03.02.2016

Communication Summit 16

Das Phantom der «jungen Wilden»

Am Dienstag fand der Communication Summit 16 unter dem Thema «Junge Wilde: Visionen und Realitäten» statt. Dieses wurde aber eher nebensächlich behandelt.
Communication Summit 16: Das Phantom der «jungen Wilden»
von Sonja Gambon

Die Zürcher Kommunikationsszene versammelte sich am Dienstagabend im Audimax der ETH. Das Programm des Communication Summit 16 klang vielversprechend: Die «jungen Wilden» sollen im Fokus stehen. Wo sind sie, wie denken sie, wie sehen sie sich in der Kommunikation?

Den Einstieg machen Rainer Borer, Kommunikationschef der ETH und Christian Maurer, Präsident des Zürcher Pressevereins. Ersterer ist der Meinung, dass «sie» immer rarer geworden seien. «Es sind Zeiten, in denen Gehorsam gefragt ist», erklärt er sich den ruhigen Nachwuchs. Auch Maurer sieht die Situation ähnlich und plädiert für mehr Mut: «Es braucht ein Denken durch die gesamte Box, aus der Box heraus».

«Wir beharren auf der Frage»

Sind die Jungen wirklich so brav, wie es hier scheint? Frank A. Meyer versucht in einer Antrittsrede eine Antwort darauf zu finden. Er selbst sehe sich als jungen Wilden, zumindest im Geiste, beginnt er schmunzelnd. Doch was sind denn junge wilde Journalisten? Ihm käme vor allem ein Charakteristika in den Sinn: Polyvalenz. Doch ist da noch mehr als technisches Know-How, das die junge Generation ausmacht? Er stellt die grosse Frage in den Raum: «Könnte es sein, dass es erneut ums Ganze geht?»

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Mit einem Verweis auf Max Frisch plädiert er dafür, dass wir nicht die Frage vergessen sollten. Denn eine «Kultur der Antworten» sei fatal für den Journalismus, als auch für die Freiheit. Es brauche Fragen und Entwürfe, um eine offene Gesellschaft, eine Demokratie zu sein. «Fragen ist der Lebensinhalt des Journalisten», verweist der langjährige Ringier-Publizist. Daher sei gegen diese Kultur der Antwort anzukämpfen: «Die Kultur des Fragens ist durch die Kultur der Antwort in Frage gestellt. Wir beharren auf der Frage».

Drang nach Freiheit und Kreativität

Diese grossen Worte sollen nun bei einer Podiumsdiskussion von Nik Schwab, Clarissa Haller, Luzia Tschirky und Rainer Stadler unter Moderation von Reto Lipp diskutiert werden. Nik Schwab, der mit 32 Jahren bereits eine eigene Kommunikationsagentur gegründet hat, hatte laut Aussage «ein Problem mit Hierarchien» und «musste es einfach selber machen». So gehe es auch vielen Journalisten, sagt Luzia Tschirky: «die meisten haben den Traum, als freie Journalisten zu arbeiten». Dies sei aber nur mit einem speziellen Thema möglich, als Generalist sei es Utopie. So fokussiere sie sich auf den Bereich «Russland».

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Was bewege denn junge Leute, den steilen Weg in die Kommunikation in Angriff zu nehmen? «Ich wollte Fragen stellen», bestätigt sie Meyer. Auch der Drang zum Schreiben und die Ideologie, die Welt verändern, seien wichtige Motivationspunkte für junge Schreibende. Doch die starken Hierarchien und Praktikumsverträge machen dies schwierig, sagen sowohl Schwab als auch Tschirky. Rainer Stadler, Medienjournalist der NZZ, sieht weniger ein Problem: «das ist auch nur ein Geschäftsmodell», kommentiert er trocken. Für Clarissa Haller, ehemalige Kommunikationschefin der CS, ist Kreativität durchaus möglich – allerdings unter Vorbehalt: «Die Pflicht muss natürlich erfüllt sein.» Zudem sei man in der Kommunikation in einer Abteilung, die Geld ausgibt und nicht einnimmt, weshalb man sich schon überlegen müsse, wofür man es ausgebe.

Online oder Offline?

Als weiteres grosses Thema wurde Social Media diskutiert, wo sich ein Generationenclash bemerkbar machte: Twitter ist für Tschirky «News», für Stadler lediglich «Unterhaltung». Tschirky schätzt Social Media als so wichtig ein, dass sie gar nicht mehr zwischen On- und Offline unterscheide. Haller knüpft hier an und erklärt, wie wichtig Social Media für junge Journalisten und ihre Selbstvermarktung sei: «Journalisten werden so zu Marken», so die Kommunikationsexpertin. Doch was ist mit der grosse Frage nach der Rolle der Jungen, der zu starken Strukturierung in den Redaktionen, der Forderung nach Wandel? Diese grossen Fragen kommen im Podium zu kurz, wie das Publikum in der anschliessenden Diskussion und auch über Twitter kritisierte:

Was es mit den «jungen Wilden» auf sich hat, blieb also offen. Dass das Verständnis von Kommunikation und Journalismus durchaus variieren kann, kam aber durchaus zur Geltung.

Bilder: Sonja Gambon



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