|
Herr Trevisan, wechseln Sie ins Ausland, weil die NZZ nie ins Ausland expandieren wollte?
- Nein, da gibt es keinen Zusammenhang.
Lassen Sie mich noch einmal raten: Nach dem NZZ-Deal mit der Publigroupe wandert das Anzeigengeschäft zur P. Geht Ihnen längerfristig die Arbeit aus?
- (lacht) Nein, auch das ist nicht der Grund für den Stellenwechsel. Meine primäre Funktion ist es ja nicht, Anzeigen zu verkaufen, selbst wenn ich unseren Aussendienst dabei gerne unterstütze.
Weshalb dann haben Sie sich für die neue Stelle entschieden?
- Ich habe ein Angebot erhalten, das hochspannend ist. In meinem Alter, mit 46, muss man sich grundsätzlich entscheiden, ob man eine solche Chance im grossen deutschen Markt wahrnehmen will, oder nicht. Wen es wie mich reizt, im Ausland eine Herausforderung anzunehmen, für den stellt ein Angebot von der FAZ eine ausserordentliche Gelegenheit dar.
Bei der NZZ steht demnächst ein Generationenwechsel an. Haben Sie sich mit diesem Abgang nicht die Möglichkeit verbaut, früher oder später CEO der NZZ zu werden?
- Ich musste mich zu einem gegebenen Zeitpunkt für oder gegen ein Angebot der FAZ entscheiden. Für Spekulationen über eine mögliche Zukunft bei der NZZ blieb da keine Zeit. Im Vordergrund stand die Herausforderung, für eine so renommierte Zeitung wie die FAZ zu arbeiten. Natürlich bedeutet so ein Entscheid auch immer, auf etwas verzichten zu müssen. Mir fällt es keinesfalls leicht, die NZZ zu verlassen, ein Haus mit so tollen Leuten und einer so einzigartigen Kultur.
Nach Roger Köppel und Roger Schawinski zieht es nun auch Sie nun ins nördliche Nachbarland. Was reizt Schweizer so sehr am deutschen Medienmarkt?
- Es ist der Reiz, in der Bundesliga zu spielen. Der deutsche Markt ist viel grösser und ebenso die Herausforderung, sich da durchsetzen zu können.
Der Marktwert von Transfers aus der Schweiz scheint in Deutschland stark zugenommen zu haben...
- Ich glaube es wäre falsch, zu generalisieren. Bei der Welt hat man Roger Köppel engagiert aus der Überlegung, er sei der richtige Mann, und bei Sat.1 Roger Schawinski, weil man von dessen Leistung überzeugt war. Offensichtlich fand auch der Aufsichtsrat der FAZ, ich sei der Richtige. Das hat wohl kaum damit zu tun, dass ich Schweizer bin.
Welche Herausforderungen warten auf Sie?
- Ich habe mir selbstverständlich ein grobes Bild gemacht, was auf mich zukommen wird. Die FAZ und die NZZ sind in zwei unterschiedlichen Märkten etwa gleich positioniert. Die Probleme die sich stellen, sind ähnlich. Es ist allerdings zu diesem Zeitpunkt zu früh, konkrete Aussagen zu machen.
20 Minuten hat Bewegung in die Schweizer Presselandschaft gebracht. Nun droht in Deutschland mit Metro ein Angriff der Gratiszeitungen. Wurden Sie zur FAZ berufen, weil Sie diese Marktbewegungen schon kennen?
- Die NZZ wurde durch die Lancierung des 20 Minuten nicht sehr stark tangiert. Ich kann mir vorstellen, dass dies bei der FAZ nicht anders sein wird.
Wie lautet Ihr persönliches Fazit der vergangenen sechs Jahre bei der NZZ?
- Ich erlebte an der Falkenstrasse eine ausgesprochen gute und spannende Zeit. Ich hatte die Möglichkeit, mit hervorragenden Kollegen zu arbeiten. Die im Haus herrschende Bereitschaft zur Veränderung war aussergewöhnlich, ebenso das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde.
Die vergangenen Jahre stellten für die gesamte Branche und für die NZZ eine schwierige Zeit dar. Wo sehen Sie Ihre grössten Erfolge?
- Es liegt nicht an mir, meine Leistung zu beurteilen. Das müssen schon andere tun. Ich freue mich aber sehr, dass es mir mit meinem Team gelungen ist, bei der NZZ einiges in Bewegung zu setzen. Wir konnten einige sehr zentrale Themen aufgreifen. So haben wir zum Beispiel erreicht, dass das Verlagshaus die Bedeutung des Sonntagsmarkts erkannt hat und es uns gelungen ist, in diesem Markt einen Titel erfolgreich zu lancieren. Ich bin überzeugt, dass die dynamischen Kräfte bei der NZZ auch in Zukunft viel bewegen werden.
(Interview: David Vonplon).
|