27.08.2014

SwissRadioDay

"Born in Zurich, made in Switzerland"

Der SwissRadioDay findet 2014 zum ersten Mal innerhalb des Internationalen Radio Festivals statt, bei welchem Radiomacher aus der ganzen Welt ihr Programm während drei Wochen aus dem Zürcher Kaufleuten senden. Darryl von Däniken ist Initiant des Festivals und will das Medium Radio ehren und zelebrieren. Im Gespräch mit persoenlich.com blickt er auf den SwissRadioDay vom 3. September voraus und schwärmt von Pionier Tony Prince, der zu Gast sein wird. Zudem erklärt er, weshalb er die Zukunft des Radios als "überhaupt nicht gefährdet" sieht.
SwissRadioDay: "Born in Zurich, made in Switzerland"

Herr von Däniken, Sie sind Initiant des Internationalen Radio Festivals, das seit dem 21. August und noch bis zum 7. September läuft. Mittendrin veranstalten Sie den SwissRadioDay. Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade dieses Festival organisieren?
Ich bin generell im Event-Bereich tätig, aber mindestens 75 Prozent der Zeit wende ich für das International Radio Festival auf und seit November letztes Jahr auch den SwissRadioDay. Die neuen Arbeiten beginnen am Tag, an dem das letztige Festival zu Ende geht.

Sind Sie alleine für das Festival zuständig?
Bis und mit 2013 habe ich es zusammen mit meinem Partner Miguel Alvarez gemacht. Nun organisiere ich es alleine mit meinem "Dream Team".

Weshalb haben Sie sich von Ihrem Partner getrennt?
Wir hatten andere persönliche Vorstellungen und kamen zum Schluss, dass es nur einen Koch in der Küche geben kann.

Weshalb folgte in diesem Jahr der Zusammenschluss des SwissRadioDays mit dem International Radio Festival?
In beiden Events geht es darum, das Medium Radio zu zelebrieren. Wir wollen in diesen Rahmen so viel hineinwerfen, wie möglich; also wie ein Chocolate-Chip-Double-Chocolate-Cookie!

Dabei gibt es sicherlich auch finanzielle Gedanken?
Es entstand eine Zusammenarbeit, die wir von Anfang an anstrebten., Das International Radio Festival zelebriert die Inhalte und die Personen hinter dem Mikrofon. Der SwissRadioDay wiederspiegelt das Geschehen der Schweizer Radioindustrie. Zusammen, mit der RadioNight, zelebrieren wir das Medium Radio.

Wie finanziert sich das Festival und der SwissRadioDay?
Der SwissRadioDay wird von der SRG und dem Verein Schweizer Privatradios VSP & RRR getragen. Das Radio Festival finanziert sich durch klassisches Sponsoring und Subventionen der Stiftung SRKS.

Welche Neuigkeiten präsentieren Sie 2014 im Vergleich zu den letzten Austragungen?
Der SwissRadioDay hat ein neues Zuhause, das Kaufleuten. Bis im letzten Jahr fand es im World Trade Center in Oerlikon statt. Medien ist Entertainment, also soll es ein etwas glamouröser Event sein, mit rotem Teppich, aber ohne Paparazzi, und allem drum herum. Das Festival ist ebenfalls neu im Kaufleuten. Dazu sind wir neu drei Wochen physisch mit eigenem Studio auf Sendung. Wir haben auch immer mehr berühmte Radiomacher am Festival, die hr Programm vom Kaufleuten aus verbreiten - auch solche, die noch nicht entdeckt wurden.

Welche Highlights erwarten die Besucher am diesjährigen Festival?
Wir ehren die Radiomacher. Wir haben unter anderen einen von den Original-Piraten aus den 1950er, -60er und -80er Jahren hier: Tony Prince, der Mitgründer des Radios Caroline, vom Mix Mag und von DMC, dem ersten Disco-Mix-Wettbewerb, ein echter Pionier. Er stand in den 1950er Jahren auf der Fahndungsliste der britischen Broadcasting Corporation, weil er die englische Jugend zu viel mit Popmusik zuschallte. Das war die Geburtstunde von Radio BBC One, welches ebenfalls zu Gast ist. Daneben ist Gordon Mac, Gründer von Kiss, hier. Er hat in den 1980er Jahren, als die ganze Rave-Szene aufkam, alle berühmten DJ's gefördert. Radio Algerien (von Radio France) ist hier, Live-Sendungen nach Singapur wird es geben, und auch MyFM von Indien ist am Start. Ein Live-Highlight wird auch Röbi Koller sein.

