04.10.2016

CS-Jugendbarometer

Jetzt kommt die «Generation Stress»

Laut der aktuellen Umfrage der Grossbank Credit Suisse ist die heutige Jugend immer gestresster – Smartphones und Apps sind mitschuldig. Gratiszeitungen sind weiterhin wichtigstes Medium, SRF geniesst das grösste Vertrauen bei den Jungen.
CS-Jugendbarometer: Jetzt kommt die «Generation Stress»
Die Jugendlichen sind stets online und die Kommunikationstrends verändern sich schnell. Dieses Jahr ist Snapchat besonders in. Und: Das Internet macht Politik spannender. (Bild: Keystone)

Die befragten Jugendlichen in der Schweiz, Brasilien, Singapur und den USA wollen alles haben im Leben: Karriere machen, aber gleichzeitig eine ausgewogene Work/Life-Balance pflegen, selbstständig sein und bei einer internationalen Firma arbeiten, weniger sparen, aber auch ein Haus kaufen. Und bei allen Aktivitäten sind sie stets online, kommunizieren miteinander, konsumieren News, gamen und entdecken neue Plattformen – besonders in der Schweiz ist Snapchat ein Senkrechtstarter. All dies lässt den Schluss zu, dass die heutige Jugend zu einer «Generation Stress» wird, wie es im Credit-Suisse-Jugendbarometer heisst.

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Gratiszeitungen wichtig für Newskonsum

Differenzierter, als man gemeinhin annehmen könnte, ist das Medienverhalten der Jugendlichen, hier am Beispiel der Schweiz. Die Gratiszeitungen sind immer noch für 62 Prozent der 16- bis 25-Jährigen das wichtigste Medium für den Newskonsum, 2010 wählten aber noch 75 Prozent diese Antwort. Die Konkurrenz durch Internet-Zeitungsseiten und News-Apps nimmt stark zu. Im Fall von «20 Minuten» und «Blick am Abend» dürfte es einfach ein Kanalwechsel sein: Statt der gedruckten Zeitung liest man den Titel nun digital.

Fernsehen verlor wenig überraschend über die letzten sechs Jahre an Popularität. Interessant ist, dass nun auch das Radio erstmals an Beliebtheit einbüsst: Jahrelang gab rund die Hälfte der Befragten in der Schweiz an, Radio zu hören, jetzt sind es noch 42 Prozent. Eine Erklärung könnte das Aufkommen von Streamingdiensten sein, durch die jeder seine eigene Musik zusammenstellen kann. In den anderen Ländern ist dieser Trend nicht zu beobachten, wobei das Radio dort nie dieselbe Bedeutung wie in der Schweiz erreichte. Facebook wird dafür immer mehr zu einem Newskanal; 2010 nutzten erst 35 Prozent der Jugendlichen die Plattform als solchen, heute sind es 47 Prozent.

Glaubwürdigkeit im Netz schwindet

Gefragt, welchen Medien die Jungen vertrauen, nennen sie zuerst SRF, NZZ und «Tages-Anzeiger». Rein digitale Kanäle stehen am Ende der Rangliste: YouTube, Facebook und Twitter. 

Einer grossen Mehrheit ist bewusst, dass Beiträge auf Facebook, Twitter und Co. manipuliert sein könnten. Und nur eine Minderheit glaubt, diese Kommentare seien ehrlich und unverfälscht (Ausnahme: Singapur). Überall ist bekannt, dass es sogenannte Trolle im Netz gibt, die keine ehrlichen Absichten hegen.

Snapchat auf dem Vormarsch

Die SMS gewinnt in den USA und in Singapur immer noch an Bedeutung, in Brasilien und der Schweiz wird sie nur noch von einer Minderheit benutzt. Neuer Favorit: Snapchat. Bereits 52 Prozent der Befragten nutzen den Kommunikationsdienst in der Schweiz.

Snapchat

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Politik im Netz funktioniert

Im Jahr, in dem das Internet sein 25-Jahr-Jubiläum feiert, versuchen Politiker rund um die Welt so intensiv wie nie zuvor, Jugendliche über Internet und Social Media anzusprechen. Eine Mehrheit der Befragten in der Schweiz und im Ausland bewertet es positiv, dass politische Themen online kommentiert und diskutiert werden können: Das sei ein Vorteil für die Politik.

Jugendliche sind sich aber auch der negativen Seiten der virtuellen Welt bewusst – vor allem in Bezug auf Shitstorms und potentiell manipulierte politische Inhalte auf Facebook und Twitter. Ausser in der Schweiz gibt es dennoch eine breite Zustimmung zur Aussage, «Facebook, Twitter und Online-Kommentare machen Politik spannender und motivieren zu stärkerem politischem Engagement». In der Schweiz sind immerhin 39 Prozent der Befragten der Meinung, Internet-Demokratie ermögliche Mitgestaltung. (pd/cbe)

 

 

 



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