03.01.2018

SRF

«Rechtspopulistisch», nicht «rechtsextrem»

Der SRG-Ombudsmann Roger Blum unterstützt eine Beanstandung gegen die Bezeichnung von AfD, FPÖ und PVV als «rechtsextrem». Dass sich die «10vor10»-Redaktion noch während derselben Sendung entschuldigte, sei aber vorbildlich.
SRF: «Rechtspopulistisch», nicht «rechtsextrem»
Moderatorin Andrea Vetsch entschuldigt sich am Ende der Sendung bei den Zuschauern für Formulierungen im Beitrag über Geert Wilders (PVV), Marine Le Pen (Front National) und Frauke Petry (AfD). (Videostill 10vor10)

Die deutsche AfD, die österreichische FPÖ und die niederländische PVV «rechtspopulistisch» zu nennen, ist korrekt. Das stellt der SRG-Ombudsmann zur Beanstandung eines Fernsehbeitrages fest. Sie undifferenziert als «rechtsextrem» zu bezeichnen, sei dagegen nicht angebracht.

SRG-Ombudsmann Roger Blum äusserte sich zu einem Beitrag des Nachrichtenmagazins «10vor10» des Schweizer Fernsehens, wie er in seinem im Internet veröffentlichten Entscheid schrieb. Ausgestrahlt worden war der Beitrag am 16. Oktober 2017.

Ein Zuschauer kritisierte, dass in dem Beitrag zu Rechtsparteien die AfD, die FPÖ und die PVV vier Mal als «rechtsextrem» bezeichnet worden seien. Er sprach in der mit dem im Entscheid veröffentlichten Zuschrift von «politischer Indoktrination», «Machtmissbrauch»" sowie «sinnloser Eskalation».

Gemäss Blums Ausführungen ist die Verwendung des Begriffs «rechtsextrem» für die drei Parteien umstritten. Im Beitrag sei der Begriff «rechtsextrem» unnötig oft und zu wenig differenziert gebraucht worden, räumte Christian Dütschler, Redaktionsleiter von «10vor10» nach Angaben der SRG-Ombudsstelle ein.

Entschuldigung in der Sendung

Dütschler veranlasste demnach noch während der Sendung von zu Hause aus eine Entschuldigung, die am Schluss der Sendung von der Moderatorin verlesen wurde. Damit sei das Publikum erreicht worden, das den Beitrag gerade gesehen habe, schrieb er. Zusätzlich publizierte die Redaktion eine Richtigstellung auf ihrer Webseite.

In den Augen Blums ist die Bezeichnung «rechtsextrem» für die drei Parteien zwar nicht grundsätzlich falsch. Doch «solange (noch) Unterschiede dieser Parteien zu den Parteien Hitlers, Mussolinis, Francos etc. bestehen», findet Blum es richtig, sie als «rechtspopulistisch» und nicht als «rechtsextrem» zu bezeichnen.

In der Sache unterstützte Blum die Beanstandung. Dass die Redaktion sich während der Sendung entschuldigte und eine Richtigstellung auf ihrer Webseite publizierte, war in den Augen von Blum vorbildlich. Der Zuschauer habe in seiner Beschwerde dieses Vorgehen «einfach negiert». (sda/maw)



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Kommentare

  • Oliver Brunner, 04.01.2018 09:22 Uhr
    Doch «solange (noch) Unterschiede dieser Parteien zu den Parteien Hitlers, Mussolinis, Francos etc. bestehen». Sorry. Wo wurde dieser Herr Blum in Geschichte unterrichtet? Ein Ex-SRG-Mann gibt der SRG einen Persilschein. Ein weiterer Grund für No-Billag. Übrigens: Wer die FPÖ, AfD mit der NSDAP, Mussolini etc. vergleicht verniedlicht die Schrecken dieser Periode, etwa den Holocaust. "Na, so schlimn kann das damals nicht gewesen sein. Etwa wie bei uns jetzt"
  • Hans-Ulrich Büschi, 04.01.2018 11:04 Uhr
    Zur Richtigstellung: Roger Blum ist kein "Ex-SRG-Mann", wie das Oliver Brunner behauptet. Blum war jahrelang Bundeshauskorrespondent des "Tages-Anzeiger" und anschliessend ordentlicher Professor für Medienwissenschaft an der Uni Bern. O. Brunner kann somit beruhigt ein "Nein" zu "No-Billag" in die Urne werfen und gleich auch seinen persönlichen "Geschichtsunterricht" vervollständigen.
  • Oliver Brunner, 04.01.2018 18:19 Uhr
    Nicht ablenken: Die Begründung ist sehr gefährlich. Das ist das Tragische. Nicht die Herkunft von Herrn Blum. Die Aussage bzw. Verniedlichung des Holocaust ist für mich ein weiterer Grund für NoBillag.

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