26.04.2017

Republik

750'000 Franken in 7,5 Stunden gesammelt

Das Medienprojekt von Constantin Seibt und Christof Moser wird 2018 Realität. Im am Mittwoch gestarteten Crowdfunding wurden die beiden gesteckten Ziele – 750'000 Franken und 3000 Mitglieder – innert Stunden erreicht. «Ein Rekord», sagt Co-Gründer Moser zu persoenlich.com. Die Sammlung geht nun weiter.
Republik: 750'000 Franken in 7,5 Stunden gesammelt
Händeschütteln mit Constantin Seibt (links) zum Start des Crowdfunding: Da es erfolgreich war, geht «Republik» Anfang 2018 an den Start. (Bilder: Keystone/Ennio Leanza)

Das Schweizer Medienprojekt «Republik» hat am Mittwoch um 7 Uhr mit seiner Spendensuche begonnen. 36 Tage gaben sich die Macher Zeit, um 750'000 Franken zu sammeln und 3000 Leser zu finden. Zahlreiche Menschen warteten am Mittwochmorgen in Zürich in einer Schlange, um Teil von «Republik» zu werden (vgl. Bilder unten). Nach nur gerade 7,5 Stunden war das erste Ziel, die 750'000 Franken, bereits erreicht.

«Laut Campaignern gabs sowas noch nie in der Schweiz», sagt Co-Gründer Christof Moser zu persoenlich.com. Oder anders formuliert: «Ein Rekord. Wir sind überwältigt.»

Infos einordnen

Auch was die benötigten Abonnenten betrifft – das zweite gesteckte Ziel –, konnten die «Republik»-Macher Erfolge verbuchen. Die erforderlichen 3000 Abonnenten meldeten sich bis kurz vor 15 Uhr auf der Website an, wie aus dem Liveticker hervorgeht. Damit war bereits am Nachmittag klar: Die «Republik» wird es ab 2018 geben.

Das Ziel wurde am Mittwoch nicht nur erreicht, sondern sogar weit übertroffen. Bis um 23.30 Uhr registrierten sich bereits über 5500 Abonnenten und sicherten so über 1,4 Millionen Franken zu.

«Republik» von Project R soll ein unabhängiges, digitales Magazin werden, das sich auf die Einordnung von Informationen konzentrieren will. Es soll leserfinanziert und ohne Werbeeinnahmen funktionieren.

Die Crew besteht aus fast einem Dutzend Journalisten, darunter Constantin Seibt und Christof Moser. Hinzu kommen Start-up-, Kommunikations-, Organisations- und IT-Spezialisten.

Startkapital von mehreren Millionen

Wer 240 Franken bezahlt, erhält ein Jahresabonnement und ist gleichzeitig Mitglied der Genossenschaft. Pro Tag werden drei Texte publiziert, die dann auch mit Freunden geteilt werden können.

Damit das Magazin erscheinen kann, brauchte es mindestens die nun erreichten 3000 Personen, die dafür Geld ausgeben wollen. Dies haben sich die Verantwortlichen als Markttest zum Ziel gesetzt. Die Investoren und Spender, die bereits Mitte März Geld versprochen haben, müssen erst zahlen, sobald die Verantwortlichen ihren Teil erfüllt haben.

Die Investoren hatten ihre Summe von 3,5 Millionen Franken an die Bedingung geknüpft, dass sich mindestens 3000 Abonnenten anmelden. Dieses Ziel ist nun erreicht.

Gebrüder Meili als Investoren

Eine Liste der Investoren wollten die Verantwortlichen am Mittwoch noch nicht publik machen. Da die Vereinbarungen erst vor wenigen Tagen fertig geworden seien, seien einige Investorinnen und Investoren noch am Gegenlesen, teilte Susanne Sugimoto vom Leitungsteam der «Republik» auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mit.

Sobald die Unterlagen unterschrieben seien, würden die Namen veröffentlicht. Einen nannte Sugimoto trotzdem schon: Unter den Investoren sind die Gebrüder Meili aus Zürich.

