22.11.2017

Republik

8000 Franken Einheitslohn für alle

Beim Medien-Start-up erhält jeder Mitarbeiter rund 100'000 Franken im Jahr. Auch die Gründer Christof Moser und Constantin Seibt «verdienen keinen Rappen mehr». Derweil wurden auch Details über die Geldgeber bekannt.
Republik: 8000 Franken Einheitslohn für alle
Der Aktionärsbindungsvertrag, der noch im April 2017 unterzeichnet wurde, umfasst «17 Seiten Juristenprosa in 8-Punkt-Schrift», darunter einige Pionierkonstruktionen. (Bild: Project R/Republik)
von Christian Beck

Bevor die «Republik» voraussichtlich Anfang 2018 startet, informiert das Medien-Start-up in unregelmässigen Abständen mittels rekordverdächtig langen Newslettern. Im aktuellen Schreiben vom Mittwoch ging es in über 25'000 Zeichen (oder 16 ausgedruckten A4-Seiten) über «Macht und Geld bei der Republik AG».

Was im Schreiben nicht steht: Wie viel verdienen die Macher der «Republik»? Mitgründer Constantin Seibt schrieb Anfang Monat auf seinem Facebook-Profil, dass die «Republik» einen Einheitslohn habe, «solid, aber nicht überragend»:


Auf Anfrage von persoenlich.com bestätigt Seibt: «Einheitslohn deshalb: Weil bei uns Programmierer und Administrations- und Organisationsprofis arbeiten, die Klasse haben.» Und weil das Medien-Start-up nur wirklich gute Leute wolle – «und keine Verhandlungen». Seibt bestätigt Informationen, wonach der Monatslohn für alle «ziemlich genau» 8000 Franken sei – brutto bei 100 Prozent. Ob Adrienne Fichter, Sylke Gruhnwald oder Mark Dittli, ob die 25-jährige IT-Chefin oder der 55-jährige Finanzchef, alle Festangestellten verdienen gleich viel, nämlich rund 100'000 Franken pro Jahr.

Gerüchte, wonach er und Mitgründer Christof Moser einen deutlich höheren Lohn bekommen würden, verneint Seibt. «Moser und ich verdienen keinen Rappen mehr als alle andern. Was auch logisch ist, denn das Unternehmen wurde nicht von Moser und mir aufgebaut, sondern von einem Team, in dem Business und IT so wichtig sind wie Journalismus», sagt Seibt. Andererseits hätte man keine Chance, das Unternehmen nachhaltig zu führen.

Auch die WOZ hat einen Einheitslohn

Einen Einheitslohn für alle kennt auch «Die Wochenzeitung». Nur ist er dort mit 5000 Franken für eine 100-Prozent-Stelle deutlich tiefer. Nebst den zwölf Monatslöhnen «gibts aber je nach Geschäftsgang sogenannte ‹Wozifikationen›, das waren in den letzten Jahren für gewöhnlich zwei zusätzliche Monatslöhne», so WOZ-Redaktionsleiterin Susan Boos auf Anfrage.

Der durchschnittliche Medienschaffende in der Schweiz verdient rund 6000 Franken, wie der Report «Journalisten in der Schweiz» im Jahr 2016 ergab. Dieser wurde von der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie der Universität Neuenburg durchgeführt und vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert (persoenlich.com berichtete).

Die Lösung für das «Machtproblem»

Zurück zum «Republik»-Newsletter, in welchem Transparenz zur Finanzierung versprochen wird. «Der Grund, warum das Versprechen der Klarheit über die Finanzierung der Republik AG erst jetzt einlösen, ist nicht zuletzt: ihre Komplexität», heisst es im Schreiben. Zusammengefasst könne man sagen, dass alle Geldgeber stimmenmässig in der Republik AG krass benachteiligt, dafür bei der Zurückzahlung ihrer Investitionen im Fall eines Gewinns bevorteilt würden. «Dies deshalb, weil wir die ‹Republik› eines Tages fremdgeldfrei haben wollen. Also komplett unabhängig von allem, ausser den eigenen Irrtümern.»

aktienRepublik


Ausserdem sei darauf geachtet worden, dass auch keine andere Interessensgruppe die Mehrheit habe. Das grösste Paket von 47,4 Prozent besitze die Project R Genossenschaft als Vertreterin der Leserinnen und Leser. Auch 47,4 Prozent besitzen die Gründer und Mitgründer zusammen. Technisch wurde das «Machtproblem» mit zwei Typen von Aktien gelöst. Die sogenannte A-Aktie sei eine Stimmrechtsaktie mit 10 Rappen Nominalwert, Typ B sei eine Investorenaktie mit 40 Rappen Nominalwert.

Der dritte Geldgeber

Aus dem im Newsletter und der Website veröffentlichten Aktionariat geht auch ein weiterer Investor hervor: Steff Fischer, Gründer der Zürcher Immobilienfirma Fischer AG. Dieser hält 0,3 Prozent der Stimmen und 1 Prozent am Kapital. Die anderen Geldgeber, die Gebrüder Meili und Mettiss, waren bereits bekannt (persoenlich.com berichtete). Wobei nun im Newsletter noch offengelegt wurde, dass einige der Aktionäre von Mettiss mit der Project-R- und «Republik»-Gründerin Nadja Schnetzler verwandt seien.

aktionariatREpulik 


Was das Finanzielle angebe, bestehe übrigens «ziemliche Sicherheit, dass niemand von den Gründungsmitgliedern reich sterben wird», heisst es weiter. Dies, weil im Erfolgsfall zuerst sämtliche Darlehen zurückgezahlt werden müssen, bevor ein Franken an Dividende fliesse. Und dann seien auch die Aktien faktisch so gut wie unverkäuflich, nicht mal vererben lassen sich diese. «Dies deshalb, damit sich nicht die übliche Tragödie vieler Verlegerfamilien wiederholt.» Irgendwann würden Erben im Verwaltungsrat sitzen, die weder eine Ahnung von Journalismus noch ein Interesse an ihm hätten.

Mehrere Geldgeber hätten übrigens keine Aktien gewollt, heisst es im Newsletter weiter. Bis heute seien 2,2 Millionen Franken an Spenden eingegangen.



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Kommentare

  • Beat Ruoff, 22.11.2017 22:19 Uhr
    Der Transparenz halber: Stimmt es wirklich, dass die Gründer Moser und Seibt je ihre Partnerinnen ins Republik-Team gehievt haben?

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