05.09.2017

Sir Mary

«Die Grenzen zwischen Kreation und Media verschwinden»

Die junge Zürcher Agentur Sir Mary hat sich totale Transparenz und kurze Entscheidungswege auf die Fahne geschrieben. Mit Erfolg, wie der Gewinn des gesamten Media- und Kreativ-Etats der Allianz zeigt. Mitgründer Daniel Zuberbühler über Kommunikation, die sich immer mehr zum Dauer-Dialog entwickelt.
Sir Mary: «Die Grenzen zwischen Kreation und Media verschwinden»
Muss oft selber Kaffee-Nachschub bestellen: Daniel Zuberbühler, Mit-Gründer von Sir Mary. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Zuberbühler, für welche Bereiche sind Sie als neue Lead-Agentur der Allianz verantwortlich?
Für Strategie, Kreation und Media. Bei uns gehört das untrennbar zusammen – besonders, wenn man die digitalen und analogen Customer Journeys im Griff haben will. Genau um solch umfassende Leistungen anbieten zu können, haben wir die Agentur gegründet. Und die Allianz hat uns das Vertrauen geschenkt, das zu beweisen. Das freut uns wahnsinnig.

Wie gross ist das Allianz-Budget und für wie lange gilt die Verpflichtung?
(lacht) Wieso Verpflichtung? Hoffentlich lange! Aber dafür müssen wir einen guten Job machen. Über das Budget machen wir an dieser Stelle keine Angaben.

Sie behaupten von sich selbst, dass sich Sir Mary beim Einkauf und der Abwicklung von Media-Inventar «kompromisslos der totalen Transparenz verpflichtet». Was heisst das?
Ganz einfach: Einkaufspreis gleich Verkaufspreis. Kick-backs, Prozenthonorare oder Arbitrage-Modelle sind die falschen Anreize für uns. Wir wollen, dass unsere Kampagnen für unsere Kunden Erfolg haben. Das ist unsere Währung. Dafür ist Transparenz im Einkauf von Media-Inventar ein Muss. Wir werden von unseren Kunden für unser Know-how und unsere Leistungen bezahlt.

Nach welchem Modell rechnen Sie ab?
Wir rechnen grundsätzlich nach zwei Modellen ab: Strategie, Beratung und Konzeption als Pauschale. Das lässt sich nicht in Stunden fassen. Umsetzungen und Produktionen in Kostenschätzungen nach Aufwand. Egal ob Kreation, PR oder Media, da machen wir keinen Unterschied.

Womit verdient Sir Mary am meisten?
Unser Wertschöpfungsschwerpunkt liegt in unserer «Kopfarbeit» und weniger bei alten Monetarisierungsmodellen, die hauptsächlich auf Umsetzungen und Formatadaptionen aufbauen. Das finde ich richtig.

Daneben betreiben Sie «eine konsequente Nutzung von Data Insights», die es «erlaubt, sofort auf das Konsumverhalten der User zu reagieren». Was heisst das?
Kommunikation entwickelt sich zu einem Dauer-Dialog. Dadurch verschwinden die Grenzen zwischen Kreation und Media, was bedeutet, dass die Data Insights, die wir laufend gewinnen, die Kreation befruchten und vice versa. Ich spreche genau gleich oft mit der Media wie mit der Kreation. Ein konkretes Beispiel: Unsere Mitarbeiter beobachten die Performance der Kampagnen, können mit den gewonnenen Insights weitere Einkäufe steuern, den Kanal wechseln, die Kreation anpassen und somit die Relevanz und Kosteneffizienz erhöhen.

Sir Mary gibt es seit einem Jahr. Gestartet sind Sie mit zwölf Leuten. Wie steht die Agentur da im Vergleich zum Beginn?
Wir sind mittlerweile 18 Sirs und Marys. Unser Set-Up scheint einen Nerv getroffen zu haben. Wir haben im vergangenen Jahr ein interdisziplinäres Team mit Mitarbeitern aus allen Bereichen aufgebaut, die wirklich an einem Tisch sitzen und ein Projekt von Anfang an begleiten, ohne jegliches Platzhirschgehabe.

Was heisst das?
Eine Mitarbeiterin meinte bei ihrem Einstellungsgespräch, ihr sei wirklich wichtig, dass wir den Austausch pflegen und nicht jeder nur für sich arbeitet. Diese Frage hat uns überrascht, denn bei uns ist das selbstverständlich. Wie soll eine Zusammenarbeit denn sonst erfolgreich sein? Aber scheinbar ist dieses «Gärtlidänke» in vielen Agenturen noch Realität. Unser Hauptkommunikationsmittel ist die gesprochene Sprache, an interne E-Mails glaube ich nicht. 

Wann hat das Unternehmen den Break Even erreicht?
42 Tage nach Gründung der Agentur. Viel schneller als erwartet. Das gibt uns die Möglichkeit, unser Angebot zu erweitern und in neue Talente zu investieren. 

Was war besonders wichtig in dieser Zeit?
Dass uns von Anfang an Kunden wie die UBS, Samsung und Sharoo das Vertrauen geschenkt haben. Das ist alles andere als selbstverständlich. Und dass wir mittlerweile ein fantastisches und hochmotiviertes Team zusammen haben, das sich gegenseitig mit seinem Know-how unterstützt und weiterbringt. Das spüren die Kunden.

Gewisse Aufgaben haben Sie bestimmt unterschätzt. Was ist schwieriger als erwartet im Leben als Unternehmer?
Nichts, ganz im Gegenteil: Alles wird einfacher, weil man alles selbst in der Hand hat. Aber es gibt schon Dinge, die ich so nicht vorausgesehen hatte: Zum Beispiel, dass ich so oft Kaffee-Nachschub bestellen muss. (lacht) 

Florian Beck, Maurizio Rugghia und Sie waren früher bei Serranetga. Inwiefern hat Ihnen dieser Hintergrund geholfen beim Aufbau von Kunden-Beziehungen und einer Reputation in der Branche?
Ich habe Florian Beck und Maurizio Rugghia bei Serranetga kennen und schätzen gelernt. Jeder einzelne von uns ist schon lange in der Branche. Es hat keinerlei Einarbeitungszeit gebraucht, wir waren von Anfang an ein perfektes Team. Das hat sicherlich geholfen.

 



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