21.11.2017

Digitaltag 2017

Von Snack-Robotern und Drohnenballett

150’000 Personen haben den ersten Digitaltag in Zürich, Genf, Lugano, Chur und weiteren Orten miterlebt. Dabei ging es auch um Ängste – etwa vor dem Verlust von Stelle oder Privatsphäre.
Digitaltag 2017: Von Snack-Robotern und Drohnenballett
Über den ganzen Tag informierten sich Besucher am Digitaltag im Hauptbahnhof Zürich. (Bilder: Keystone/Ennio Leanza)

Ein kleiner Snack-Roboter rollt im Bahnhof in Zürich auf die Menschen zu, zwei ältere Herren tauchen mit einer Brille in eine virtuelle Welt ein. Mit dem ersten Digitaltag vom Dienstag wollten die Initianten der Bevölkerung die Angst vor der Digitalisierung nehmen.

«Der Digitaltag ist ein Schulterschluss, den es in Europa so noch nicht gegeben hat», sagte Marc Walder, Ringier-CEO und Initiant der Organisation digitalswitzerland am Dienstagmorgen im Zug von Bern nach Zürich. Dieser «Digitalzug» brachte Bundespräsidentin Doris Leuthard sowie zahlreiche Chefs von Unternehmen oder Vertreter von Organisationen nach Zürich zur Eröffnung des ersten Digitaltages.

Im Zug konnten die Anwesenden einen Blick auf die digitalen Projekte werfen, die die SBB zusammen mit der ETH oder EPFL in der Pipeline hat. Dazu gehört ein kniehoher, runder Roboter, der als mobiler Snack-Automat in den Bahnhöfen auf die Kunden zugehen soll. Der Roboter drehte anschliessend im Bahnhof Zürich, wo sich der Digitaltag voll entfaltete, seine Runden.

Wunsch nach Digitaltag von Leuthard

Nicht nur in Zürich, sondern in verschiedenen Städten in allen Landesteilen der Schweiz erhielt die Bevölkerung einen Einblick in den Stand und die Zukunft der Digitalisierung. Der Wunsch nach einem solchen Tag geht auf die Bundespräsidentin zurück. «Sie hat gewünscht, dass wir etwas für die Bevölkerung machen, damit die Ängste - die zweifellos vorhanden sind - thematisiert werden», sagte Walder.

Ängste bestehen tatsächlich. Es besteht beispielsweise die Gefahr, dass sich eine Zweiklassengesellschaft aus Gewinnern und Verlierern herausbildet. Bundespräsidentin Doris Leuthard gibt zu: «Es ist klar, dass es Unternehmen geben wird, die verschwinden oder sich stark verändern müssen. Es ist dann in der Verantwortung der grossen Firmen, dass sie für die kleineren einstehen. Die Solidarität wird wichtig sein», sagte sie im Zürcher Hauptbahnhof im Gespräch.

Kooperationen bei kleineren Unternehmen

Zur Organisation digitalswitzerland gehört auch Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Auf die Frage, wie kleinere, finanzschwächere Unternehmen mit der Digitalisierung umgehen sollten, sagte deren Präsident Heinz Karrer in Zürich: «Kleinere Unternehmen sollten sich zu Kooperationen zusammenschliessen und so Kräfte bündeln.»

Zudem brauche es ein Entgegenkommen der älteren Generation, die heute vielfach die Geschicke einer Firma leite, manchmal aber in Bezug auf die Digitalisierung noch nicht gleich weit seien wie die jüngeren. «Der Generationenkonflikt ist aber nicht grösser als bei anderen technologischen Veränderungen», sagte er.

Dass die Digitalisierung nicht nur den Alltag erleichtern, sondern auch die Arbeitswelt verändern wird, ist unumstritten. Die Gewerkschaften Unia und Syndicom forderten am Dienstag diesbezüglich in je einer Mitteilung ein «Recht auf Weiterbildung» für Arbeitnehmende, wie es Unia schreibt. Syndicom verlangt, dass sich die Unternehmen an solchen Weiterbildungen beteiligen.

Datenschutz bleibt grosses Thema

Auch die Datenschützer melden sich am Digitaltag zu Wort. Es werde vorgetäuscht, dass der digitale Fortschritt nur «zu Lasten des Persönlichkeitsschutzes» umsetzbar sei, schrieb Privatim, die Konferenz der schweizerischen Datenschützer. Dabei werde verkannt, dass Digitalisierung auf das Vertrauen der Bevölkerung angewiesen sei. Sie müsse daher «Hand in Hand» mit dem Datenschutz erfolgen.

Zudem meldete sich der Schweizerische Konsumentenschutz SKS mit einem Appell an Unternehmen und forderten unter anderem, dass den Kunden die Wahl ermöglicht werden solle, ob sie bei «Gratisangeboten» statt mit ihren Daten mit Geld bezahlen könnten.

