06.01.2014

Weltwoche

"Wir sind die grösste Talentschmiede des Landes!"

Roger Köppel zum happigen Preisaufschlag und den inhaltlichen Veränderungen.
Weltwoche: "Wir sind die grösste Talentschmiede des Landes!"

Herr Köppel, Ihr Blatt wartete zum Jahreswechsel gleich mit mehreren Änderungen auf. Die markanteste ist sicher der Preisaufschlag: Es ist gleich um happige zwei Franken teurer geworden. Neu kostet die "Weltwoche" 8.50 Franken. Wie rechtfertigen Sie das?
Erstens: durch anhaltende Investitionen in die Substanz des Blattes. Zweitens: Qualitativ hochwertige Zeitschriften wie die "Weltwoche" sind billiger als zwei Tassen Tee im Starbucks. Die Preiserhöhung erhöht vor allem den Druck auf die Redaktion, gut zu sein.

Auch frappant: In der ersten Ausgabe des Jahres finden sich auf 68 Seiten nur vier ganzseitige Anzeigen. Eine davon ist von der "Basler Zeitung". Klar, die Ausgaben zu Jahresbeginn sind traditionell mager bestückt, aber ist dieser Tiefstand nicht alarmierend für Sie als Verleger?
Vielleicht sollte ich Sie als Buchhalter beschäftigen. Ernsthaft: Wir konnten im letzten Jahr dank der hervorragenden Arbeit meines Anzeigenleiters Stephan Schwab und seines Teams den Marktanteil der "Weltwoche" steigern. Dass Anfang Jahr die Hefte dünner sind, erlebe ich seit 1998, als ich noch Chef des "Tagimagi" war.

Eine weitere Neuerung sind die kleinen Cartoons, die Sie seit der aktuellen Ausgabe im Heft verstreuen. Wie passt diese neue Albernheit zur "Weltwoche"?
Mit diesem Schritt setzen wir ein Zeichen gegen die - wie Ihre Frage dokumentiert - grassierende Humorlosigkeit des Schweizer Journalismus, übrigens in bester "Weltwoche"-Tradition.

Woher beziehen Sie diese von Text umspülten Cartoons?
Von diversen Zeichnern, darunter gibt es aber auch ein Wiedersehen mit Cartoon-Figuren der "Weltwoche"-Tradition, etwa mit dem trotteligen Edelmann Poldi, der auf der Seite meines oft so ernsten und staubtrockenen Editorials eine Wärmelampe der guten Laune bildet.

Noch ein Wort zu den personellen Wechseln: Neu schreiben Jeroen van Rooijen und Martin Spieler. Wieso gerade die beiden?
Weil es sich um zwei ausgezeichnete Autoren handelt. Aber lassen Sie sich überraschen, da kommt noch mehr!

Ausserdem hat Produktionschef David Schnapp das Blatt Richtung Corporate Publishing verlassen. Er folgt damit einem seit Jahren anhaltenden Trend. Auch andere ehemalige, fähige Mitglieder Ihrer Redaktion schreiben heute im Auftrag von Grossunternehmen. Können Sie diesen Schritt nachvollziehen? Hat der Journalismus am Ende gar Glanz und Reiz verloren?
David Schnapp wird dem Blatt als Kolumnist erhalten bleiben. Ich kann verstehen, dass er nach zehn Jahren als Produktionschef einmal etwas Anderes machen will, und es ist doch toll, dass die "Weltwoche" immer wieder Leute herausbringt, die anderswo Pflöcke einschlagen. Eben hat uns die "NZZ" einen Kollegen abgeworben, dann belieferten wir die "BaZ" und den "Blick" mit Chefredaktoren, ein ehemaliger Kollege ist Stv. bei der "SonntagsZeitung". Wir sind die grösste Talentschmiede des Landes!

Eines der besten Interviews, das ich im letzten Jahr gelesen habe, war das von Claas Relotius mit Aki Karismäki. Wird Relotius nun öfter für die "Weltwoche" schreiben?
Klar!

Interview: Adrian Schräder/Bild: Keystone



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