05.12.2016

Publicitas

«Wir wollen Publicitas zu ihrem alten Glanz zurückführen»

Aurelius verkauft den Schweizer Werbevermarkter an das bestehende Management. Der jetzige CEO und künftige Besitzer Joerg Nuernberg sagt im Interview, weshalb er das Unternehmen zusammen mit dem Finanzchef Carsten Brinkmeier gekauft hat und was sie damit vorhaben.
Publicitas: «Wir wollen Publicitas zu ihrem alten Glanz zurückführen»
«Publicitas zum alten Glanz zurückführen»: Der neue Publicitas-Besitzer Joerg Nuernberg. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Nuernberg, letzte Woche wurde bekannt, dass Sie zusammen mit Finanzchef Carsten Brinkmeier Publicitas gekauft haben. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?
Carsten und ich sehen in Publicitas ein Unternehmen mit grossem Potenzial. Unsere Produkte und Services sind überzeugend und unsere Mitarbeiter sind ein Garant für 110 Prozent Qualität für unsere Verleger und Kunden.
 
Wem und zu welchen Teilen gehört nun Publicitas?
Drei Partner sind jeweils paritätisch an Publicitas beteiligt.
 
Welche Vision haben Sie für Publicitas?
Wir wollen Publicitas zu ihrem alten Glanz zurückführen. Wir haben schon ein gutes Stück Weg zurückgelegt, haben aber noch ein hartes Stück Arbeit vor uns.
 
Was haben Sie in den nächsten drei Jahren vor mit dieser Firma?
In 2017 wollen wir eine schwarze Null schaffen. Das steht im Vordergrund und das sind wir unseren Mitarbeitern, Verlegern und Kunden schuldig. Wir bauen unser Digitalgeschäft konsequent aus um dem Printrückgang entgegenzutreten. Wir werden aber auch spannende Produkte im Printbereich in 2017 lancieren. Haben wir das alles geschafft, sehen wir weiter.
 
Sie wollen in der neuen Eigentümerschaft «den Service besser vermarkten», hiess es am Freitag. Was genau meinen Sie damit?
Publicitas bietet für Verleger und Werbetreibende transparente Rundum-Sorglospakete an. Diese werden aufgrund der langen Tradition die bei unseren Kunden und Verlegern nicht immer wahrgenommen. Auch vermarkten wir diese Services nicht aktiv genug bei Potenzialkunden. Das wollen wir ändern.
 
Digitale Aktivitäten sollen stark ausgebaut werden. Was konkret ist hier zu erwarten?
Wir arbeiten stark an der automatisierten Abwicklung von Digitalwerbung. Das Stichwort programmatisch fällt hier häufig. Programmatik ist bei dem ein oder anderen negativ besetzt, was häufig an Erfahrungen mit den falschen Partner und/oder Unverständnis liegt. Hier haben wir in Know-How und Plattformen weltweit investiert und treiben dies mit neuer Technologie weiter voran. Dadurch haben unsere Werbetreibenden mehr Transparenz und können ihre Kampagnen besser aussteuern. Unsere Verleger bekommen dadurch mehr Traffic und verdienen somit auch mehr.
 
Welche Kunden haben Sie momentan?
Wir arbeiten sowohl für Verleger, Agenturen und Werbetreibende. Unsere wichtigsten Kunden in der Schweiz sind
Werbe- und Media-Agenturen wie Omnicom Media Group Schweiz, Konnex Agentur für Medienkommunikation und Dentsu Aegis Network Switzerland. Zu unseren Grosskunden zählen wir Migros, Credit Suisse oder Amplifon. Regie-Partner sind «Corriede del Ticino» und «LaRegione» im Tessin, ESH und «Le Quotidien Jurassieren» in der Westschweiz und Regio-Pool, «Sarganserländer», «Rheintalter» und «Engadiner Post» in der Ostschweiz.
 
2014 waren es noch 840 Mitarbeiter, heute sind es 750. Wird es im nächsten Jahr zu Kündigungen kommen?
Wir werden unsere Kostenstruktur konsequent den Marktgegebenheiten anpassen. Da, wo wir effizienter werden können, werden wir dies auch umsetzen. Die Effizienzmassnahmen, die wir uns vorgenommen haben für 2017/18 sind bereits zu grossen Teilen angestossen. In einem Markt, der sich im 15-Minutentakt ändert, sind kategorische Aussagen jedoch unangebracht.
 
Legen Sie den Fokus auf den internationalen Markt oder auf die Schweiz?
Die Schweiz ist unser Heimatmarkt und das Fundament für den Erfolg der Publicitas. Hier liegt ganz klar unser Fokus. Hier wollen wir wieder unsere historische Stärke zurückgewinnen. Da sind wir auf einem guten Weg.
 
Im Jahr 2016 ging ja die Printwerbung nochmals massiv zurück im Vergleich zum Vorjahr: Um welchen Anteil? Können Sie Zahlen nennen?
In 2016 ist der Printmarkt um 15 bis 20 Prozent für Publicitas zurückgegangen. Je nach Region und Kanal (Magazin/Tageszeitung) schwankt dies in dieser Bandbreite. Unser Digitalgeschäft haben wir um über 100 Prozent steigern können.
 
Mit welchem Szenario rechnen Sie für 2017?
In 2017 erwarten wir einen weiteren Rückgang im Printgeschäft um zirka 10 Prozent, dem wir mit unserem konsequenten Ausbau in Digitalprodukten entgegenstehen werden.

Das Interview wurde schriftlich geführt.



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