15.10.2017

Sponsoring an Schulen

Manifest gegen «Würstli-Memory» & Co.

Kommerz im Schulunterricht: Lehrer wehren sich gegen Sponsoring an Schulen. Sie kritisieren die Zunahme von Logos, Product Placement und anderen Einflüssen in den Klassenzimmern.
Sponsoring an Schulen: Manifest gegen «Würstli-Memory» & Co.
Schulzimmer sollten möglichst wenig frei von Sponsoring sein, fodert der Lehrerverband. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Firmen und Verbände drängen mit ihren Produkten zunehmend in die Schweizer Klassenzimmer. Nun wehren sich die Lehrer gegen das heikle Sponsoring, berichtet die «Schweiz am Wochenende».

An einem Spitzentreffen in Hamburg haben die nationalen Lehrerverbände der Schweiz, Österreich und Deutschland kürzlich ein Manifest verfasst. Darin fordern sie klare Richtlinien für Unternehmen und warnen vor den Folgen des Trends. «Die Politik darf nicht sukzessive Sponsoring an Schulen erlauben, um sich selbst aus der Verantwortung zu stehlen.» Beat Zemp, der oberste Lehrer der Schweiz und Mitverfasser des Manifests, kritisiert die Zunahme von Logos, Product Placement und anderen Einflüssen in den Klassenzimmern. «Dagegen müssen wir uns wehren», sagt er zur «Schweiz am Wochenende».

Der zentrale Punkt der Hamburger Erklärung lautet deshalb: «Es braucht einheitliche, verbindliche Regeln für das Sponsoring an Schulen.» Die Lehrer fordern von den Kantonen klare Strukturen, ansonsten würden sich die Risiken auf allen Stufen erhöhen.

Die Auswüchse des Sponsorings in den Klassenzimmern offenbarten sich zuletzt deutlich: So will Swissnuclear, dass alle Schüler lernen, Atomstrom sei zweifellos die sicherste und sauberste Energie. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé erteilt Geschichtslektionen über Schokolade. Der Fleischfachverband hofft, dass Kindergärtler mit «Würstli-Memory» ihr Gedächtnis trainieren. Und Victorinox sähe es am liebsten, wenn Mittelschüler im Werkunterricht lernen würden zu schnitzen – natürlich am liebsten mit Victorinox-Sackmessern.

Dass Firmen ihre Produkte gerne an Schulen verteilen, kommt nicht überraschend. «Das sind eindeutige Beeinflussungsversuche», sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter zur «Schweiz am Wochenende». Die Unternehmen möchten ihre Marken schon früh in den Köpfen der Schüler verankern. Die Erfolgschancen dafür stehen gut: «Kinder sind noch nicht in der Lage, Werbung rational zu verarbeiten und dadurch leichter beeinflussbar.» Deshalb spricht sich auch Fichter für klare Regeln aus. «Die sind dringend notwendig.» (pd/eh)

 



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