17.05.2018

NZZ am Sonntag

«Wir schreiben unsere Zeitung nicht bis unters Dach voll»

Das Sonntagsblatt erhält einen neuen Anstrich. Mehr Weissraum und farbliche Akzente sollen für ein «entspanntes Leseerlebnis» sorgen. NZZaS-Chefredaktor Luzi Bernet über neue Inhalte, Tyler Brûlé und den Kontrast zur Überfülle.
NZZ am Sonntag: «Wir schreiben unsere Zeitung nicht bis unters Dach voll»
«Wir möchten unsere Leserinnen und Leser nicht mit allzu vielen Änderungen brüskieren», sagt Luzi Bernet, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag». (Bild: zVg.)
von Christian Beck

Herr Bernet, ab diesem Sonntag gibt es die «NZZ am Sonntag» mit mehr Weissraum auf der Front. Gehen Ihnen die Texte aus?
Nein, keineswegs. Aber unsere Zeit leidet generell an Überfülle. Es gibt Online-News rund um die Uhr, Gratiszeitungen für Pendler, vollgestopfte Tageszeitungen. Da wollen wir einen Kontrast bieten und unseren Leserinnen und Lesern am Sonntag einen angenehmen und entspannten Einstieg in ihre Lektüre geben. Das Signal ist: Wir schreiben unsere Zeitung nicht bis unters Dach voll, sondern wir wählen aus und trennen die Spreu vom Weizen. Daher der Weissraum. Aber es gibt schon noch ein paar Änderungen, die darüber hinausgehen.

Frontseite NZZaS Illustration

Die auffälligste Änderung ist, dass das Logo «NZZ am Sonntag» weiter nach unten gerutscht ist. Bemerken die Leser am Sonntag überhaupt, was sonst neu ist?
Es geht ja nicht darum, dass die Leser auf Teufel komm raus etwas bemerken müssen. Denn mit einem neuen Anstrich allein ist es nicht getan. Aber zum einen möchten wir uns im Markt deutlicher von den Mitbewerbern unterscheiden. Und zum andern ist uns die neue Frontseite tatsächlich wichtig. Denn wo, wenn nicht hier, können wir sichtbar machen, was uns am Herzen liegt ist? Es ist unsere Themenvielfalt, es sind unsere Recherchen und es sind die Inhalte, die in Richtung Magazin oder Wochenzeitung weisen. Wir möchten zeigen, dass man die «NZZ am Sonntag» auch an den anderen Wochentagen lesen kann.

Für die Gestaltung wurde die Londoner Designagentur Winkreative von Tyler Brûlé beigezogen. Das hat sicher eine Stange Geld gekostet.
Bei Tyler Brûlé wussten wir genau, was wir bekommen, weil wir mit ihm und seiner Agentur schon mehrfach zusammengearbeitet haben. Ausserdem haben wir seine Anregungen und Ideen mit eigenen Mitteln weiterentwickelt. Das war also auch ein sehr ökonomischer Entscheid.

Warum haben Sie nur kosmetische Änderungen vorgenommen?
Die «NZZ am Sonntag» ist erfolgreich unterwegs – da braucht es keine Revolution. Zudem möchten wir unsere Leserinnen und Leser nicht mit allzu vielen Änderungen brüskieren.

«Es ist wichtig, dass man der Branche auf die Finger schaut»

Von der Verpackung zum Inhalt: Es würden neue Gefässe geschaffen, heisst es in einer Mitteilung. Welche?
Es gibt eine neue Medienkolumne, die Ronnie Grob vom «Schweizer Monat» bestreitet (persoenlich.com berichtete). Gerade in Zeiten der Medienkonzentration ist es wichtig, dass man der Branche auf die Finger schaut. Im Kulturteil gibt es etwas mehr Platz und monatlich eine Kunstmarktseite. Und unseren statischen gedruckten Wochenrückblick gibt es auf der Website in neuer Form jeweils am Dienstag als interaktives Wochenquiz.

Und was fällt aus dem Blatt?
Vor allem einige Rubriken im Meinungsteil, den wir zugunsten eines schnelleren Einstiegs in die Hintergrundthemen leicht zurückfahren. Man muss auch einmal etwas beenden können.

Die Struktur und die Abfolge der Bünde bleibt jedoch unverändert. Also doch nur eine neue Verpackung?
Mir gefällt der Spruch: «If it ain’t broke, don’t fix it». Wir führen das weiter, was die «NZZ am Sonntag» seit ihrer Gründung immer wieder getan hat: Wir entwickeln unser Produkt auf intelligente Weise weiter.

Sie sind erst seit Oktober 2017 Chefredaktor der NZZaS. War diese Auffrischung Ihre Idee?
Ja, das kann man wohl so sagen.

«Es gilt, im digitalen Bereich weiter vorwärtszumachen»

Was haben Sie für weitere Ideen, die Sie noch umsetzen wollen?
Einiges ist schon in die Wege geleitet. Zum Beispiel pflegen wir mit einem neuen Newsletter und mit Leserkonferenzen auf der Redaktion einen intensiven Dialog mit unseren Leserinnen und Lesern – sie sind unser strategisches Gut. Im Übrigen gehen wir mit ruhiger Hand vor. Wir werden einzelne Ressorts und Rubriken genauer unter die Lupe nehmen und, wo nötig und sinnvoll, weitere Verbesserungen vornehmen. Zudem gilt es, im digitalen Bereich weiter vorwärtszumachen. 

 



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Kommentare

  • David Gaugler, 17.05.2018 12:09 Uhr
    Ich freue mich auf die sanft renovierte "NZZ am Sonntag". Eines der wenigen Printprodukte, die ich noch mit Genuss lesen kann. Möge uns dieses Blatt erhalten bleiben! Keine andere Zeitung kann der NZZaS das Wasser reichen (ok, vielleicht noch die NZZ als solches).

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