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Eigentlich hätte Jean-Remy von Matt Dankbarkeit für seine Mitgestaltung an der grössten gemeinnützigen Kampagne Deutschlands aller Zeiten erwartet. "Die grossen Verlage haben Zeit und Raum im Wert von 35 Millionen Euro geschenkt. 20 Promis der ersten Liga haben Zeit und ihr Gesicht geschenkt. Wir und kempertrautmann haben Zeit und Herzblut geschenkt." Doch seinem Ziel, die Miesepetrigkeit zu bekämpfen, sei als Dank nur neue Miesepetrigkeit gefolgt, machte von Matt seinem Ärger in einem hausinternen Newsletter Luft.
Wütend über die unablässige Nörgelei an seiner Arbeit holte der Topwerber zum Rundumschlag gegen jene Gruppen aus, "von denen man nicht besseres erwarten konnte": Den Werberkollegen, die die Kampagne nutzlos finden, den Bloggern, die "ihre Meinung ungefragt absondern“ und den intellektuellen Journalisten, die soviel Kopf haben, dass ihnen jedes Bauchgefühl verloren gegangen ist. Die Bloggerbewegung sei die "Klowand des Internets" und ein "neuer Tiefststand der Meinungsbildung", lästerte der Kreative.
Was der Kommunikationsprofi hätte wissen müssen: Die besagte E-Mail, die lediglich für seine Mitarbeiter bestimmt war, geriet in den Besitz eines deutschen Bloggers ({L:http://www.jensscholz.com), der von Matts Tirade flugs auf seinem Weblog publizierte und damit im Internet einen Sturm der Entrüstung auslöste. Die Bloggergemeinde -- bekannt dafür, jeden Sachverhalt bis zu Adam & Eva zurückzubuchstabieren -- betrachtete von Matt als eine "beleidigte Werberdiva", die "dem Fussvolk" sein Grundrecht auf freie Meinungsäusserung absprechen wolle. Für viele Blogger steht von Matts Schreiben geradezu prototypisch für die Haltung vieler Journalisten und Werber, die Ihre Stellung und ihren Zugang zu den Medien bedroht sehen.
Am Montag nun hat sich von Matt dem öffentlichen Druck gebeugt und sich für seine Äusserungen entschuldigt, wie in mehreren Weblogs vermeldet wird. Der Werber gesteht Fehler ein. Es tue ihm leid, dass er das Recht auf die Meinungsfreiheit in Frage gestellt habe. "Ich hatte mich halt aufgeregt", erklärt von Matt. Er habe an seine Mitarbeiter eine E-Mail geschrieben, die monatelang an einer Kampagne gearbeitet hatten und durch die Kritik verunsichert waren und Zuspruch verdient hätten. Zugleich aber kritisiert von Matt die Blogger: Er empfinde es als "kommunikativen Hausfriedensbruch, dass eine interne E-Mail wie eine Sau durchs Dorf 'Kleinbloggersheim' getrieben werde". Die Klowände sieht von Matt als Symbol für das Anpinkeln und Verpissen -- für Meinungsäusserung im Schutz der Anonymität.
Ob von Matt mit seiner Entschuldigung einen Schlussstrich unter die Debatte um "Du bist Deutschland" ziehen konnte, ist offen. Neben viel neuerlicher Schelte, attestieren ihm einige Weblogs Nehmerqualitäten. "Irgendwann, wenn der Koller abgeklungen ist, zeigt sich doch der Profi in Sachen Kommunikation", befindet etwa ein Journalist des Handelsblatt in seinem Weblog. Er war zuvor als einer der pointiertesten Kritiker von Matts aufgetreten.
(Text: David Vonplon)
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