09.11.2017

Plakatwerbung

Wenn Werbung zum Sündenbock wird

«Genève zéro pub» will Werbung auf öffentlichem Grund verbieten. Kommunikation Schweiz wehrt sich dagegen.
Plakatwerbung: Wenn Werbung zum Sündenbock wird
In Genf ist die kommunale Initiative «Genève zéro pub» zustande gekommen. Sie verlangt, dass auf öffentlichem Grund keine kommerzielle Werbung mehr platziert werden darf. (Bild: Keystone)

Die kommunale Initiative «Genève zéro pub», die mit den benötigten 4000 Unterschriften zustande gekommen ist, will in der Stadt Genf die kommerzielle Werbung auf öffentlichem Grund verbieten. Zudem müssten Plakatwände von den Trottoirs entfernt werden, was vor allem Menschen mit Behinderung das Leben erleichtern soll.

Damit richte sie sich ganz direkt gegen die verfassungsmässig verbriefte Wirtschafts- und Werbefreiheit. Alle anderen Argumente der Initianten seien fadenscheinig, heisst es in einer Mitteilung von KS/CS Kommunikation Schweiz.

So soll die Mobilität insbesondere von handicapierten Menschen verbessert werden, obwohl die einzigen Plakate, die zuweilen die Gehsteige blockieren, für kulturelle, sportliche oder soziale Anlässe werben, und somit von der Initiative gar nicht betroffen sind.

Ein anderes Argument zielt darauf ab, die urbane Qualität zu erhöhen. Damit befinden sich die Initianten gemäss einer Studie, die das Forschungsinstitut Infofact diesen Sommer im Auftrag der Plakatgesellschaft APG durchgeführt hat, allerdings in der Minderheit: satte 81 Prozent der Befragten bezeichneten darin die Plakatwerbung als sympathisch oder sehr sympathisch. Kommt dazu, dass von der Initiative gerade einmal 10 Prozent der insgesamt 3000 Genfer Plakatstellen betroffen wären. Der gewünschte Effekt würde also wirkungslos verpuffen, heisst es weiter.

Finanzielle Implikationen werden ausgeblendet

KS/CS Kommunikation Schweiz wehrt sich dagegen, dass die kommerzielle Kommunikation immer wieder als Sündenbock benutzt wird für soziale und politische Anliegen, die nur in einem offenen Diskurs ohne Scheuklappen gelöst werden können. Umso mehr als die Initianten von neuen Werbeverboten oftmals die finanziellen Implikationen ausblenden. Im Falle von «Genève zéro pub» sind das Einnahmeausfälle der Stadt Genf, aber auch der betroffenen Plakatgesellschaften wie der Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen nur noch beschränkt bewerben können. KS/CS lehnt die Initiative deshalb entschieden ab.

Die Initiative wird in der Stadt Genf von den Grünen, der SP und den Linkaussen-Parteien unterstützt. (pd/cbe/sda)



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