07.12.2016

Influencer.World

Wie ein Ranking beeinflusst werden kann

Eine Rangliste zeigt die einflussreichsten Schweizer im Netz an. Nur: Der Score, auf dem die Liste basiert, kann unter bestimmten Umständen beeinflusst werden. Der Schweizer Betreiber der Seite reagiert nun auf Kritik und entwickelt eine eigene Formel.
Influencer.World: Wie ein Ranking beeinflusst werden kann
Listet Brands und User, die im Netz besonders aktiv sind, in verschiedenen Kategorien auf: die Schweizer Plattform Influencer.World. (Bild: Christian Beck)
von Christian Beck

Dezember ist Ranking-Zeit. Da erfährt man beispielsweise von der «Bilanz», wer zu den 300 reichsten Schweizern gehört. Oder im «NZZ Folio» lässt sich nachlesen, dass Jean Ziegler der einflussreichste Schweizer Denker und Roger Schawinski der einflussreichste Schweizer Journalist ist. Solche Ranglisten sind zwar nicht über alle Zweifel erhaben, werden aber gut beachtet. So auch einflussreich.ch. Diese Rangliste von im Netz besonders aktiven Personen gibt es seit drei Jahren. Das Portal wurde vor einem Monat neu positioniert und umbenannt in Influencer.World. Wurden zu Beginn Ranglisten zu Brands, Politik und Journalismus geführt, sind es heute deutlich mehr Listen auch mit globalem Fokus. Die Rankings werden täglich aktualisiert und kuratiert.

«Nicht transparent»

Die Liste «Journalistinnen und Journalisten» beispielsweise wird seit längerer Zeit angeführt von Philipp Meier, Community Developer bei SWI swissinfo.ch. Ihn freut es, ganz oben auf dem Podest zu stehen, schliesslich sei er auf Social Media auch sehr aktiv. Dennoch kritisiert er das Ranking: «Es ist nicht wirklich transparent, wie es zustande kommt», sagt Meier auf Anfrage von persoenlich.com.

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Auch der Zweitplatzierte auf derselben Liste bläst ins gleiche Horn: «Diese Liste sagt nichts über meine journalistische Qualität aus», so Gerry Reinhardt, Community Manager bei FM1today.ch. «Nur schon bei der Frage, ob ich der zweitbeste Journalist der Schweiz bin, muss einem klar werden, dass hier dieses Ranking nicht funktioniert», gibt Reinhardt zu bedenken. Es gebe auch talentierte Printjournalisten, die jedoch nichts von Social Media halten. «Ist das fair?», fragt sich Reinhardt.

Diese Frage stellt sich nicht nur in der Liste der Journalisten – die Mechanismen sind in allen anderen Kategorien dieselben.

Daten basieren auf dem Klout-Score

Influencer.World basiert auf dem sogenannten Klout-Score. Nur wer dort eingetragen ist, wird gewertet. Das in San Francisco beheimatete Unternehmen Klout erstellt auf der Grundlage der Analyse von sozialen Netzwerken ein Rating von Nutzern. Die Algorithmen des weitgehend automatischen Dienstes zur quantitativen Ermittlung des Online-Einflusses sind nicht öffentlich.

Klar ist jedoch: «Jede zusätzlich mit Klout vernetzte Social-Media-Plattform wird überdurchschnittlich positiv bewertet. Am meisten Einfluss hat diesbezüglich die Vernetzung mit Wikipedia», sagt Meier, von dem es übrigens keinen Wikipedia-Eintrag gibt. Und Gerry Reinhardt bringt auf den Punkt, was unter Bloggern und Influencern immer wieder kritisiert wird: «Dieses Ranking ist recht beeinflussbar.»

«Trend wichtiger als Score zu einem isolierten Zeitpunkt»

Influencer.World gehört der Zürcher Social-Media-Agentur Kuble. Die Plattform wird betrieben, um für Kunden schnell und einfach Konkurrenzanalysen durchführen zu können. Inhaber Gustavo Salami gibt zu: «Kurzzeitig kann es durchaus sein, dass jemand seinen Score auf merkwürdige Weise beeinflusst.» Längerfristig seien solche Taktiken aber nicht erfolgversprechend. «Überhaupt ist der Trend über die Zeit hinweg viel aussagekräftiger als der Score zu einem isolierten Zeitpunkt», so Salami. Nur: Klout verbiete es, diesen Trend anzuzeigen.

Tatsächlich sei ein Wikipedia-Eintrag in Kombination mit anderen Plattformen sehr relevant für den Online-Einfluss, unter anderem weil die Website in Google-Suchergebnissen häufig weit oben auftaucht. Aber jede Datenquelle habe letztlich Schwächen und Limitierungen, sagt Salami. «Deshalb sollte man Daten nicht blind vertrauen, sondern sich bei der Interpretation fragen, was für Aussagen möglich oder eben nicht sinnvoll sind.» Dieser Aussage stimmt auch Meier zu: «Es ist wie mit anderen Rankings und Zahlen – man muss es einordnen können.» Und Reinhardt ergänzt: «Es ist ein nettes Anlaufportal für Firmen, die Influencer suchen. Es gibt einen Überblick, wer in der Szene aktiv ist.»

Kuble entwickelt eigene Formel

Influencer.World will sich nun vom Klout-Score abnabeln. «Wir sind derzeit am Entwickeln einer Klout-unabhängigen Formel», sagt Gustavo Salami von Kuble. Dies unter anderem, um die bekannten Problematiken zu lösen. Und weil Trends laut Salami wichtiger sind als der Score an einem bestimmten Tag, wird ein «Best of 2016» erstellt. Dieses werde im Januar publiziert.



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Kommentare

  • Peter Eberhard, 08.12.2016 14:39 Uhr
    Also ganz einfach: Solche Rankings weder beachten noch aktiv daran teilnehmen.

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