02.01.2018

Jahresrückblick

Das war das Marketingjahr 2017

Vermarkter Admeira hat im laufenden Jahr für viele Schlagzeilen gesorgt – nicht nur mit Rochaden. Das Personalkarussell drehte jedoch auch anderswo. Dazu gab es Millionentransfers und einen Schlagabtausch. Wir präsentieren die Marketing-Höhepunkte 2017.
Jahresrückblick: Das war das Marketingjahr 2017
von Christian Beck

Das Jahr 2017 fing bei Admeira nicht sonderlich gut an. Im Januar verkündete die Werbeallianz einen Abbau von 10,8 Vollzeitstellen. Grund dafür sei das «dynamische Marktumfeld». Die verbliebenen Mitarbeiter zügelten Ende Februar nach Zürich-Altstetten. Der neue Standort im Medienpark bündelt mehrere bisher dezentral über die Stadt verteilte Büros. 160 Mitarbeiter haben die neuen Räumlichkeiten bezogen, gleich neben Ringier Axel Springer Schweiz.

admeira

Nicht sonderlich lange in den Genuss der neuen Büros kam Martin Schneider. Nach genau einem Jahr seit Bestehen der Vermarktungsfirma gab der CEO seine Funktion ab. «Der Entscheid ist nicht über Nacht gefallen», sagte Schneider gegenüber persoenlich.com. Ab Februar 2018 wird Schneider neuer Teletext-Chef. Seine Nachfolge bei Admeira trat der frühere Manor-Chef Bertrand Jungo an. Kaum war der neue CEO im Amt, verliessen unter anderen COO Marc Sier und Verkaufsleiter Arne Bergmann Admeira. Das neue Organigramm, das Anfang November präsentiert wurde, sei agiler und näher beim Kunden, hiess es.

Auch sonst gab Admeira 2017 viel zu reden. Erst kürzlich wurde bekannt, dass sich Admeira an Audienzz beteiligt. Bei der NZZ-Mediengruppe hiess es, dass dies weder ein Beitritt noch ein «medienpolitisches Statement» sei. Ferner gründete Admeira die Tochterfirma Adtelier, um individualisierte 360-Grad-Kommunikationslösungen anbieten zu können. Prompt sorgte dies für einen Protest des Verbands der Schweizer Content-Marketing-Agenturen beim Bundesrat. Widerstand gibt es auch aus der Westschweiz: Der Verlegerverband Médias Suisses forderte die SRG auf, bei Admeira auszutreten.

Die Deutschschweizer bekämpfen den Vermarkter anders: Der Verband Schweizer Medien (VSM) fordert eine Aufspaltung von Admeira. Im Bereich Datenmanagement sollen alle Zugang haben. Weiter kritisierte Verbandspräsident Pietro Supino am Swiss Media Forum in Luzern, dass Admeira nur mit einzelnen Verlagen kooperieren würde, Gespräche mit dem VSM aber ablehne. Admeira-Initiant Marc Walder platzte daraufhin der Kragen: «Ich bin sehr enttäuscht über dieses miese politische Spiel.»

jungo

Berechtigt deshalb die Frage an den neuen Admeira-CEO Bertrand Jungo, wie es denn sei, eine Firma zu führen, deren Existenz häufig in Frage gestellt werde. «Grundsätzlich konzentriere ich mich nicht darauf, dass das Unternehmen umstritten ist, sondern darauf, was wir erreichen wollen: Eine hohe Zufriedenheit der Werbeauftraggeber», sagte er im grossen Interview, das in der Dezember-Ausgabe von «persönlich» erschienen ist.

Ein Kommen und Gehen

Personalwechsel gab es natürlich auch bei anderen. So kam im September auch Vermarkter Publicitas mit Denis Gheysen in den Genuss eines neuen CEOs. Sein Vorgänger Wolfgang Schickli hängte den Job Ende 2016 nach wenigen Monaten an den Nagel. Heute leitet er die Berner People-Zeitung «Bärnerbär» und ist gleichzeitig deren Verlagsleiter.

rickli

Lust auf Neues verspürt auch Natalie Rickli. Nach zwölf Jahren bei der Goldbach Group gibt die SVP-Nationalrätin in diesen Tagen ihre Position als Partner Relation Manager ab. «Kommunikation ist meine Leidenschaft. Darum möchte ich in diesem Bereich etwas machen», sagte Rickli im persoenlich.com-Interview zu ihren Zukunftsplänen.

In die Selbstständigkeit wagt sich auch Jürg Schmid. Nach 18 Jahren an der Spitze von Schweiz Tourismus verlässt er Ende Jahr die Marketingorganisation. «Mein Entscheid ist kein Entscheid des Weggehens, sondern des Hingehens», sagte Schmid zu persoenlich.com. Er wird eine eigene Marketingagentur gründen und seine Erfahrung in verschiedene Verwaltungsratsmandate einbringen. Schmids Nachfolger bei Schweiz Tourismus wird ab 1. Januar 2018 Martin Nydegger.

schweiztourismus

Einen neuen Job hat auch Tim Alexander. Der bisherige Leiter Marketing und Kommunikation hat nach vier Jahren bei der Swisscom gekündigt. Seit 1. Juli ist er Chief Marketing Officer für das Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank. Sein Nachfolger wurde Achill Prakash. Auch Globus muss sich einen neuen Marketingchef suchen. Marc Engelhard verliess das Unternehmen im Herbst. «Die Rolle des Marketings bei Globus hat sich in den letzten eineinhalb Jahren verändert und bietet mir nicht die erhofften Entfaltungsmöglichkeiten», begründete er seinen Entscheid.