Nach welchen Kriterien werden die internationalen Gäste eingeladen?
Wir wollen so viele "Local Heroes" wie möglich hier bei uns haben. BBC One ist zudem sehr gut für unsere Aufwertung. Das letzte Jahr hatten wir Soma Radio, das erste Internet-Radio aus San Francisco hier. Soho Radio aus England wird hier sein. Dabei kommt Eddie Piller, der Gründer von Acid Jazz und Entdecker von Musikgrössen wie Jamiroquai.

Können die Schweizer Radiostationen inhaltlich im Vergleich zu internationalen Radiostationen wie BBC mithalten?
Wir hatten in den letzten Jahren Radios aus allen Ecken der Welt hier. Alle berichten von denselben Problemen, dem Reichweitenverlust in dieser digitalen Welt. Die Hörer wiederum reklamieren, dass es keine guten Sender gibt. Die Schweiz ist hierbei nicht anders. Natürlich haben gewisse Länder, gerade im angelsächsischen Raum, Vorteile, da schlichtweg mehr Musik von da her kommt und ein grösseres Publikum erreicht wird. Die Schweiz hat es da nicht einfach: Sie ist in drei Landesregionen aufgespalten. Mit anderen Ländern muss man nicht mithalten, die nationalen Radiostationen müssen im Land mithalten.

Heute wird Musik mehrheitlich im Internet über Youtube, Spotify etc. gehört. Mit welchen Programmen holt man im digitalen Zeitalter die jungen Leute per Radio ab?
Alle haben Sie die Songs zuerst im Radio gehört. 60 Prozent des gesamten Radiokonsums findet im Auto statt. Das Auto ist eines der letzten verbleibenden Orte, wo man laut Musik hören kann. Radio muss auch nicht immer aus einem Gerät kommen. Radio ist eigentlich "currated Music" mit schulischen Elementen. Radio ist und bleibt ein Begleitmedium. Ich denke, die Radiomacher sollten sich viel mehr auf ihren eigenen Content und die Verbreitung auf allen Kanälen konzentrieren. Das Problem ist aber folgendes: Radio war das erste elektronische Medium. Früher hiess Radio ja "wireless".  Dann wurde das Radio in jedem Land verstaatlicht. Man hatte Panik vor den Einflüssen der Nachbarstaaten und deshalb sind auch die Bandbreiten jeweils sehr eng. Danach versuchte man die Leute immer zu jeder Zeit zu erreichen. Das geht einfach nicht. Niemand hört jeden Abend nur Rockmusik. Heute erleben wir eine Renaissance im Radio, wobei der Staat nicht mehr so viel kontrollieren kann. Es gibt einen freien Markt und das Radio kann sich endlich entwickeln. Ich glaube, dass uns eine grosse Zukunft bevor steht.

Inwiefern nimmt in dieser Zukunft DAB+ eine Rolle ein?
DAB+ ist noch einmal ein besserer Weg, um die Programme zu verbreiten. Aber FM wird nie ganz verschwinden. FM kam in den späten 1960er Jahren auf und ist immer noch klare Nummer Eins was die Verbreitung angeht. Den Konsumenten ist es schlussendlich egal, wie sie Radio hören. Sie müssen einfach einen Knopf drücken können und in den jeweiligen Tagesabschnitten diejenigen Sender hören, die sie wollen.

Sie sehen die Zukunft des Radios also überhaupt nicht gefährdet?
Überhaupt nicht. Ich denke einfach, dass Radios zwei Schienen fahren müssen. Zum einen die lokale, welche die Leute durch den Tag begleitet. Zum anderen müssten sie zweite Kanäle bespielen, beispielsweise das Internet mit steten Programmen, die immer zur Auswahl stehen.

