11.06.2018

Postauto-Skandal

Geschäftsleitung per sofort freigestellt

Nach dem Rücktritt von Post-Chefin Susanne Ruoff muss auch die gesamte Geschäftsleitung der Postauto AG gehen. Laut Bundesrätin Doris Leuthard sind die Machenschaften unentschuldbar.
Postauto-Skandal: Geschäftsleitung per sofort freigestellt
Fahrzeuge der Postauto AG am Bahnhof in Chur. (Bild: Keystone)

Die Geschäftsleitung der Postauto AG wird im Zuge des Buchungsskandals per sofort freigestellt. Dies gab die Post am Montag bekannt. Am Vortag hatte bereits Post-Chefin Susanne Ruoff ihren Rücktritt bekannt gemacht (persoenlich.com berichtete).

Ein langfristiger Wiederaufbau des Vertrauens sei nur mit einer neuen Geschäftsleitung möglich, sagte Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller an einer Medienkonferenz. Die Zusammenarbeit mit Personen mit besonderer Verantwortung, also Leute, die am System der Umbuchungen direkt beteiligt waren, werde beendet. Auch bei Personen, die aufgrund ihrer besonderen Verantwortung trotz zahlreicher Hinweise nicht eingeschritten seien, fehle die notwendige Vertrauensbasis. Auch Schadenersatzzahlungen würden geprüft.

Neuer interimistischer Leiter von PostAuto wird Ulrich Hurni, Leiter PostMail und Stellvertreter der zurückgetretenen Konzernchefin Ruoff. Schwaller äusserte sich erschüttert über die Geschehnisse, für die es keine Rechtfertigung gebe. Es sei ein inakzeptabler Vertrauensbruch eines Unternehmens, das zu 100 Prozent im Besitz des Bundes sei. Bund, Kantone, Geschäftspartner und Steuerzahlen seien hinters Licht geführt worden. Schwaller kündigte im weiteren auch an, dass das Personentransportgeschäft in Frankreich überprüft wird. Er zeigte sich überzeugt davon, dass sich PostAuto zurückziehen werde.

Unentschuldbare Machenschaften

Auch aus Sicht von Postministerin Doris Leuthard sind die Machenschaften bei PostAuto unentschuldbar. Sie schadeten PostAuto, der Post und dem Vertrauen in den Service public generell, sagte Leuthard am Montag vor den Medien in Bern. Im gleichentags veröffentlichten Bericht sieht Leuthard eine Bestätigung, dass das Bundesamt für Verkehr mit seinem Verdacht recht hatte: PostAuto habe während Jahren ein System der Manipulation unterhalten und Vorschriften des Departements verletzt.

«Die Umbuchungen waren widerrechtlich, unbegründet und wurden dem Bundesamt für Verkehr nie transparent ausgewiesen», sagte Leuthard. Es gelte nun, Lehren zu ziehen und zu fragen, warum die Machenschaften so lange unentdeckt geblieben seien. Erste Hinweise habe es 2012 gegeben. Der Preisüberwacher habe damals Fragen gestellt. Das Positive sei, dass sich niemand persönlich bereichert habe, sagte Leuthard weiter. Die zu viel bezahlten Abgeltungen würden noch in diesem Jahr zurückbezahlt.

Was die Verantwortlichkeiten betreffe, stelle sich die Frage, wer Kenntnisse von den Umbuchungen hatte und wer aufgrund von Hinweisen hätte reagieren müssen. Es sei keine einfache Frage, stellte Leuthard fest. Auf Ebene Konzern sei der Verwaltungsrat zuständig. Von dessen Massnahmen habe sie Kenntnis genommen.

Um einen Neuanfang zu ermöglichen und das Vertrauen wieder herzustellen sei es richtig, personelle Konsequenzen zu treffen. Sie habe auch Kenntnis genommen vom Rücktritt von Post-Chefin Susanne Ruoff, sagte Leuthard. Die Post-Chefin habe nichts gewusst von den illegalen Buchungen. Sie habe aber 2013 Hinweise gehabt, denen sie hätte nachgehen müssen. Ruoff habe die Verantwortung übernommen und damit Platz gemacht für einen Neustart, sagte Leuthard weiter. Sie dankte Ruoff «für ihre ansonsten sehr erfolgreiche Zeit als CEO». Ruoff habe den Konzern umsichtig geführt und wichtige Reformen eingeleitet. (sda/wid)



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