26.10.2017

Twitter

Zwei russische Werbekunden rausgeworfen

Das ist eine bisher einmalige Aktion: Der Kurznachrichtendienst hat «Russia Today» und «Sputnik» gekündigt. Sie sollen versucht haben, die US-Wahl zu stören.
Twitter: Zwei russische Werbekunden rausgeworfen
Der Kurznachrichtendienst Twitter hat den russischen Medien «Russia Today» und «Sputnik» als Werbekunden gekündigt. (Bild: Keystone/AP Photo/Matt Rourke)

Twitter hat in einer bisher einmaligen Entscheidung die russischen Medien «Russia Today» und «Sputnik» als Werbekunden rausgeworfen. Das erklärte Twitter in einem Blogeintrag am Donnerstag. Die Entscheidung gehe unter anderem auf die Einschätzung der US-Geheimdienste zurück, dass beide versucht hätten, sich im Dienste der russischen Regierung in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 einzumischen.

Die vom TV-Sender «Russia Today» seit 2011 erhaltenen Werbeeinnahmen in Höhe von 1,9 Millionen Dollar sollen gespendet werden – und zwar für die Erforschung des Einflusses von Twitter auf Wahlen, inklusive der Verbreitung falscher Informationen.

Nach bisherigen Informationen gab «Russia Today» allein im vergangenen US-Wahlkampf 274’000 Dollar für die Verbreitung von Twitter-Posts des Senders aus. Das Werbesystem von Twitter funktioniert so, dass man für Geld Beträge in den Nachrichtenstrom von Nutzern einfliessen lassen kann, die einem nicht direkt folgen.

«Russia Today» beziehungsweise der Online-Ableger RT.com und «Sputnik» werden oft als Propaganda-Sprachrohr des Kreml im Westen bezeichnet. Sie selbst bestehen aber darauf, dass sie reguläre Medien mit allen daraus folgenden Rechten sind.

Grosser politischer Druck

Twitter geriet in den vergangenen Wochen – genauso wie Facebook – unter massiven politischen Druck in den USA. Nach monatelangen Nachforschungen wurden zahlreiche Fälle bekannt in denen mutmasslich russische Drahtzieher das Werbesystem der Online-Plattformen nutzten, um mit Botschaften unter falscher Flagge soziale und ethnische Spannungen in Amerika anzuheizen.

Der Ruf nach Konsequenzen wie stärkerer Regulierung von politischer Werbung in sozialen Medien wurde lauter. Kommende Woche steht eine Kongress-Anhörung zu dem Thema an. Twitter und Facebook sicherten bereits mehr Transparenz vor allem bei politischer Werbung zu.


Noch vor der Ankündigung versuchte die Chefredaktorin von «Russia Today», Margarita Simonjan, Twitter blosszustellen. Der Kurznachrichtendienst selbst habe sich aktiv darum bemüht, dass «RT» sich mit Werbung auf Twitter in den Wahlkampf einschalte, schrieb sie in einem Tweet am Donnerstag und verlinkte auf eine entsprechende Präsentationsfolie, die offenbar von Twitter stammt. (sda/dpa/cbe)

 



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