03.01.2018

Milo Rau

Von Ringier-«Denkwerkstatt» ausgeladen

Ein Verriss von Frank A. Meyers «Blick»-Videokolumne war zu hart. Nun bemängelt der Theatermacher Milo Rau fehlende Debattenkultur.
Milo Rau: Von Ringier-«Denkwerkstatt» ausgeladen
Der Regisseur Milo Rau nach der Fotoprobe des Theaterstücks «Lenin» am 17.Oktober 2017 in der Schaubühne in Berlin. (Bild: Keystone/dpa/Jörg Carstensen)

Erst kritisierte Ringier-Publizist Frank A. Meyer im deutschen Magazin «Cicero» den Schweizer Theatermacher Milo Rau, worauf dieser mit einem Verriss von Meyers «Blick»-Videokolumne «frank & frei» antwortete. Diese war für die Angegriffenen inakzeptabel: Rau wurde vom Ringier-Debattenformat «Denkwerkstatt» ausgeladen, weil seine Kolumne «aufs Persönliche abziele», schreibt Rau in seiner Kolumne in der «SonntagsZeitung». Und weiter: «Alle Versuche, im Anschluss mit den Ringier-Verantwortlichen einen inhaltlichen Austausch zu entfachen, scheiterten».

Der Theatermacher zeigt sich empört über seine Ausladung. In fast 20 Jahren als politischer Regisseur sei ihm dies noch nie passiert. Nicht nur sei es ein krasser Widerspruch zwischen eigener Praxis bei Ringier und Fremdanspruch – der «Blick» ziele seit 50 Jahren «aufs Persönliche ab» – sondern vor allem sei es beunruhigend, «dass der grösste Schweizer Verlag wegen privater Beleidigtheiten einen Künstler auslädt, der mit seinen Journalisten über politische Debattenkultur hätte sprechen sollen», schreibt Rau.

Diese sieht er als akut bedroht. In der Kolumne, die den Titel «Mehr Streit, aber richtig» trägt, sieht er seine Ausladung als Teil eines Trends, den der Regisseur als «Selbstverstümmelung einer ohnehin von allen Seiten bedrohten Schweizer Debattenkultur im Rahmen ihrer Privatisierung» bezeichnet. (maw)



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Kommentare

  • Armin Keusch-Walter, 04.01.2018 11:12 Uhr
    Wozu braucht ein Verlag eine "Denkwerkstatt", wenn er doch den Fränkli-Meyer hat?!

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