10.09.2017

SRF

Ruedi Matter versteht Kritik an seiner Person

Der Fernsehdirektor nimmt erstmals Stellung zu einer Mitarbeiterumfrage, die Ende Juli publik wurde. Trotz schlechtem Zeugnis spürt er kein Misstrauen. Für die tiefe Bewertung hat der 63-Jährige eine Antwort.
SRF: Ruedi Matter versteht Kritik an seiner Person
SRF-Direktor Ruedi Matter, hier an der Jahresmedienkonferenz 2017: «Eine junge Generation von Onlinejournalisten gewinnt an Bedeutung. Da ist es normal, dass sich manche als Verlierer sehen.» (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Eine Mitarbeiterumfrage aus dem Jahr 2015 soll zeigen, dass das Vertrauen in SRG-Generaldirektor Roger de Weck und SRF-Direktor Ruedi Matter klein ist. Unternehmensweit erhalten die beiden Chefs Zustimmungswerte von 50 bis 60 Punkten (von 100 möglichen). Ende Juli machte der «Tages-Anzeiger» die Umfrage publik (persoenlich.com berichtete). «Nach dem Ende der Sommerpause» nimmt nun Matter Stellung zu den Resultaten der Umfrage.

Mit der gesamten Umfrage sei er «sehr zufrieden». Wichtig sei die Identifikation mit dem Unternehmen, und die sei mit 70 bis 90 Punkten sehr hoch. «Es gehört zum Selbstbild eines Journalisten, dass er seine Chefs unfähig bis unnötig findet», so Matter im Tagi-Interview. Er sei lange genug Journalist gewesen und habe dieselbe Einschätzung kultiviert. «Journalismus ist ein antiautoritärer Beruf. Journalisten müssen hinterfragen und kritisieren.» Zudem seien 2011 Radio DRS und Schweizer Fernsehen, zwei Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Kulturen, fusioniert worden. «So etwas schafft Unsicherheiten. Vor diesem Hintergrund waren die Ergebnisse nicht schlecht», sagte Matter.

Wenn er mit Mitarbeitern spreche, spüre er kein Misstrauen. Die Teilergebnisse der Umfrage von 2015, auf welche sich der «Tages-Anzeiger» bezieht, würden aus dem Bereich der tagesaktuellen TV-Information kommen. «Dieser Bereich ist am stärksten vom Strukturwandel betroffen», so Matter. Da sei es normal, «dass sich manche als Verlierer sehen».

Rücktritt erst nach der No-Billag-Initiative

Im Oktober 2018 wird Ruedi Matter 65 Jahre alt. Auf die Frage, ob er vor oder nach der Abstimmung zur No-Billag-Initiative aufhöre, sagte Matter: «Der künftige Generaldirektor Gilles Marchand und ich haben besprochen: Zuerst stehen wir diese Abstimmung durch, dann reden wir über meinen Rücktritt.» Auch für den Verwaltungsrat sei klar, dass er bis nach der No-Billag-Initiative im Amt bleibe. «Ich habe den Eindruck, die finden das ganz gut.»

Weiter sagte Matter, dass kein «Abstimmungskampf» geführt werde. «Das ist eine zivilgesellschaftliche» Aufgabe. «Wir werden diese Volksinitiative, die uns abschaffen und die Medienvielfalt in diesem Land weiter reduzieren will, journalistisch mit der gleichen Distanz und Fairness behandeln wie alle anderen.»

Auch, dass im Parlament vermehrt SRG-kritische Vorstösse eingereicht werden, beunruhigt den SRF-Direktor nicht. Wichtig sei, dass sich das Parlament danach intensiv damit beschäftige. Interessant sei dabei: «Wenn die Diskussion eine gewisse Reife erreicht, kommen viele dieser Vorstösse nicht durch, weil im Parlament viele intelligente Menschen sitzen, die durchschauen, welche Partikularinteressen dahinterstecken», so Matter. (cbe)

 



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