09.05.2018

Keystone-SDA

«Wir werden das Angebot laufend anpassen»

Die neue Führung ist zum ersten Mal vor die Medien getreten. COO Jann Jenatsch sagt, wie Corporate Content vom Nachrichtengeschäft getrennt werden soll, welche Aufgaben die Standorte haben und wie er das Vertrauen der Redaktionen zurückgewinnen will.
Keystone-SDA: «Wir werden das Angebot laufend anpassen»
Jann Jenatsch ist operativer Chef des fusionierten Unternehmens Keystone-SDA. (Bild: Keystone/Christian Beutler)
von Marius Wenger

Herr Jenatsch, am Dienstag wurde bekräftigt: Mit der Fusion von Keystone und SDA soll der Bereich Corporate Content – also die Angebote für Firmen, Verbände, Behörden et cetera – aufgebaut und gestärkt werden. Wie wird eine Trennung zwischen PR und Journalismus sichergestellt?
Wir trennen das Nachrichtengeschäft in der Organisation ganz klar vom Corporate Content. Dieser wird im Bereich Marketing und Verkauf integriert. Seitens Keystone haben wir Erfahrung in diesem Bereich. Wir machen beispielsweise die ganze Fotografie für den Schweizerischen Fussballverband – vom Panini-Bildchen bis zum Fussballspiel auf den Färöer Inseln. Der Verband sagt uns da nicht, was wir fotografieren müssen.

Aber personell wird die Trennung nicht so klar sein?
Doch, aber wenn sich Synergien ergeben, wird man diese nutzen.

«Wir würden unsere Glaubwürdigkeit zerstören»

Konkret: Sind die Redaktionen räumlich getrennt?
Klar. Die Produzenten des Corporate Content sitzen nicht im Newsroom wie die Nachrichtenredaktion. Sie erstellen Inhalte im Auftrag von Firmen, das sind ganz andere Voraussetzungen, als wenn man recherchiert und auf Tagesaktualitäten reagieren muss. Wenn wir die Trennung zwischen den journalistischen und den kommerziellen Inhalten untergraben, würden wir unsere Glaubwürdigkeit zerstören. Das können wir uns gar nicht leisten.

Wie wird sich die Stärkung des Multimediaangebots zeigen?
Seit einem Jahr haben wir ja Video im Angebot. Es geht dabei aber vor allem um die Abstimmung. Wir wollen uns zu einem viel früheren Zeitpunkt überlegen, wie und mit welchen Formaten – Text, Bild, Video, Grafiken – wir eine Geschichte erzählen. Das sollen die Kunden bereits im Vorfeld wissen.

Wird das Video-Angebot auch weiterhin gratis bleiben?
Nein, das wird in Zukunft genau wie jedes andere Produkt seinen Preis haben.

Wann wird die Organisation umgestellt?
Am 1. Juni werden wir die Organisation strukturell umstellen. Das heisst aber noch lange nicht, dass wir dann die inhaltliche Ausrichtung schon komplett im Griff und umgesetzt haben. Dieser Prozess braucht seine Zeit. Wir werden mit einem Monitoring das Angebot ständig überwachen, verändern und anpassen, um auf die Kundenbedürfnisse einzugehen.

«Wir wollen gleichwertige Zentren entwickeln»

Sehr klar erkennbar wird die Fusion bisher mit dem geplanten Umzug der Zürcher SDA-Redaktion zu Keystone. Rückt das Unternehmen mit diesem Schritt – wie andere Player der Medienlandschaft momentan – stärker von Bern nach Zürich?
Wir sind nach wie vor in der ganzen Schweiz präsent, und wir wollen gleichwertige Zentren entwickeln. Das sind unsere «Hubs». Nebst Bern und Zürich wird Lausanne der dritte Hub sein. Aber vor allem wollen wir in den Regionen sein, weil wir wissen, dass man vor Ort ganz anders funktioniert als aus der Distanz. Die Stärkung der Regionen wird aus meiner Sicht auch mehr und mehr ein Alleinstellungsmerkmal in der Medienlandschaft.

Wie unterscheiden sich diese «Hubs» in ihren Funktionen?
Von Zürich und Lausanne aus steuern wir die Regionen, Bern liefert quasi die nationale Sicht. Alle Standorte spielen aber zusammen. Wir haben auch eine Regie, die merken muss, wenn ein Ereignis plötzlich nicht nur in Luzern, sondern auch in Basel relevant ist und sich so die Perspektive verändert.

Wie sieht es aus mit einer möglichen Finanzierung durch den Bund?
Wir stehen erst ganz am Anfang der Diskussionen. Eine Unterstützung mit öffentlichen Geldern ist immer an einen Leistungsauftrag gekoppelt.

«Auch ich muss mich erstmal beweisen»

Und wie wollen Sie nun das zerstörte Vertrauen in den Redaktionen wieder zurückgewinnen?
Das wird ein Prozess sein, der engen Kontakt und viele Gespräche mit allen braucht. Ich habe beispielsweise alle Regionalredaktionen besucht. Auch ich muss mich erstmal beweisen: Den Redaktoren zeigen, was ich Ihnen bieten kann, was ich für Ideen habe, wer ich bin – und in den nächsten Monaten beweisen, dass das Gesagte auch Glaubwürdigkeit hat.



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