19.03.2014

SonntagsZeitung

"Mir scheint, da wird überreagiert"

Arthur Rutishauser zum Shitstorm wegen seines Artikels über IFJ-Chef Beat Schillig.
SonntagsZeitung: "Mir scheint, da wird überreagiert"

Auf Facebook (hier oder auch hier) und in Blogs wird derzeit scharf gegen die "SonntagsZeitung" und Chefredaktor Arthur Rutishauser geschossen. Grund dafür ist ein Artikel vom 9. März mit angeblich haltlosen Vorwürfen gegen Beat Schillig, den Chef und Gründer des Instituts für Jungunternehmen (IFJ). Unter dem Titel "Einträgliche Kurse für Jungunternehmer" schreibt Rutishauser als Co-Autor, dass Geschäftsmann Schillig mit staatlichen Beratungsaufträgen Millionen gemacht und dank seinem Insiderwissen an Start-ups gut mitverdient habe. Rutishauser habe alle Fakten unterschlagen, die gegen seine Vorwürfe an den IFJ-Gründer gesprochen hätten, schreibt dazu mediainjustice.com.

Herr Rutishauser, mit Ihrem Artikel, in dem Sie IFJ-Gründer Beat Schillig heftig kritisieren, haben Sie auf Facebook sowie auf diversen Webseiten einen regelrechten Shitstorm provoziert. Wie gehen Sie als Journalist damit um? 
Mir scheint, da wird überreagiert. Wir waren kritisch aber haben Schillig nie vorgeworfen, irgend etwas Illegales getan zu haben. Soweit ich das überblicke, beteiligen sich an der Diskussion viele Vertreter von Firmen, die direkt oder indirekt mit Beat Schillig zu tun haben. Er ist in der Szene seit Jahren präsent und gut vernetzt.

Schillig bestreitet in seiner Gegendarstellung, dass er dank seinem Insiderwissen saftige Gewinne gemacht hat. Was sagen Sie dazu?
Herr Schillig hatte, wie im Artikel dargestellt, ein vertieftes Wissen über die Geschäfte der Kursteilnehmer und er hat in Start-ups von Kursteilnehmern investiert. Die Investments an sich werden ja auch gar nicht bestritten und sind auch nicht illegal. Was ich kritisiere, ist, dass es keine Richtlinien gab. Diese sind erst für die neue Ausschreibung vorgesehen.

Sie hätten zudem am Telefon nicht klar gesagt, wer Sie sind und in welche Richtung Ihre Geschichte geht.
Ich habe Herrn Schillig Fragen zu seinem Geschäft und vor allem zur Struktur der von ihm angebotenen Kurse gestellt. Dabei ging es um mögliche Interessenkonflikte. Selbstverständlich habe ich mich als Arthur Rutishauser von der "SonntagsZeitung" vorgestellt.

Ihnen wird weiter vorgeworfen, dass Sie auf die klärenden Mails von Herr Schillig nicht reagiert hätten. Wollten Sie sich nicht von Ihrer These abbringen lassen?
Ich habe mit Herrn Schillig mehrmals telefoniert und meiner Ansicht nach seinen Standpunkt im Artikel auch dargestellt.

Wie wollen Sie denn jetzt in diesem konkreten Fall reagieren? 
Wir halten an unserer Geschichte fest. Ob es in Einzelpunkten Korrekturen oder Präzisierungen braucht, wird sich aus den laufenden Gesprächen und Abklärungen ergeben. 

Was muss denn gegeben sein, damit Sie in der "SonntagsZeitung" eine Gegendarstellung – was der Betroffene ja verlangt – abdrucken? 
Gegendarstellungen sind eine juristische Angelegenheit und im Gesetz geregelt. Damit eine Gegendarstellung abgedruckt wird, muss sie den gesetzlichen Vorgaben genügen. Dabei gilt, dass einer Tatsachenbehauptung der Redaktion eine Tatsachenbehauptung des Betroffenen gegenübergestellt wird. Welche Aussage richtig ist, bleibt dabei offen.

Kommen wir von der Kritik zum Lob: Die "SonntagsZeitung" hat laut den neuesten WEMF-Zahlen als einziger Sonntagstitel Leser gewonnen. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg? 
Wir bieten unseren Lesern jede Woche eine spannende Lektüre. Hinzu kommt, dass der Verlag in Bern und Basel besondere Anstrengungen unternommen hat, um die Zahl der Abonnenten zu steigern.

Ist diese Reichweitensteigerung auch auf investigative Geschichten zurückzuführen wie jene über IFJ-Gründer Schillig?
Wir müssen hinter die Kulissen blicken und dürfen uns nicht mit der erstbesten Erklärung zufrieden geben. Das ist die Qualität der "SonntagsZeitung" und das ist ihr Erfolgsrezept. 

Inwiefern ist in den letzten Jahren der Druck gestiegen, solche Geschichten zu recherchieren und sie zuerst zu publizieren?
Dieser Druck ist nicht gestiegen.

Leidet unter dem "Primeurdenken" der Sonntagszeitungen die Qualität?
Unsere Pflicht ist es, die Leser mit Informationen zu versorgen und dazu gehört natürlich, dass diese Informationen neu sind. Das macht die Qualität aus und gilt für alle Zeitungen.

Fragen: Seraina Etter

 



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