27.07.2015

Tagesanzeiger.ch/Newsnet

Wenn Promis Leser fragen

In einer Sommerserie beantworten Leser Fragen, die ihnen Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft stellen.
Tagesanzeiger.ch/Newsnet: Wenn Promis Leser fragen

In Kommentarspalten von Onlineplattformen herrscht oft entweder gähnende Leere oder ein giftiges Klima gegenseitiger Gehässigkeiten und Beleidigungen. Trotzdem hat sich das Kulturressort des "Tages-Anzeigers" auf ein Experiment eingelassen.

"Leser werden von Zeitungen und Onlineportalen gerne gefragt, was sie von Idolen und Prominenten schon immer wissen wollten. In der neuen Sommerserie haben wir den Spiess für einmal umgedreht: Prominente fragen, Leser antworten", sagt Kulturredaktor Linus Schöpfer gegenüber persoenlich.com. 

Fragen, die hoch philosophisch sind und durchaus auch Zündstoff bieten. So wollte der Philosoph Georg Kohler von den Lesern wissen, welches ihr grösster politischer Irrtum sei. In der Kommentarspalte entstanden die unterschiedlichsten thematische Diskussionen, vor allem aber wurde über die abhanden gekommene Vertrauenswürdigkeit der Politiker gesprochen, da herrschte Einigkeit.

Nicht ganz unerwartet rief die Frage des Schriftstellers Jürg Halter "Liebe Patrioten, wie kann man stolz darauf sein, woher man kommt und geboren wurde, wo man doch nichts dazu beigetragen hat?" die meisten Reaktionen hervor. Und ebenfalls nicht überraschend wirft die Rechte der Linken fehlendes Ehrgefühl und die Linke der Rechten verblendeter Nationalismus vor. Aber selbst diese Diskussion fällt kultiviert aus.

Aus der Serie wird wöchentliche Rubrik

Der Schriftsteller Thomas Meyer fragte, weshalb sich so viele Paare die augenscheinlich unglücklich sind, nicht einfach trennen. Die Leser fragten zurück, ob man denn immer unbedingt glücklich sein müsse und ob dieser Zwangsoptimismus letztlich nicht die Wurzel des Übels sei.

Für wieder andere bedeuten Konflikte die Reibung, die das Leben spannend macht. Ein Mann berichtet gar von seiner ganz persönlichen Erfahrung:  Er wisse seit einem Jahr um die Untreue seiner Frau, mit der er seit zehn Jahren zusammen ist und leide darunter, könne sich aber dennoch nicht trennen. Aus Liebe, vielleicht aber auch einfach Angst vor der Ungewissheit.

Der Journalist hält sich im Frage-Antwort-Spiel zurück und übernimmt die Rolle des lakonischen Vermittlers. Linus Schöpfer ist sehr erfreut über die Reaktionen und Interaktionen der Leserinnen und Leser. Das Ganze sei als Experiment gestartet und gestalte sich nun erfolgreicher als erhofft, sagt Schöpfer gegenüber persoenlich.com. So erfolgreich, dass daraus nun eine wöchentliche Rubrik entsteht.

Die Fragesteller der kommenden Tage heissen übrigens Chris von Rohr, Fischli/Weiss sowie Lukas Hartmann. (lcv)

Bild: Linus Schöpfer, zVg



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