14.11.2017

SRG

Verleger wollen Plafond bei einer Milliarde

Als eine Forderung von vielen brachten die Verleger am Dienstag in Bern eine tiefere Deckelung der Gebührengelder für die SRG auf. Derweil betonte SRG-Direktor Gilles Marchand Möglichkeiten zur Kooperation. Diese sieht er etwa in Form von Co-Produktionen.
SRG: Verleger wollen Plafond bei einer Milliarde
Gilles Marchand referiert auf Einladung des Verbandes Schweizer Medien in Bern. (Bilder: Keystone/Peter Klaunzer)
von Edith Hollenstein

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand trat am Dienstag in Bern erstmals öffentlich vor den Verlegern auf.

Marchand zeigte sich bereit zu einem «professionellen Dialog». Der SRG-Direktor benutzte mehrfach den Begriff «Ko-Existenz». Damit wollte er betonen, dass sich die SRG nicht als alleinige «Qualitätsinstanz» betrachtet, sondern als den Privaten gleichgestellt. Daneben appellierte er an die Solidarität und die Zusammenarbeit in der Branche. Er glaube an pragmatische Lösungen.

Co-Produktionen mit den Privaten

Marchand, seit Oktober Generaldirektor der SRG, sprach von einem Tsunami, der die gesamte Branche erfasse. Die SRG sei von der No-Billag-Initiative, die im März zur Abstimmung kommt, so stark unter Druck wie noch nie in ihrer Geschichte. «Es braucht die SRG». Doch auch die privaten Radio- und Fernsehstationen, die ebenfalls aus dem Gebührentopf mitfinanziert werden, seien betroffen, so Marchand.

Unter Druck stehe auch die gesamte gedruckte Presse, wenn auch aus anderen Gründen. Ihre Werbegelder flössen zunehmend auf digitale Plattformen. In Gefahr sei darum die Medienvielfalt insgesamt. Für die Schweiz mit ihren vier Landessprachen, der kulturellen Vielfalt und der direkten Demokratie seien eine vielfältige Medienlandschaft und Dynamik in der Branche unabdingbar. Es brauche daher einen starken Service public und damit die SRG mit ihren Angeboten in allen vier Landessprachen. Marchand sprach von pragmatischen Lösungen, die die Branche zusammen suchen müsse. Möglichkeiten zur Kooperationen sieht die SRG beispielsweise in Form von Co-Produktionen.

Plafond bei einer Milliarde

Marchand zeigte sich zugänglich, machte aber keine konkreten Zugeständnisse. Auch die Verleger hatten wenig Neues vorzutragen. Die SRG sei zu gross, zu dominant. Sie müsse sich selbstständig beschränken, sagte Peter Wanner, stellvertretend für den Verband. Dann repetierte er einige der zahlreichen Forderungen bezüglich SRG, welche der Verlegerverband bereits im «medienpolitischen Manifest» vom September aufgeführt hatte (persoenlich.com berichtete).

Nach Ansicht des Verbands Schweizer Medien (VSM) soll die SRG aufgrund der Tatsache, dass sie gebührenfinanziert ist, ab 20 Uhr und im Internet auf Werbung verzichten, forderte Wanner.

Bezüglich den Gebühren schlug der VSM vor, diese bereits bei einer Milliarde Schweizer Franken zu plafonieren – anders als der Bundesrat, der die Plafonierung bei 1,2 Milliarden festlegte (persoenlich.com berichtete).

Keine Web-Only-Formate

Die Verleger gestehen der SRG zu, dass sie alle Sendungen, die linear ausgestrahlt wurden, auch übers Internet verbreiten kann. Hingegen soll die SRG keine Gratisinhalte anbieten, die denjenigen der Presse ähnlich sind. Ausserdem soll die SRG keine «Web-only-Formate», Filme und Unterhaltungsformate machen. Sollte diese Forderung Tatsache werden, wäre es also das Ende für erfolgreiche SRF-Formate wie «Güsel. Die Abfalldetektive» oder «True Talk». «Das können die Privaten», begründete Wanner.

Zur Forderung von Médias Suisses, dem Westschweizer Verlegerverband, wonach die SRG sich von Admeira zurückziehen soll, sagte Wanner: «Ob wir diesen Vorschlag unterstützen, müssen wir zuerst noch diskutieren im Verband.» Der VSM hat zu Admeira bekanntlich andere Vorstellungen. Er fordert eine Aufspaltung der Vermarktungsallianz in «zwei separate Gesellschaften». Die Bereiche Datamanagement und Verkauf von Werbung seien voneinander zu trennen (persoenlich.com berichtete).

Staatliches Geld für Medienförderung

Verlegerpräsident Pietro Supino wies in seiner Rede mit Blick auf das neue Mediengesetz darauf hin, dass eine Liberalisierung der SRG mit gleichzeitiger Regulierung der Privaten ungünstig wäre. Dabei brachte er den Vorschlag ein, dass sich der Staat finanziell an der Förderung der Medienkompetenz beteiligen sollte (persoenlich.com berichtete).

Zum Abschluss der Konferenz diskutierten Politiker über mögliche neue Fördermodelle, «No Billag» und die Frage, was für eine SRG die Schweiz brauche. Auf dem Podium unter der Leitung von «persönlich»-Verleger und Chefredaktor Matthias Ackeret diskutierten Beat Vonlanthen (Ständerat CVP), Thierry Burkart (Nationalrat FDP), Natalie Rickli (Nationalrätin SVP) und Edith Graf-Litscher (Nationalrätin SP).



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