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Haben Sie die Werbung satt?
- (Überlegt lange) Für den Moment war es das. Ich habe 14 Jahre lang mit einer eigenen Agentur Werbung gemacht, und hatte eine super gute, unglaublich spannende Zeit. Doch jetzt habe ich Lust auf etwas Neues.
Ok, das war jetzt die Standard-Antwort. In Wahrheit ist eine Entscheidung für etwas doch immer auch eine Entscheidung gegen etwas anderes.
- Als meine Agentur wuchs, spielte ich mit dem Gedanken, dass eine Integration in eine internationale Agentur einmal ein Thema sein könnte. Es gab auch seit mehreren Jahren schon immer wieder Anfragen. Beim Verkauf von Guye Benker vor eineinhalb Jahren war für mich klar, dass ich mich irgendwann zurückziehen werde. -- Spätestens beim Verkauf seiner Firma setzt man sich mit dem Gedanken ans Aufhören auseinander.
Warum hat man beim Verkauf das ungewöhnliche System "Ein CD -- zwei Agenturen" gewählt, wenn Guye Benker heute ja doch in AY&R aufgeht?
- Warum sollte das ungewöhnlich sein? Grosse Banken haben beispielsweise auch ihre kleinen Ableger für Privatkunden, für die sehr wohl der gleiche CFO verantworlich sein kann.
Wir sehr gab die Regelung der Agenturzukunft damals zwischen Ihrem Partner und Ihnen zu diskutieren?
- Wenig. Alle Beteiligten sahen das als die beste Lösung an.
Erst geht André Benker ab, dann Sie. Gab es einen Eclat?
- Über die Gründe von André Benkers Ausscheiden bei Advico Young & Rubicam müssen Sie mit ihm selber und mit AY&R-CEO Edgar Britschgi reden. Die zeitliche Nähe meiner Neuausrichtung ist jedenfalls Zufall, da besteht kein Zusammenhang. -- Wie gesagt: Ich wusste schon beim Verkauf, dass ich einmal gehen würde. Diese Absicht wurde sicherlich beschleunigt durch die räumliche Zusammenlegung von Guye Benker mit AY&R. Es gab auch absolut kein Zerwürfnis. Es war mir ein Anliegen, dass für sämtliche Mitarbeiter eine Lösung gefunden werden konnte. Zudem begleite ich unsere Kunden bis mindestens Ende Jahr.
Danach übernimmt sie Advico Young & Rubicam. Wenn man ein Baby aufgibt, soll es in gute Hände kommen; man deponiert es nicht einfach in der Babyklappe.
Ihr Abgang erfolgt ungewöhnlich schnell. Gab es keine Kündigungsfristen?
- Die vom Netzwerk in London verlangte operative Zusammenlegung von Guye Benker mit Advico ermöglichte mir ein geordnetes Ausscheiden.
Sie geben ein Lebenswerk ab. Tut das nicht weh?
- (Lacht) Ich bin auf meine Kosten gekommen. Guye Benker war mehr ein Lebensabschnittswerk, das ich gut unter Dach und Fach gebracht habe.
Ich finde das eine schöne Geschichte: Erst machte ich mich von AY&R selbständig und gründete meine Agentur, und jetzt wird diese Agentur dort integriert, wo ich selber einmal gearbeitet hatte. Das ist ein erfolgreicher Abschluss.
Sie sind der Kapitän, der das Schiff als erster verlässt.
- Das stimmt einerseits nicht ganz und andererseits geht das Boot ja nicht unter, sondern wurde an fünf neue Kapitäne übergeben.
Der etablierte Brand Guye Benker verschwindet. Finden Sie das klug?
- Es hätten verschiedene Kunden weiterhin gerne mit Guye Benker zusammengearbeitet. Das Potenzial für gute kleinere und mittelgrosse Agenturen in der Schweiz ist gross. Dadurch, dass ich mich von der Werbung als Werber verabschiede, hat das für mich keine grössere Tragweite. Das wäre anders, wenn ich selber weiterhin in der Werbung tätig wäre.
Das tönt alles sehr emotionslos. Spielen Sie das nur?
- Das ist effektiv so, ein Lebensabschnitt ist vorbei. Im Moment, wo man eine Firma verkauft, löst man sich davon. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man sich auch physisch von ihr trennt.
Und jetzt werden Sie ein Business Incubator. Was macht so einer?
- Ich engagiere mich am Auf- und Ausbau von Firmen, an denen ich mich auch mit eigenem Kapital beteilige. Viele Unternehmer stecken so sehr im Tagesgeschäft fest, dass Sie sich zu wenig um ihre Kernkompetenzen kümmern können. Sie brauchen einen Partner, der ihnen hilft, sich schneller multiplizieren zu können, ohne die eingeschlagene Philosophie zu verlassen. Hier kann ich mein Know how einbringen.
Sie haben erste Mandate. Um wen handelt es sich dabei?
- Zum einen helfe ich beim Schweizer Markteintritt einer holländischen Kosmetiklinie, der noch für dieses Jahr geplant ist. Ein zweiter Mandant ist das Street- und Snowwear Label Alprausch, wo ich für den Markenaufbau auf internationalem Parkett verantwortlich sein werde. Drittens bin ich im Food-Bereich an einer Bio-Linie im Topsegment beteiligt, für die wir in absehbarer Zeit einen Geschäftsführer suchen.
Und das alles gleichzeitig? Sind Sie nicht schon durch Alprausch voll ausgelastet? Wie viele Mandate wollen Sie maximal übernehmen?
- Drei sind schon sehr anspruchsvoll. Ich kann mir vorstellen, dass mich Alprausch sehr bald ganz auslastet.
Ihr neuer Fokus liegt also auf Konsumgütern, für die Sie den Vertrieb organisieren.
- Der gemeinsame Nenner besteht darin, dass alle drei Brands moderne, neue Lifestyle-Marken sind. Diese Kultmarken werden nicht allein wegen des Produkts an und für sich, sondern auch wegen ihrer Philosophie gekauft. Der Erfolg von Marken hat viel mit ihrem subjektiven Wert zu tun und Kaufen ist ein "therapeutischer“ Akt. Bei diesen Brands ist der therapeutische Wert gemessen am Kaufpreis sehr hoch. Aus diesem Grund ist die Arbeit mit diesen Marken sehr spannend.
Unter dem Strich sind Sie jetzt statt engagiertem Unternehmer distanzierter Berater, der gleichzeitig noch in anderen Firmen involviert ist.
- Genau das Gegenteil ist der Fall. Endlich bin ich wieder engagierter Unternehmer und nicht mehr distanzierter Berater! Zudem engagiere ich mich mit eigenem Geld. Ein wesentlicher Grund mehr, dass die Firmen noch erfolgreicher werden müssen.
Wie gross sind Ihre Beteiligungen an diesen Firmen?
- Jeweils nicht zuviel und nicht zuwenig.
(Interview: Alain Egli).
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