05.04.2016

Hans Peter Riegel

«So können wir einen Film im Kinoformat günstig produzieren»

Der Künstler und frühere Werber Hans Peter Riegel erstellt momentan mit seinem iPhone einen Dokumentarfilm über die Zürcherin Mel, die in den Neunzigerjahren engen Kontakt zur Drogenszene hatte. Im Interview spricht er über die Finanzierung, die Dreharbeiten und die Protagonistin.
Hans Peter Riegel: «So können wir einen Film im Kinoformat günstig produzieren»
von Matthias Ackeret

hans_peter_riegel_main

Herr Riegel (im Bild oben), Sie produzieren zurzeit einen Film mit – wie Sie sagen - «ungewöhnlichen Mitteln«. Was ist daran so ungewöhnlich?
Wir arbeiten ausschliesslich mit handelsüblichen Systemkameras und iPhones. So können wir einen Film im Kinoformat äusserst günstig produzieren. Very low budget könnte man sagen.

Filmen fürs Kino mit Systemkameras und iPhones. Geht das überhaupt?
Das aktuelle iPhone Spitzenmodell 6s kann in 4K aufnehmen, also im «Ultra High Definition» TV-Format. Diese Auflösung ist doppelt so hoch, wie man sie eigentlich im Kino benötigt. Deshalb müssen 4K Filme für die Verwendnung im Kino auf 2K herunter kopiert werden. In den USA wurden schon zahlreiche Kinofilme mit dem iPhone produziert. Hier ist man noch nicht so weit. Wir wollen das ändern.

Der Titel des Films lautet «Mel: Das andere Leben». Was zeigen Sie?
Mel ist die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die ein Leben jenseits bürgerlicher Normen führt. Mein Film zeigt das mit essayistisch fiktionalen Mitteln, aber auch Film-Dokumenten, die ich in privaten Archiven sowie im Archiv des SRF gefunden habe. Der Film wird ein visueller aber auch musikalischer Trip.

Wer ist Mel?
Mel ist eine ebenso kluge wie ironische Zeitzeugin, die aus der Phase des Zürcher Aufbruchs der Neunzigerjahre, aus der Drogen- und Hausbesetzer-Szene ebenso berichtet, wie aus einer schwierigen Kindheit, aus dem Nightlife, aus ihrem Leben in Zürich, Barcelona, Amsterdam und Berlin. Sie reflektiert über bizarre Männerphantasien, über männliche Unterdrückung und ihre Selbstverwirklichung durch Bondage als Kunstform. Ihre Geschichte ist eingebettet in fiktionalen Stoff. Im Kern geht es um Selbstbestimmung, egal welche Voraussetzungen das Leben mit sich bringt. Mel ist exmplarisch den für Kampf gegen Vorurteile aber auch den Kampf gegen persönliche Dämonen.

Bildschirmfoto 2016-04-05 um 11.51.28

MEL 3

Wie sind Sie auf den Stoff gestossen?
Ich bin Mel im Zürcher Nightlife begegnet. Sie hat mir dabei immer mehr von ihrem Leben erzählt. Dass ich einen Film über sie und ihre Erfahrungen machen werde, stand schon früh fest. Bislang war ich jedoch durch meine künstlerische Arbeit ausgebucht. In diesem Jahr habe ich endlich Zeit für das Projekt.

Sie sammeln Geld für Ihr Projekt. Warum sollen dies die Zuschauer bezahlen?
Sie sprechen auf das Crowdfunding an. Der Film ist weitgehend finanziert, sonst würden wir nicht drehen. Mit meiner Produktionsfirma suche ich allein zusätzliche Mittel für die Veredelung, für Schnitt und Ton. Das Crowdfunding ist in diesem Sinn nur eine Option. Ein Versuch. Wir wollen wissen, ob das ein taugliches Instrument für die Finanzierung von ambitionierten Film-Projekten ist, weil wir neben Mel ja weitere Filme planen. Wer Mel unterstützt, unterstützt auch die zukunftsorierentierte Filmproduktion sowie junge Filmschaffende, die meine Mitstreiter sind und sein werden.

Wie viel Geld haben Sie bereits erhalten?
Ein Fazit möchte ich erst am Schluss formulieren. Also nach 45 Tagen. Wir haben ja gerade erst mit der Aktion begonnen. Daher haben wir auch erst 13 Prozent der erfragten 10'000 Franken eingesammelt.

Sie sind momentan am Drehen. Wie laufen die Dreharbeiten?
Die Dreharbeiten laufen sehr entspannt, weil ich wunderbares Team habe und wir voll im Timing sind. Ich will den Film im Herbst präsentieren.



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

  • Peter den Hartogh, 06.04.2016 09:31 Uhr
    Bioscoop met iPhone...

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang