20 Minuten - "Wir rechnen mit zehntausenden von Bildern"

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09.09.2013

"Wir rechnen mit zehntausenden von Bildern"

"20 Minuten" startet ein Foto-Experiment, wie es die Schweiz noch nie erlebt hat. "Das Projekt ist gigantisch und auch international gesehen, einzigartig", schwärmt Olaf Kunz, der als Ressortleiter Community verantwortlich ist, im Interview. Und so funktioniert der Ausnahme-Versuch, an dem intern rund 40 Leute beteiligt sind: Am Freitag erhalten rund 1,4 Millionen Schweizer über ihr Smartphone eine Aufforderung, sofort und an Ort und Stelle ein Foto zu knipsen und dieses der 20-Minuten-Redaktion zuzuschicken. In Kooperation mit der Zurich Versicherung und dem bekannten Fotografen Hannes Schmid sollen ausgewählte Bilder nicht nur auf einer interaktiven Schweizerkarte erscheinen, sondern pünktlich zum Weihnachtsverkauf sogar als Buch in den Verkauf gelangen. Wie kann "20 Minuten" eine solch gigantische Bilderflut handhaben und verärgert eine solche Aktion nicht einfach nur die Leser?

Herr Kunz, ein solcher Foto-Wettbewerb, wie Sie ihn planen (Details vgl. persoenlich.com), verfolgt einen nicht sehr journalistischen Ansatz, es geht wohl eher um Unterhaltung oder um die Erzeugung eines gewissen Gemeinschaftsgefühls.
Der Community-Faktor ist bei dieser Aktion zentral. Doch es handelt sich auch um eine spezielle Art des "Location Based Story Telling" und zwar auf Grundlage einer enormen Menge von Fotos. Ich bin davon überzeugt, dass dies für unsere Leserschaft enorm spannend ist – ebenso wie die Möglichkeit, einen Rekord aufzustellen. Ausserdem wollen wir mit den Lesern etwas für die Zukunft erschaffen. Ein Stück Zeitgeschichte in Form eines gigantischen Fotoalbums. Die beim Wettbewerb eingereichten Fotos sollen auch noch in 20 Jahren zugänglich sein, wenn auch vielleicht nicht über unsere Website. Wir werden die Aufnahmen daher in einem Datenbunker oder auf einer speziellen externen Festplatte langfristig archivieren.

Sie wollen die 20-Minuten-Leserschaft dazu bringen, sich einzubringen und dafür die Leserreporter-Anwendung auf ihrem Smartphone zu benützen. Geht es bei der Aktion darum, neue Leserreporter zu gewinnen?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Wir haben extra ein ganz neues Feature in die App integriert, über das die Leser Bilder hochladen können. Wir wollen gerade nicht, dass das Experiment mit Leser-Reporter-Bildern verwässert wird. Die Leser-Reporter schicken ja Fotos von ganz unterschiedlichen Ereignissen an unterschiedlichen Orten. Anders beim Fotowettbewerb: Hier steht nicht das Ereignis im Zentrum, sondern der Entstehungszeitpunkt des Fotos.

Wie viele Bilder erwarten Sie?
Das ist überhaupt nicht vorhersagbar, es ist ein Experiment. Doch wir rechnen mit zehntausenden von Bildern. In der gesamten Schweiz wurde die 20-Minuten-App insgesamt 2.1 Millionen Mal heruntergeladen. Von früheren Messungen wissen wir, dass rund zwei Drittel dieser App-Nutzer die Push-Alert-Funktion aktiviert haben. Somit werden am 13. September rund 1.4 Millionen 20-Minuten-User per Push-Hinweis auf unsere Fotoaktion aufmerksam gemacht. Die Aktion in dieser Dimension ist sicherlich in der Schweiz, wenn nicht auch international gesehen, einzigartig. Wir erwarten eine gigantische Momentaufnahme.

Inwiefern befürchten Sie Leser zu verärgern und schliesslich auch zu verlieren, denn die Push-Abonnenten erwarten vor allem Hinweise auf wichtige News, statt auf gesponserte Marketingaktionen.
Es handelt sich ja keinesfalls um eine Marketingaktion. Im Gegenteil: Das Projekt ist redaktionell getrieben. Aber es stimmt schon: Wir pushen hierbei keine News. Aber es handelt sich um eine Aktion, von der viele Menschen sprechen werden. Dies rechtfertigt in unseren Augen durchaus einen solchen Push-Alert.

Jedem Bild muss zudem Name des Absenders und der Aufnahmeort zugeordnet werden. Wie verarbeiten Sie eine so riesige Flut an Bildern?
Die Verarbeitung ist tatsächlich aufwändig - in diesem Ausmass wäre sie vor ein, zwei Jahren auch gar noch nicht möglich gewesen. Doch durch die Programme, die Metadaten über den Aufnahmeort über GPS aufzeichnen, ist die Verarbeitung einfacher geworden. Dennoch ist es für die Entwickler eine absolut sportliche Herausforderung, die innerhalb kürzester Zeit eingehende Datenmenge bearbeiten zu können. Und auch das Sichten der Fotos ist eine Herkulesaufgabe.

Wie viele Leute sind beteiligt?
Es sind über 40 Leute involviert – Redaktorinnen und Redaktoren, Entwickler, Designer, Übersetzer, Layouter etc. Die Aktion findet ja in der gesamten Schweiz statt und es sind mehrere Partner beteiligt. Das alles bedeutet einen nicht unerheblichen Koordinationsaufwand, vor allem aber viel Nervenkitzel – und das meine ich wirklich im positiven Sinne.

Der Fotowettbewerb wird von der Zurich Versicherung gesponsert. Wie viel kostet den Versicherer die Investition in ein solches Projekt?
Solche Zahlen legen wir nicht offen. Doch es handelt sich primär um eine Kooperation zwischen "20 Minuten" und der Zurich Versicherung. Zurich hat Samsung und Mondaine als Partner für die Preise an Bord geholt, die Infrastruktur und Programmierung rund um die Website schweizer-momente.ch gestemmt und wird voraussichtlich bis Ende Jahr ein Buch zur Aktion herausgeben. 

Sie planen ein Buch?
Ja, die Zurich Versicherung und der bekannte Fotograf Hannes Schmid werden die besten Bilder in einem Buch sammeln und dann veröffentlichen.

Interview: Edith Hollenstein

 

 

 

 

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