Wie hat sich das Radio-Werbe-Geschäft in den letzten Jahren entwickelt? Wird es nicht immer schwieriger, ein Radio noch aufrecht zu erhalten und finanziell zu sichern?
Das höre ich auch, bin aber selber nicht direkt involviert. Ich denke die Radioindustrie lässt sich hierbei mit der Musikindustrie vergleichen. Beide haben geschlafen, bis das digitale Zeitalter an ihnen vorbei gefahren ist. Danach sind sie wie kopflose Hühner herumgerannt und haben nach Lösungen gesucht und versuchten die Technik wieder einzuholen. Das Radio ist gewissermassen zur Mama geworden, welche die köstliche Sugo die ganze Zeit umrührt. Man isst sie, nimmt sie aber nicht wahr, geschweige denn, sie wird gelobt. Radios hätten doch die Pflicht zu sagen, dass ihr eigenes Medium etwas Gutes ist. Sie müssten es den Hörern schmackhaft machen und nicht nur erzählen, dass sie der beste Sender mit den meisten Hörern sind, und die besten Hits spielen. Das Medium als solches müsste hervorgehoben werden. Wenn jeder Moderator einmal täglich nur fünf Sekunden dafür aufbringen würde, etwas Positives zum Medium Radio zu sagen, wäre der Industrie schon viel geholfen.

Wie und bei welcher Gelegenheit hören Sie persönlich Radio?
Ich höre genauso Radio, wie ich es oben ausgeführt habe. Jedes Programm nach Lust und Laune, wie es am besten zur Situation passt. Früher habe ich Radio gar nicht wahr genommen. Für mich ist Radio sowieso die Entdeckung, seit ich in diese Projekte involviert bin.

Haben Sie selber jemals bei einem Radio gearbeitet?
In England zu meiner Studenten-Zeit bei einem Campus-Radio. Am Radiofestival lancieren wir auch jedes Jahr ein Wettbewerb in Amerika, wo sich ein Campus-Radio für das Festival bewerben kann. Dieses Jahr ist dies WSPN aus Upstate New York.

Blicken wir in die Zukunft. Wird der SwissRadioDay 2015 wiederum im Rahmen des internationalen Festivals stattfinden?
Das ist die Idee. Wir hoffen, dass die Zusammenarbeit auch in Zukunft noch so reibungslos abläuft wie momentan. Bis zum 20. August hatten wir bereits 350 Anmeldungen, beinahe 40 Prozent mehr als im letzten Jahr.

2012 dauerte das Festival fünf Tage, heuer sind es bereits knapp drei Wochen. Wie lange gedenken Sie das Festival 2015 zu machen?
Wenn ich meiner Grossmutter erkläre, dass ich an einem Filmfestival war, kann sie sich sofort vorstellen, wie dies ausgesehen haben muss. Viel Presse, viel Glamour, viele Stars. Wenn ich von einem Radiofestival spreche, muss ich zuerst ausführen, was dies überhaupt beinhaltet. Zu Beginn mussten wir wirklich kämpfen. Mittlerweile haben wir den Vorteil, dass man uns nur beurteilen und kritisieren kann, in dem man die Ausgabe im vorhergehenden Jahr betrachtet. Wir haben keine grossen Vorstellungen, wie das Festival ablaufen soll, sondern sind es zusammen mit der Radioindustrie stetig am miterfinden. 2013 hörten uns 65 Millionen Hörer weltweit. Wir bekommen während den drei Wochen vom Bakom eine temporäre Frequenz für den Grossraum Zürich (96,1MHz & 104.1MHz).

Gab es Probleme, die temporäre Frequenz vom Bakom zu bekommen?
Überhaupt nicht. Jede einzelne Person kann einmal jährlich beim Bakom solch eine Frequenz für maximal 30 Tage beantragen. Dies ist sehr "unique" und zeigt den Schweizer Radiogeist.

Gibt es das Festival in diesem Format auch irgendwo im Ausland?
Nein, wir sind das Erste und Einzige International Radio Festival dieser Art. Ich pflege immer zu sagen: "born in Zurich, made in Switzerland".

Interview: Marco Lüthi, Bilder: zVg. 



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