A propos Datenschutz: Passend zum Thementag informierten am Nachmittag die SBB, die Post, die Swisscom, die Banken Credit Suisse, Raiffeisen, UBS und Zürcher Kantonalbank sowie der Finanzdienstleister SIX und die Mobiliar über das Unternehmen, das sie im Januar 2018 gemeinsam gründen wollen.

Das Unternehmen soll eine digitale Identität (E-ID) entwickeln, mit welcher sich Schweizerinnen und Schweizer sicher in der digitalen Welt bewegen können (persoenlich.com berichtete).

«Drohnenballett» im Zürcher Hauptbahnhof

In Zürich fanden sich bereits vor dem Mittag viele Interessierte ein, die an den verschiedenen Ständen von Unternehmen wie der Swiss, Migros, dem SRF oder PriceWaterhouseCoopers in die digitale Welt eintauchen wollten. Zuvor konnten sie bei der Eröffnung durch Bundespräsidentin Leuthard einem Künstler zuschauen, der in einem «Drohnenballett» mehrere kleine Drohnen wie von Zauberhand herumschweben liess.

Der Anlass wird nicht nur von Bundespräsidentin Doris Leuthard patroniert (persoenlich.com berichtete), sondern auch von den Bundesräten Schneider-Ammann und Alain Berset. Organisiert wurde der Tag von vierzig Unternehmen, die Einblick in den Stand ihrer digitalen Entwicklungen ermöglichen - und von digitalswitzerland.





Laut den Veranstaltern haben 150’000 Personen diesen Tag in Zürich, Genf, Lugano, Chur und weiteren Orten miterlebt. Mindestens ebensoviele hätten den Tag digital miterlebt. Vor allem die Redaktionen der SRG, Ringier Axel Springer Schweiz und Ringier berichteten ausführlich über den Anlass. (sda/eh)

 

 



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Kommentare

  • Markus Schwarz, 22.11.2017 10:11 Uhr
    Sie schreiben: Kooperationen bei kleineren Unternehmen Zur Organisation digitalswitzerland gehört auch Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Auf die Frage, wie kleinere, finanzschwächere Unternehmen mit der Digitalisierung umgehen sollten, sagte deren Präsident Heinz Karrer in Zürich: «Kleinere Unternehmen sollten sich zu Kooperationen zusammenschliessen und so Kräfte bündeln.» Herr Karrers Antwort ist gut gemeint, jedoch zeigt Sie auf, dass der Besitz von Informationen heute der entscheidende Erfolgsfaktor ist. Und wenn man über diese eben nicht verfügt, man dann auch die Gefahr läuft, nicht die richtigen Schlüsse zu zeihen. Was meine ich damit? Wir haben für KMU's, welche sich den Herausforderungen der Digital Transformation stellen müssen, bereits eine effektive und effizeinte Unterstützung in Sachen Digital Transformation! Dank der Weitsicht des Bundesrates und des Parlaments, der Kantonsregierung, der Standortförderung, der University for applied sciences, der Stadt Biel Bienne und der privaten Akteuern (Public-Privat-Parntership). WO? Exakt dafür wurde der Switzerland Innovation Park Biel Bienne (SIPBB) gegründet und ist bereits erfolgreich unterwegs (gestern auch Teil des Digital Tages). In Biel/Ipsach steht ein Industry 4.0 Demonstrator in Form des Swiss Smart Factory Lab (SSF) und zusätzlich sind im Vollbetrieb Konpetenzzentren zur Forschung in der Produktionstechnology, für Advanced Manufacturing (3D-Printing), FabLab, Energy Storage and Mobility und ein MedTech. https://www.sipbb.ch/ Daher bitte ich Sie von der Redaktion da einen Blick darauf zu werfen. Denn da können sich auch kleinere KMU's aus der Schweiz oder auch aus dem Ausland massgeschneiderte Informationen zu Themen der Digital Transformation abholen. Und, je nach Problemstellung, die nötigen Antworten zum Meistern der bestehenden und künftigen Herausforderungen, beschaffen ohne selber hochbezahlte Experten anzustellen. Für den Schutz der eigenen Daten ist gesorgt. So lade ich Manager von Verbänden, VR's, Inhaber und CEO's als International Consultant for Capital Goods and Produktion Technology, der aus dem ProdTech Cluster Biel Bienne stammt, ein, sich mit dem CEO des SIPBB (Switzerland Innovation Park Biel Bienne) und seinem hochkarätigen Team zu treffen, um Ihnen die Dienstleistungen, die dort für die KMU's bereit stehen vorführen zu lassen. Für weitere Fragen und Informationen stehe ich gerne zur Verfügung. Freundliche Grüsse Markus Schwarz Alte Landstrasse 46 CH-2542 Pieterlen BE +41 79 308 45 41 schwarz_markus@bluewin.ch https://www.linkedin.com/in/markusschwarzscme/ Mission Statement: International, industrial, sustainable support of the Industrialization in emerging markets with Swiss Production Technology under the aspects of Industry 4.0, advanced manufacturing and the SDG's 2030 of UN.

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