Auch beim Berufsverband Swiss Marketing kommt es zu Veränderungen. Präsident Uwe Tännler stellt sich an der nächsten Delegiertenversammlung vom Juni 2018 nicht mehr zur Wiederwahl und wird so nach zwölf Jahren als Präsident zurücktreten. Kurz später wurde bekannt: Tännler steht ab März 2018 an der Spitze der europäischen Marketingorganisation EMC.

Millionen-Etat an neue Media-Agentur

Nicht nur personelle Wechsel gab es im zu Ende gehenden Jahr. Anfang Jahr übernahm Dentsu Aegis Network den Schweizer Marktführer im Bereich der digitalen Transformation, Blue-infinity, mit 500 Mitarbeitern. Eine Investition, die sich gelohnt haben dürfte. Im August horchte die Branche auf: Die Migros wird nach neun Jahren die Zusammenarbeit mit OMD beenden und 2018 den gesamten Mediaetat dem Dentsu Aegis Network übertragen. Der Agenturwechsel basiere auf einer über mehrere Wochen durchgeführten Agentur-Revision, hiess es. Ein Millionentransfer.

migros

Nicht ganz so schwer dürfte ein anderer Transfer wiegen – und dennoch ist er ebenfalls gewichtig. Im Pitch um den Mediaetat der L'Oréal-Gruppe ab 2018 hat sich die Publicis Media durchgesetzt. Dafür gründet die Agentur die Einheit iBeauty.

Medien werden Vermarkter – und umgekehrt

In die Vermarktung von Aussenwerbung will Tamedia einsteigen. Deshalb übernimmt die Mediengruppe per 1. Januar 2018 eine Mehrheitsbeteiligung an Neo Advertising mit Sitz in Genf. Das 2003 gegründete Unternehmen betreibt rund 12’000 digitale und analoge Aussenwerbeflächen. Tamedia kämpft dabei mit harten Bandagen. Die Vergabe der SBB-Werbeflächen an APG ab 2019 ficht Tamedia gemeinsam mit Neo Advertising an. Nochmals einen Knall gibt es kurz vor Weihnachten: Tamedia will die Medienvermarkterin Goldbach Gruppe übernehmen, zu einem Kaufpreis von 216 Millionen Franken. Dadurch soll eines der reichweitenstärksten Vermarktungsunternehmen der Schweiz entstehen.

Während das Medienhaus Tamedia vermehrt in die Vermarktung einsteigt, gab es anderorts den umgekehrten Weg. Der Werbevermarkter Livesystems, dem die zwei Produkte Passenger TV und Gasstation TV gehören, machte sich im 2017 auf die Suche nach rund 45 Journalisten. Im Laufe des Jahres wurde klar, um was es geht: Lanciert wurde nau.ch, ein Online-Nachrichtenportal. Im Oktober ging es live, seither sind die Nachrichten im Bus, im Tram, im Zug, an der Zapfsäule und auch online zu lesen.

Erfolgreich unterwegs ist die Zürcher Digital-Marketing-Agentur Webrepublic. Erstmals wurde der «Digital Marketing Award» im Rahmen der D:Pulse in Zürich verliehen. Als «Digital Agency of the Year» geehrt wurde Webrepublic. Gründer Tom Hanan erhielt zudem den Titel «Digital Lifetime Award». Damit nicht genug: Hanan wurde im gleichen Jahr von EY auch noch mit dem Award zum «Entrepreneur Of The Year 2017» in der Kategorie «Dienstleistung/Handel» geehrt. «Die Auszeichnung ist eine grosse Ehre. Aber der Preis gehört meinem Team – und unseren Kunden, die mit uns mutig und innovativ sind», sagt er im persoenlich.com-Interview

Videos sind weiter im Vormarsch

Innovativ muss man in der Vermarktung heutzutage ohnehin sein. Dies aber nicht ohne Gefahren. So waren Ad Fraud, Viewability und Brand Safety grosse Themen im 2017. So liess eine Aussage von Mark Forster, CEO des Schweizer Mobile-Technologie-Unternehmens Adello, aufhorchen: «Bis 70 Prozent aller Zugriffe auf Videos sind Fake». Eine von Google durchgeführte Studie zeigte: Teilweise wurde über 50 Mal mehr Werbung verkauft als die gebuchten Webseiten tatsächlich ausgespielt haben. Vor allem Video war betroffen. Und nicht nur das. Werbung der Post, Swisscom, Migros, Coop oder Ikea tauchte im Umfeld von extremistischen Youtube-Videos auf.

adfraud

Apropos Video: Einen regelrechten Schlagabtausch lieferten sich Farmy und Aldi. Der Online-Hofladen provozierte mit einem Spot den Discounter. In Rekordzeit reagierte Aldi mit einem eigenen Clip. Und weil aller guten Dinge drei sind, lieferte Farmy noch einen Spot im Breaking-News-Stil. Mit diesen drei Videos – in chronologischer Reihenfolge – lassen wir nun das Marketingjahr 2017 ausklingen. Prosit Neujahr.



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