11.01.2018

Affäre Geri Müller

Der Rechtsstreit wurde beigelegt

Der ehemalige Stadtammann von Baden und die AZ Medien haben sich auf einen Vergleich geeinigt.
Affäre Geri Müller: Der Rechtsstreit wurde beigelegt
Wurde am 24. September 2017 als Badener Stadtammann abgewählt: Geri Müller. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Ein Bericht der von AZ Medien früher verlegten «Schweiz am Sonntag» hatte die «Nackt-Selfie»-Affäre losgetreten (persoenlich.com berichtete). Nach dem Publikmachen des Berichts im August 2014 sei «ein Medienwirbel entstanden, dessen (nationales) Ausmass und dessen Dauer so nicht vorhersehbar waren», heisst es in einem gemeinsamen Statement.

Über diesen Vergleich berichtete das Regionaljournal Aargau/Solothurn von Schweizer Radio SRF am Donnerstagabend. Alle Beteiligten bestätigten den Vergleich gegenüber Radio SRF in Mails, die auch der Nachrichtenagentur SDA vorliegen. Zu allen weiteren Punkten sei Stillschweigen vereinbart worden, hält die Medienstelle der AZ Medien fest.

«Bedauern über die Unannehmlichkeiten»

Die AZ Medien und Patrik Müller, Chefredaktor der «Aargauer Zeitung», hätten gegenüber Geri Müller «ihr Bedauern über die Unannehmlichkeiten ausgedrückt, die er dadurch erlebt hat», heisst es weiter im Statement: «Beide Seiten blicken nach vorn.»

Auch die Generalstaatsanwaltschaft Bern bestätigte, dass das von Geri Müller gegen Patrik Müller angestrengte Strafverfahren eingestellt worden sei, weil sich die Parteien im Rahmen eines Vergleichs geeinigt hätten.

Der Schweizer Presserat war bereits im Juli 2016 zum Schluss gekommen, dass der Bericht in der «Schweiz am Sonntag» Geri Müllers Intimsphäre in schwerer Weise verletzt habe. Das Sonntagsblatt der AZ Medien hatte berichtet, dass Grünen-Politiker Müller aus seinem Stadthausbüro einer Chat-Bekannten Nacktbilder von sich geschickt habe. Danach soll er sie zum Löschen der Mitteilungen aufgefordert haben. Als Folge der «Nackt-Selfie»-Affäre entband die Stadtexekutive Müller vorübergehend von seinen Führungs- und Repräsentationsaufgaben. Bei den Nationalratswahlen im Herbst 2015 trat Müller nicht mehr an.

Vom Volk abgewählt

Der Medienrummel und die vielen Diskussionen führten letztlich dazu, dass Stadtammann Müller am 24. September vom Badener Stimmvolk abgewählt wurde. Bei der Wahl in den Stadtrat übersprang er zwar das absolute Mehr, schied jedoch als überzählig aus. Der 57-Jährige erhält nach dem revidierten Besoldungsreglement noch während zweier Jahre ein halbes Jahresgehalt von 115’000 Franken.

Die ehemalige Chat-Partnerin wurde im 2016 von der Staatsanwaltschaft Jura-Seeland in Biel per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Die im Kanton Bern wohnhafte Frau wurde schuldig gefunden der Beschimpfung, üblen Nachrede, versuchten Nötigung, Urkundenfälschung und des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen. (sda/cbe)

 



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Kommentare

  • Robert Weingart, 11.01.2018 20:44 Uhr
    Hier die Müllergate, dort Schawinski-Thiel-Gate, die Chefredaktoren entschuldigen sich. Wie wäre es, wenn diese Herren Chefredaktoren ihre Verantwortung vorher wahrnehmen würden, wenn doch die Folgen so gut absehbar sind? Meine These: Man nimmt für billige Schlagzeilen das Ganze in Kauf. Für mich sind Rutishauser und Müller keine journalistischen Vorbilder. Die derzeitige CR-Kaste (inkl. Gujer) hält den Vergleich mit den Vorgängern nicht stand, sorry.
  • Armin Keusch-Walter, 11.01.2018 20:58 Uhr
    Die Stimmbürger von Baden haben die einzig richtige Konsequenz aus dem unwürdigen Verhalten ihres Stadtammans gezogen: Sie haben ihn abgewählt. Vor diesem Hintergrund konnte man sich tatsächlich vergleichen. - Dennoch und gerade: Die Enthüllung der AZ war bitter notwendig, sonst sässe der Gr.... noch immer auf seinem vergoldeten Sessel. Insofern hat Patrik Müller nur seine journalistische Pflicht getan. Bravo!
  • Robert Weingart, 11.01.2018 22:20 Uhr
    @Keusch: Klar, was G. Müller gemacht hat, war daneben, ist aber eine persönliche Sache und hat mit seiner Politik wohl ziemlich wenig zu tun. Mit Journalismus hat das, was P. Müller getan hat, nicht viel zu tun. Das ist billiger Boulevard. Aber eben, man schaue sich mal das AZ-Haus an und wie viele vorher bei Ringier waren.

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