Mit dem Nachlass ihres Vaters – er entwickelte Brandmelder – unterstützen die schwerreichen Erben seit Jahren zahlreiche Projekte. Im Jahr 2015 engagierten sie sich im Abstimmungskampf für die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer. (sda/eh/cbe)



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Kommentare

  • Oliver Brunner, 26.04.2017 11:59 Uhr
    Und wieder ein Hipster-Journalismus-Projekt, das einige Wochen begeistert und dann langsam stirbt - siehe Tageswoche, in Bern gab's auch mal so ein Ding und auch Watson. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Bin ich der einzige, der Crowdfunding viel problematischer erachtet, als den traditionellen Abonnenten? Das öffnet doch Tür und Tor für dubiose Vernetzungen und Finanzierungen...
  • Andy Lehmann, 26.04.2017 12:02 Uhr
    Ich verstehe, bei allem Erfolg, 2 Punkte nicht: - Warum wird auf Werbung verzichtet? (Für mich völlig unverständliche Begründung im heutigen Morgenmail: "«Republik» wird sich ohne Werbung finanzieren. Und damit ohne Ablenkung von den eigentlichen Kundinnen und Kunden: Ihnen.") Hä? Wer lenkt da wen ab? - Wie soll eine Massen-Publikation (Eigendefinition von "Republik" im heutigen Morgenmail) mit 3000 Abonnenten funktionieren? Masse ist doch schon etwas mehr...
  • Jérôme Strijbis, 26.04.2017 12:40 Uhr
    Nur weil ein Projekt digital, modern und dem Zeitgeist urbaner junger Menschen zu entsprechen scheint, ist es noch nicht "wieder ein Hipster-Projekt". Ich bin auf jeden Fall gespannt, gratuliere zum Mut und hoffe, dass im Sog der top vernetzten Republik arrivierter Medienschaffender auch weitere hervorragende Projekte - www.daslamm.ch, um nur eines zu nennen - Rückenwind erhalten. Übrigens: De Correspondent aus NL zeigt, dass das Modell durchaus nachhaltig funktionieren kann. Und auch das entstand durch Crowdfunding, das in dieser Form ausser dem Namen und dem Akquisekanal nicht viel anders funktioniert als ein Abonnement.
  • Stefan Heimers, 26.04.2017 12:56 Uhr
    Gerade Tageswoche und Watson gehören zu den wenigen Titeln mit deutlichem Wachstum der Leserzahlen.
  • Niklaus Wächter, 26.04.2017 12:56 Uhr
    Ein kunterbunt gemischtes, experimentierfreudiges Team mit dem medienüblichen Linksdrall und den altbekannten Vorsätzen. Die letztlich kein Medium umsetzt. Was sich eine potentielle Abonnentenschaft aber wohl viel eher wünscht, ist ein tauglicher Newsfilter, der die Nachrichtenflut wo auch immer sie herkommt, den deklarierten Interessen seiner Nutzer zuordnet. Eine Zweitung gewissermassen. Die als zweite Instanz aussortiert. Aber eben: Das wäre dann harte Knochenarbeit statt Selbstverwirklichung. Und wer will das schon ?
  • Felix Büchner, 26.04.2017 13:25 Uhr
    Sehr geehrter Herr Brunner, Prognosen sind schwierig, besonders wenn Sie die Zukunft betreffen. Was macht Sie so sicher? Vorschlag: Abonnieren Sie die Republik, dann können Sie die Zukunft ein wenig mitgestalten! Felix Büchner
  • Eva Straumann, 26.04.2017 13:35 Uhr
    Gratuliere zu diesem spannenden Projekt. Wie Andy Lehmann finde ich es ebenfalls eine verpasste Chance, die Werbung aussen vor zu lassen. Ich bin überzeugt, dass gerade hier Werbung von einer attraktiven Zielgruppe besonders beachtet würde und damit eine kreative anregende Plattform für "republikanische Werbung" geschaffen würde. Dass der Income helfen würde, die Republik auf ein finanziell tragbare(r)es Fundament zu stellen ist ja klar...
  • Herbert Fischer, 26.04.2017 13:57 Uhr
    Tönt alles begeisternd. Ich wünsche den GründerInnen dieses Projekts, dass sie in aller Ruhe und vor allem sehr genau all die Fehler studieren, die in den letzten Jahren bei solchen «Neugründungen» gemacht worden sind. Die haben nämlich, so schmerzlich sie und ihre Auswirkungen auch gewesen sein mögen, einen grossen und gemeinsamen Vorteil: sie müssen nicht wiederholt werden, um erneut zu erkennen, dass sie Fehler waren. Ansonsten aber wünsche ich dieser Crew selbstverständlich nur das Beste und eine grossartige Startphase. Mit Respekt und Sympathie!
  • Parvez Sheik Fareed, 26.04.2017 14:12 Uhr
    Weshalb Werbung in einem Online Medium kontraproduktiv ist, zeigt Dominik Imseng hier schlüssig auf: https://dominikimseng.com/2014/10/21/online-journalismus-kritik/
