen hier viel aufholen müssten, ist Warnking treibende Kraft hinter Education Digital, einem am Freitag lancierten Projekt von «digitalswitzerland».
Google: «Einigen KMU fehlt es an Digital-Wissen»
Seit 2011 vertritt er die Interessen von Google in der Schweiz: Patrick Warnking. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
von Edith Hollenstein

Herr Warnking, an wen richtet sich EducationDigital.ch?
Die Digitale Transformation ist für alle relevant. Jeder kann sich auf der nicht-kommerziellen Plattform orientieren und bereits ab Start Angebote aus über 200 Kursen zu digitalen Themen vergleichen und sich dann direkt bei den über 20 Partnern anmelden. Gerade Unternehmen planen jetzt im Herbst ihre Strategie und Schwerpunkte für 2017. Für viele – gerade auch KMUs – empfiehlt es sich jetzt in Wissen und Fähigkeiten rund um Digital zu investieren.

Welche Ziele verfolgt die Plattform?
Transparenz, Reichweite und Qualität. Education Digital soll zunächst einmal eine transparente Übersicht zu Aus- und Weiterbildungen im digitalen Bereich in der Schweiz bieten. Die Initiative ist breit abgestützt. Medienhäuser, Verbände und Unternehmen helfen die Plattform bekannt zu machen. Und natürlich wurde sie auf «digitalswitzerland» mit dem Ziel lanciert, Know-how und Kräfte von Hochschulen und Branchenexperten rund um das Thema Digital zu bündeln, um gemeinsam Unternehmen in der Schweiz bei digitalen Themen für den internationalen Wettbewerb fit zu machen.

Was heisst das?
Die Qualität der Fortbildung wird dank Bewertungen der Teilnehmer sichergestellt. Die Education-Partner erhalten kostenlos Reichweite und haben sich im Gegenzug dazu verpflichtet, ihre Kurse von den Teilnehmern bewerten zu lassen und die Ergebnisse anonymisiert und aggregiert transparent zu machen.

Welchen Teil trägt Google bei zu Education Digital?
Google Schweiz bringt sich hierbei mit seiner Expertise im Bereich Digital ein, aber ebenso dank der Erfahrung in der Schulung zu Themen rund um Digital in den vergangenen fünf Jahren. So haben bereits mehrere zehntausend Personen ein solches kostenloses Training von Google Schweiz in einer der drei Sprachregionen besucht. 

Diese Angebote auch auf der neuen Plattform zu finden?
Ja, selbstverständlich. Allein in diesem Jahr haben bereits rund 6000 Personen ein solches Training zu Themen wie digitales Marketing, Analytics oder Youtube-Werbung absolviert. Dies verdeutlicht das weiter steigende Interesse an Kursen rund um Digital allgemein. Auf Basis dieser Erfahrung wurde die Idee bei «digitalswitzerland» eingebracht, um den Ansatz nun stark zu skalieren.

Und welche Rollen spielen Partner wie der ADC Switzerland oder die HWZ?
«digitalswitzerland» bietet keine eigenen Kurse an. Wir haben Anbieter von Aus- und Fortbildung im Bereich Digital angesprochen und freuen uns, dass sie sich daran beteiligen. Die HWZ war mit ihrer Erfahrung ein wichtiger Partner in der Auswahl der bisherigen Partner. Die Plattform steht jedoch weiteren Partnern offen.

Wer ist bislang mit dabei?
ADC Switzerland: Berner Fachhochschule (BFH), CREA Genève, Digicomp Academy, EB Zürich, ETH Zürich, Google, Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), IAB Switzerland, KV Zurich Business School, Master 21 Academy, Marketing & Business School Zürich (MBSZ), Migros Klubschule, SAWI Academy for Marketing and Communication, Schweizerisches Institut für Betriebsökonomie (SIB), Somexcloud, Steinbeis School of Management and Innovation (Steinbeis-SMI), Stiftung Wirtschaftsinformatikschule Schweiz (WISS), Universität St. Gallen (HSG), XU Xponential University of Applied Sciences, ZfU International Business School.

