14.04.2010

Adrian Bührer

"Facebook muss man nicht fürchten, sondern aktiv nutzen"

Students.ch-Betreiber und Leiter New Media von Axel Springer im Interview.
Adrian Bührer: "Facebook muss man nicht fürchten, sondern aktiv nutzen"

Das Netz ist seine Spielwiese: Adrian Bührer wurde durch den Verkauf der Website Students.ch an Axel Springer Schweiz branchenbekannt. Heute betreibt der 32-Jährige als CEO der Amiado Group ausserdem Portale wie Usgang.ch oder Partyguide.ch, sinniert über die richtige Verwendung von Facebook und sorgt sich um den Online-Auftritt aller Schweizer Springer Titel. "Ich glaube nicht, dass es diese einzig wahre Online-Strategie überhaupt gibt", sagt er im Interview mit "persoenlich.com" und weist ausserdem auf sein neustes Projekt Socential.net hin, eine Plattform zur Förderung von globalem sozialem Unternehmertum.

Herr Bührer, Sie sind mit dem Verkauf des Onlineportals Students.ch branchenbekannt geworden. Was macht dieses Portal in Ihren Augen so wertvoll und besonders?

Students.ch war schon ein Web 2.0 Portal mit "user generated content", lange bevor diese Begriffe geprägt wurden. Wir liefern seit über 10 Jahren Services rund ums Studium. Dank einem fantastischen Team und einem erfolgreichen Geschäftsmodell können wir das Angebot laufend ausbauen. Bei uns findet ein Student alles was er braucht: Ein WG-Zimmer, einen Stellen- und Karrierebereich, Semesterarbeiten, Konzert-Tickets und vielleicht in der Community sogar die nächste Freundin. Mittlerweile haben wir auch ein Online-Magazin und ein eigenes Web-TV-Team. Students.ch steigert den Traffic seit Jahren kontinuierlich.

Zu der von Ihnen geführten Amiado Group – einer Tochtergesellschaft von Axel Springer Schweiz – gehören neben Students.ch die Portale Partyguide.ch und Usgang.ch. Wie stark leiden diese unter dem Erstarken von Facebook?

Bei den Nightlife Portalen hat Facebook tatsächlich Spuren hinterlassen, das kann man nicht bestreiten. Die Online-Welt dreht sich rasend schnell und als Portal muss man sich ständig den veränderten Umständen anpassen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Mit dem Web-TV-Channel Usgang.tv z.B. haben wir einen Volltreffer gelandet mit bis zu 40'000 Zuschauern pro Sendung. Facebook selber nehmen wir jedoch nicht als Bedrohung, sondern als Chance wahr: So ist die Plattform für unsere Websites bereits jetzt nach Google der zweitgrösste Trafficlieferant. Wir möchten den Usern in Zukunft mehr Service bieten und werden hierzu im August eine kleine Sensation lancieren, die ich jetzt aber noch nicht verrate. Fakt ist: Die Themen Nightlife, Glamour, Party & People sind relevanter denn je und wir sind hier mit rund 500 aktiven Fotografen und einem unerschöpflichen Fundus an Inhalten aus dem Hause Axel Springer optimal positioniert um unserer jungen und vielleicht manchmal etwas hedonistischen Zielgruppe attraktive Geschichten zu bieten.

Also glauben Sie für Ihr Unternehmen die richtige Strategie im Umgang mit Facebook gefunden zu haben?

Wie gesagt: Facebook muss man nicht fürchten, sondern aktiv nutzen. So bieten wir unseren Usern an, sich bei uns mit Ihrem Facebook Login einzuloggen und unseren Kunden vermehrt kombinierte Werbekonzepte, die klassische Onlinewerbung und Social Media verknüpfen. Interaktivität und User Involvement ist hier das Schlagwort. Wir haben solche Konzepte mit dem Campusgirl Voting oder dem WG-Battle letztes Jahr ausgesprochen erfolgreich angewendet.

Am Mittwoch wurde die Gründung des Portals Socential bekannt gegeben, bei dem Sie auch beteiligt sind. Was hat es damit genau auf sich?

