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Markus Popp, laut Wemf weist tilllate.com im Oktober allein in der Schweiz fast 60 Millionen Pageviews auf, was nahezu eine Verdoppelung der Zugriffe im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Wir fragen uns: Wann wird Ihr Nightlife-Portal an seine Grenzen stossen?
- Wir haben schon etliche Male gedacht, wir hätten den Zenit nun erreicht. Jedes Mal wurden wir aber eines Besseren belehrt. Das seit 5 Jahren anhaltende Wachstum bestätigt mir aber, dass die Fotoalben im Internet nicht einfach ein kurzfristiger Trend sind, der zwei Jahre anhält, sondern dass unser Produkt vom Nightlife nicht mehr wegzudenken ist. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass tilllate.com weiterhin Wachstumspotential besitzt.
Konkret: Welche Reichweite ist möglich?
- Ich gehe davon aus, dass unsere Alterszielgruppe in der Schweiz rund 1.3 Millionen Menschen umfasst. Gegenwärtig hat tilllate.com mit um die 360'000 Unique Clients näherungsweise eine monatliche Reichweite von rund 24 Prozent in dieser Zielgruppe. Da aber nicht alle eine Affinität zum Nightlife haben, rechne ich damit, dass die Grenze irgendwo zwischen 30 und 40 Prozent liegt.
Der Anteil der Online-Werbeausgaben am gesamten Kuchen liegt in der Schweiz immer noch unter einem Prozent. Lässt sich derzeit in der Schweiz allein mit Werbeeinnahmen aus dem Internet viel Geld verdienen?
- Gute Frage. Das ganz grosse Geld lässt sich sicherlich noch nicht machen. Wir wollen aber mit unserem Produkt bereit sein, wenn der Online-Werbemarkt abhebt. Und letztendlich entscheidet die Rentabilität, ob man ein Geschäft machen soll oder nicht: Wir überwachen deshalb ziemlich genau, wie gross unsere Gewinnmarge ist. Der Rentabilitätsgedanke spielt natürlich auch bei der Erschliessung der Märkte England, Deutschland und Frankreich mit -- Länder, in denen mit 4.3 Prozent Online-Ausgaben andere Verhältnisse herrschen als in der Schweiz. Der Bereich Business Events, wo wir mit den gleichen Kompetenzen Events dokumentieren und die Inhalte im Web aufbereiten, wird umsatzmässig ausserdem auch immer wichtiger.
Welche Pläne verfolgt tilllate in Europa?
- Die Länder, in denen wir derzeit aktiv sind, haben eine strategische Bedeutung für uns: Wir wollen im Internet der Nightlife- und Jugend-Brand Europas werden, so wie dies MTV im Fernsehen ist. Wir stehen mit unserem Ausland-Engagement aber noch am Anfang; da gibt es noch einiges zu tun.
Ist dieses Ziel nicht gar hoch angesetzt?
- Ich bin mir bewusst, dass dies ein hoher Anspruch ist. Aber es wäre ja auch nicht gerade ein anspruchsvolles Ziel, mit dem aufgebauten Know-How, den Strukturen und der IT-Infrastruktur eine regionale Eventplattform zu betreiben. Eine Vision sollte immer ein wenig höher gesteckt sein, als sie im Moment realistisch erscheint.
Wie sieht der Fahrplan aus? In welche Länder wollen Sie vorstossen?
- Im Moment haben wir mit England, Frankreich und der Projektierung in Deutschland genug zu tun; klar prüfen wir laufend neue Märkte, aber solange wir ausschliesslich eigenfinanziert wachsen, werden wir sehr vorsichtig und konservativ vorgehen. Wir gehören nicht zu jener Gruppe von Unternehmern, die alles aufs Mal wollen.
Wieviele Personen beschäftigt tilllate.com heute im Ausland?
- Von den 15 Angestellten in der Schweiz arbeiten heute 3-4 Personen für unsere ausländischen Sites. Ausserdem sind André Schraner und ich häufig im Ausland unterwegs. In England und Frankreich beschäftigen wir überdies drei Personen, in Bulgarien betreiben wir ein "Service-Center" mit 3 Angestellten. Die Anzahl der im Ausland beschäftigten Angestellten wollen wir jedoch möglichst tief halten, da wir unsere Kräfte nicht überstrapazieren wollen.
Haben Sie schon Übernahme-Angebote von grossen Medienhäusern erhalten?
- Wir sind zwar stets mit Medienunternehmen in Kontakt und überlegen uns, wo Partnerschaften Sinn machen. Gespräche über eine vollständige Übernahme des Brands tilllate.com haben wir jedoch noch keine geführt.
Würden Sie ein solches Angebot a priori ablehnen?
- Wenn wir danach nichts mehr zu sagen hätten, ja. Dennoch müssen wir immer offen sein und Varianten prüfen, den Ausbau unseres Portals von starken Partnern mittragen zu lassen. Ein dringender Handlungsbedarf dazu besteht allerdings nicht: Wir sind nicht so knapp an flüssigen Mitteln, dass wir dringend Investoren bräuchten. Wir können weiterhin auch eigenfinanziert wachsen, wenn auch langsamer, versteht sich.
Ist es denkbar, dass tilllate.com früher oder später auch redaktionelle Inhalte publizieren wird?
- Bislang haben wir uns nicht durchgerungen, eine eigene Redaktion aufzubauen oder Content von einem Partner zu beziehen -- auch, weil in der Vergangenheit Texte auf tilllate.com nicht auf ein überragendes Interesse stiessen. Ihre Frage ist aber insofern berechtigt, da tilllate.com im Party-Business über eine Organisation verfügt, die sehr tief in die Eventbranche hineingreift. Gerüchte aus der Szene erfahren wir, die wir gleichsam an der Quelle sitzen, als Erste. Deshalb könnte ich mir auch vorstellen, dass wir andere Medien mit dem Nightlife-Gossip versorgen.
Abschlussfrage: Sie gehen mit der Kamera auch heute noch an Business-Anlässe. Ist Ihnen die Event-Fotografie noch nicht verleidet?
- Nein, keineswegs. An Business-Events gehe ich immer noch sehr gerne. Ich mag dieses People-Business, Menschen zu treffen und zu fotografieren. In den Clubs allerdings bin ich seltener -- und wenn, dann um am Markt zu bleiben. An den Partys gehöre ich ja mittlerweile auch zum alten Eisen. Dies bemerke ich spätestens dann, wenn die Partybesucher im Club mich fragen "Würden Sie bitte ein Foto machen?" und unsere Fotografen jeweils geduzt werden.
(Interview: David Vonplon)
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