Sie sind seit 2011 Schweiz-Chef von Google. Was hat sich in dieser Zeit in diesem Land verändert?
Die Internetnutzung ist insgesamt stark angestiegen – ganz besonders die mobile Nutzung und der Einsatz von Video haben Fahrt aufgenommen. Innovation im Bereich Digital ist gestiegen. Das Thema Talente rückt stärker in den Mittelpunkt.

Und weiter?
Das Startup-Ökosystem hat sich sehr gut entwickelt, und die Risikobereitschaft und Fehlertoleranz sind höher geworden. Das ist wichtig. In einer so grossen Transformation muss man testen. Nicht alles wird erfolgreich sein. Es ist positiv, wenn Gründer etwas riskieren und es ist nicht schlimm, wenn sie nicht gleich erfolgreich sind. Aber mich freut vor allem, dass die grossen Unternehmen und viele kleine Unternehmen sehr erfolgreiche Schritte bei Digital machen, und so ihren Unternehmenserfolg aber auch das Ökosystem als Ganzes stärken. Und: Es gibt «digitalswitzerland» – im ersten Jahr wurden bereits viele konkrete Projekte umgesetzt.

Und welche Skills fehlen weiterhin?
Machen Sie mal den Test und besuchen Sie die Internetseite eines Unternehmens - Sie werden leider auch bei vielen grossen Unternehmen – aber vor allem bei KMUs – nicht erfreut sein punkto Erfahrung via Smartphone von unterwegs (nicht im WLAN).

Was soll man genau anschauen?
Testen Sie das Kundenerlebnis: Versuchen Sie die Öffnungszeiten schnell zu finden, einen Beratungstermin zu vereinbaren, eine Auskunft zu erhalten, ein Video zu den Produkten oder Dienstleistungen zu finden und anzuschauen – oder etwas zu bestellen. Jedes Mitglied der Geschäftsleitung sollte das für sein eigenes Unternehmen testen.

Was kritisieren Sie?
Es fehlt an Wissen, um die Kundenerlebnisse in digitalen Kanälen positiv zu gestalten. Es fehlt an Wissen bei der Arbeit mit Video. Es fehlt an Wissen zu Digital bei Kennzahlen, Gewinnung von Neukunden, beispielsweise auch international, zum Service für Bestandskunden, Aufbau von Kanälen für Feedback zur Steigerung der Innovation. Hier besteht durchaus noch Nachholbedarf.

Wie kann Ihr Unternehmen davon profitieren, wenn die Schweiz bezüglich der digitalen Entwicklung solche Anstrengungen unternimmt?
Wir haben zwei Ziele: Erstens wollen wir Kunden helfen erfolgreich, nachhaltig und messbar mit uns ihr Geschäft zu entwickeln. Je mehr Know-how sie haben, umso höher ist die Chance, dass sie den Erfolg ihrer Aktivitäten genau messen und beurteilen können. Zweitens ist die Schweiz ein fantastischer Standort. Wir investieren hier viel und langfristig. Es ist Googles bedeutendster Entwicklungsstandort ausserhalb der USA.

Google Maps hat Schweizer Wurzeln.
Ja genau, und diese Funktion ist bis heute «made in Switzerland». Wir fühlen uns als Schweizer Unternehmen. Wir wollen einen Beitrag leisten, so dass das Ökosystem und der Standort Schweiz auch in den nächsten Jahren die weltweiten Ranglisten für Innovation anführen kann. Dafür investieren mit «Switzerland Global Enterprise» in der Förderung des Exports, mit ProJuventute im Bereich Medienkompetenz bei Jugendlichen, mit umfangreichen kostenlosen Trainings für Unternehmen und Agenturen, und in vielen anderen Projekten; und eben auch mit grossem Engagement bei den Projekten der Initiative «digitalswitzerland». 

 



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