Die Plattform fördert globales soziales Unternehmertum auf innovative Art und Weise. Hier können nachhaltige Projekte auf einfache Weise und auch mit kleinen Beiträgen unterstützt und so ein sinnvoller Beitrag zur "Entwicklungszusammenarbeit" geleistet werden. Renommierte Partner helfen uns bei der Selektion der Projekte und der Sicherstellung der Qualität. Socential verbindent soziales Engagement, Unternehmertum und das Internet – meines Erachtens eine sehr erfolgsversprechende Kombination. Gemäss Businessplan sollte Socential in rund 2 Jahren finanziell unabhängig sein – ein echtes "social enterprise" eben. Als Vorstandsmitglied unterstütze ich das Projekt finanziell und versuche mein unternehmerisches Know-How einzubringen. Über weitere persönliche oder finanzielle Unterstützung würden wir uns natürlich ausgesprochen freuen.

Früher waren Sie privater Unternehmer, heute sind Sie Teil des grossen Gebildes Axel Springer. Ein Korsett oder eine Chance?

Absolut eine Chance. Axel Springer ist ein ausgesprochen unternehmerfreundlicher Konzern, welcher Eigeninitiative fördert und auch Freiheiten lässt. Ralph Büchi, mein damaliger und auch jetziger Chef, hat mir dies beim Verkauf zugesichert und sein Wort bis jetzt gehalten. Zudem bietet der internationale Konzern natürlich enorme Chancen für unsere Plattformen, aber auch für die persönliche Entwicklung. So ist z.B. Students.pl in Polen sehr erfolgreich und bereits rund dreimal so gross wie Students.ch in der Schweiz. Auch für unsere neueste Gamingplattform Playbay.net konnten wir bereits Kooperationen mit Deutschland und Spanien schliessen. Das hätten wir ohne die Hilfe von Axel Springer nie geschafft.

Als Leiter neue Medien von Axel Springer Schweiz begleiten Sie auch die Online-Auftritte von "Bilanz", "Beobachter", "Handelszeitung" und mehreren TV-Zeitschriften. Welche Strategie verfolgen Sie im Netz?

Im Moment agieren diese Titel sehr selbständig. Wir werden aber auch hier Neuerungen einführen, welche eine engere Zusammenarbeit und auch die bessere Vernetzung der Inhalte ermöglichen wird. So sollen unsere Marken online noch mehr zur Geltung gebracht und unsere unbestrittene Kompetenz im Wirtschaftsjournalismus unterstrichen werden. Der Online Auftritt der TV-Zeitschriften wurde vor kurzem komplett überarbeitet.

Welchen Verlag, welche Strategie nehmen Sie sich da zum Vorbild?

Ich möchte den Hype um DIE richtige Strategie nicht überbewerten. Ich glaube nicht, dass es diese einzig wahre Online-Strategie überhaupt gibt. Das hochwertiger Journalismus auch im Internet und Mobile etwas kosten muss, hat ja unser Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner ausführlich dargelegt und dem kann man nur zustimmen. Ich bin überzeugt, dass es auch im Web sehr bald einfache und transparente Zahlungslösungen geben wird; und dass für gute Inhalte auch in Zukunft etwas bezahlt werden wird – sei es im Print, im Web oder auf dem Handy.

Jüngst hat der "Beobachter" eine iApp auf den Markt gebracht. Was wird folgen?

Einiges. Die iPhone App wird nun laufend um neue Themen erweitert und zudem arbeiten wir mit Hochdruck an Lösungen fürs iPad und auch die Webseite selber wird rasant weiterentwickelt und der Service-Bereich weiter ausgebaut.

Kooperiert Axel Springer Schweiz hierzulande im Onlinebereich mit Ringier – auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit in Osteuropa?

Wo es Sinn macht werden wir solche Kooperationen sicher befürworten, aber das war auch schon vor dem Joint Venture so. Wir arbeiten gerne mit kompetenten Partnern zusammen.

Wie steht Axel Springer Schweiz generell zum Thema WePad/iPad? Plant man eventuell sogar solche Tablets vergünstigt an (Neu-)Abonnenten von Zeitschriften abzugeben?

Zum WePad kann ich gar nichts sagen. Das Ding gibts ja gar noch nicht wirklich so viel ich weiss. Fürs iPad werden wir sicherlich Inhalte anbieten, ob diese Geräte allerdings z.B. als Leserangebote vergünstigt angeboten werden kann ich zur Zeit nicht einschätzen.

Wie weit ist man in der Entwicklung entsprechender WePad/iPad-Applikationen der Axel Springer Schweiz-Titel?

Wir kommen gut voran. Die Zeit eilt allerdings nicht – oder kennen Sie schon viele Leute die ein Pad zu Hause haben? Die Technologie wird – wie auch beim iPhone damals – ihre Zeit brauchen um zu reifen und sie wird zudem harte Konkurrenz von HP, Microsoft und Google bekommen.

(Interview: Adrian Schräder)



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