06.06.2018

Lifelogging

Jeder Zweite zeichnet Aktivitäten digital auf

Viele Erwachsenen in der Schweiz nutzen Tools zur digitalen Selbstvermessung. Am beliebtestens ist laut einer Studie des Versicherers Sanitas und der Forschungsstelle Sotomo das Prüfen der zurückgelegten Schritte. Der Datenschutz ist eher zweitrangig.
Lifelogging: Jeder Zweite zeichnet Aktivitäten digital auf
Zeichnet die Routen und von Leistungen im Sport auf: Eine Apple Watch. (Bild: Keystone)

Rund die Hälfte der Erwachsenen in der Schweiz zeichnet heute mit dem Smartphone oder einem anderen tragbaren Gerät Aktivitäten und Zustände ihres Lebens auf. Weitere 20 Prozent haben eine Lifelogging-Anwendung zumindest schon ausprobiert. Das zeigt eine soeben veröffentlichte Studie zur digitalen Lebensvermessung, welche die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der Stiftung Sanitas Krankenversicherung erstellt hat. Hierzu wurden im Januar 4269 Personen online befragt. Die in der Studie vorgestellten Ergebnisse beruhen auf den Antworten von 3055 Personen und sind repräsentativ für die ständige Schweizer Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Zunächst darüber berichtet hatten Portale der Tamedia-Gruppe.

Am beliebtesten ist das Prüfen der täglich zurückgelegten Schritte, danach folgt das Aufzeichnen von Routen und von Leistungen im Sport. Die fitnessbezogene Selbstvermessung führt bei vielen - nämlich annähernd der Hälfte der Nutzenden - auch zu Verhaltensänderungen. Weniger verbreitet sind gesundheitsbezogene Aufzeichnungen wie die Schlafdauer oder die Herzfrequenz, die zudem auch weniger häufig zu Verhaltensänderungen führen.

Trend noch lange nicht erschöpft

Dennoch sei der Trend zur digitalen Selbstvermessung «wohl noch lange nicht erschöpft», heisst es in der Studie. Zwei Drittel der Befragten würden gerne auch viel weitergehende automatische Aufzeichnungen tätigen, wie zum Beispiel den eigenen Energie- und Ressourcenverbrauch oder die Kalorien der eingenommenen Nahrung.

Viele Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz beteiligen sich am Trend zur Selbstvermessung. Über 70 Prozent geben jedoch auch an, aus Datenschutzgründen bestimmte Funktionen ihres Smartphones, etwa die Standortbestimmung, zu deaktivieren. Generell zeigt es sich jedoch, dass der Schutz der Privatsphäre vor allem dann ein Argument ist, wenn auf eine Anwendung leicht verzichtet werden kann. Dagegen verzichtet praktisch niemand aus Datenschutzgründen auf den Gebrauch von Suchmaschinen, Instant Messenger wie WhatsApp oder Gratis-Email. Dies obwohl Internetkonzerne über Suchabfragen und Gratis-Email Zugang zu persönlichen Daten erhalten und das beliebte WhatsApp Teil des Facebook-Konzerns ist.

Am häufigsten aus Datenschutzgründen gemieden, nämlich von jedem und jeder Dritten, werden jedoch die sozialen Medien. Offenbar löst die Tatsache, dass Internetkonzerne an persönliche Informationen gelangen, im Alltag weit weniger Widerstand aus als die Vorstellung, dass diese Information via soziale Medien an die Öffentlichkeit kommen könnten.

Linke fürchten Diskriminierung

Die Aussage «da ich nichts zu verbergen habe, brauche ich auch nichts zu befürchten» wird von einer Mehrheit der Personen geteilt, die politisch rechts stehen, nicht jedoch von jenen in der Mitte und insbesondere nicht von jenen links. Auf der linken Seite scheint die Furcht stärker verbreitet zu sein, dass Personen auch ohne eigenes Verschulden diskriminiert werden könnten.

Bemerkenswert ist, dass der Zugang zu persönlichen Daten durch den Schweizer Staat als weniger problematisch angesehen wird als wenn Nachbarn und Bekannte Zugang zu solchen Daten hätten. Abgesehen von Hackern und Kriminellen werden Banken und Versicherungen, fremde Nachrichtendienste sowie Vorgesetzte beziehungsweise das Arbeitsumfeld als besonders sensitive Empfänger persönlicher Daten angesehen. (sda/wid)



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