  • Christoph Sühle, 26.04.2017 15:03 Uhr
    Viel Glück. Ich hoffe, die machen es besser als Watson und Tageswoche, die schon wieder fast tot sind
  • Peter Eberhard, 26.04.2017 15:23 Uhr
    Lieber Herr Lehmann, liebe Frau Straumann: Dank Werbung zu einer "kreativen anregenden Plattform"? Warum schauen dann die Leute zeitversetztes TV und aktivieren Adblocker, und warum versuchen Werber/Auftraggeber diese via Native Ads zu umschiffen? Vielleicht sollten die Werber mal in sich gehen.
  • Anita Krebs, 26.04.2017 15:24 Uhr
    Wer nichts wagt, der wird sicherlich nicht gewinnen ... Viel eRfolg!
  • Robert Weingart, 26.04.2017 15:45 Uhr
    Ein gutes Zeichen für den Journalismus. Es gibt noch Leute, die für Qualität bereit sind, etwas zu zahlen. Das macht Mut. Es werden aber wohl nur noch solche Nischenprodukte das Erdbeben in der Branche überleben.
  • Kasimir Baumann, 26.04.2017 15:59 Uhr
    Bei einer Geburt kann man gratulieren und mit den Eltern anstossen. Oder man kann mötzeln und nörgeln und schlechte Laune verbreiten. Also, ich als neuer und freudiger Genossenschafter bin dann mal drüben vor dem Kreisssaal. En schöne Tag na!
  • Oliver Brunner, 26.04.2017 18:15 Uhr
    Wenn das Projekt in ähnlicher Weise schon drei bis vier Mal schief gelaufen ist, kann man durchaus eine Prognose wagen. Ich bleibe dabei: Das wird Infosperber für Mittelalterliche (ersteres ist für sehr Alte). Immer dieses neudeutsche "Einordnen", d.h. ich drücke Dir meine Meinung aufs Auge. P.S. Die Gebrüder Meili und nicht-genannte Investoren sind mir auch suspekt.
  • Julien Schwab, 26.04.2017 23:24 Uhr
    Ich war eigentlich vor einigen Monaten ziemlich unsicher, ob so ein Projekt nachhaltig leben könnte, bis ich die Zeitungen "Mediapart" in Frankreich oder "de correspondent" in Holland lernen kannte. Ohne Werbung und mit einem korrektem Preis von den Lesern ist es gut möglich, eine gute digitale Zeitung zu führen. Ich hoffe einfach, dass das Team richtig auf den neuen Medien nicht verzichten wird, wie YouTube, Facebook und andere Plattformen, die die Kommunikation der Information wirklich helfen. Ich bin jetzt Mitglied von Mediapart und Republik, und hoffe mir eine gute und unabhängige Informationsquelle. Ich kann den ersten Artikel kaum warten :)
  • Jacqueline Ackermann, 27.04.2017 10:35 Uhr
    Ich kann die kritischen Stimmen nicht wirklich nachvollziehen - auch wenn Kritik ein wichtiges Instrument ist. Eine Newsplattform ohne Werbung - ist doch super? Was interessieren mich die ganzen Banner, wenn ich mich doch informieren will, was in der Welt geschieht? Ich konsumiere Informationen, ich möchte nicht nebenbei noch auf Zalando shoppen gehen oder mir eine Säule 3a von der UBS andrehen lassen. Ich möchte auch nicht von einer Native Ad überrascht werden, die mir das Blaue vom Himmel verspricht. Ich finds deshalb super vernünftig, auf diese Werbeeinnahmen, die uns ablenken sollen, zu verzichten und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Und ja mir ist bewusst, dass es auch im Print schon immer Werbung gab und die auch schon immer genervt hat. ;-) Das zum Thema Werbung. Dann verstehe ich auch überhaupt nicht, wie man dem Projekt so kritisch gegenüberstehen kann und es als "Hipster Erscheinung" bezeichnet. Ja, vielleicht scheitern sie. Ja, vielleicht übernehmen sie sich. Und ja, vielleicht haben sie sich das alles leichter vorgestellt. Aber... wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zu guter Letzt die Kritik an den "nicht-genannten Investoren". Die Investoren werden, soweit ich das gelesen habe, bald genannt - ganz im Sinne der Transparenz. Statt dem ganzen so ultra kritisch gegenüberzustehen, geben wir dem doch eine Chance und wer weiss, vielleicht wird das was ganz Grosses, Geniales. Und falls nicht, dann war es wenigstens ein Versuch. Ich jedenfalls bin gespannt auf die erste Ausgabe und erhoffe mir dadurch wirklich wieder etwas mehr kritische Hinterfragungen, gute Recherchen und weniger Einheitsbrei. Dem Team wünsche ich viel Erfolg. Lasst euch nicht unterkriegen ;-)

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