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Herr Vieli, was hat Rinalda Caduff Doris Leuthard voraus?
- Frau Leuthard wechselt ihre Meinung bekanntlich öfters. Frau Caduff kann das mindestens so gut. Zudem vertritt sie ein kulturell interessiertes, urbanes Wählersegment. Und sie kann bereits einige wertvolle Erfahrungen in ihrem Leben vorweisen, ist Unternehmerin einer Tanzschule und ideologisch offen.
Wie sehr ist die Kandidatur Caduffs ein Statement gegen Leuthard?
- Wir sagen bloss: Frau Caduff wäre als Bundesrätin geeigneter. Gegen Leuthard haben wir aber nichts. Sie ist eine attraktive und interessante Person.
Auch der Satiriker Patrick Frey trat schon gegen Christoph Blocher an. Müssen wir uns an Komikerkandidaturen gewöhnen?
- Wenn die Politik nur noch Realsatire ist, dann muss die Satire real werden. Deshalb die Kandidatur von Caduff. Es ist doch ein Witz, dass in einem Land, in dem es einige Probleme gibt, eine Wahl ohne Auswahl stattfindet.
Die Kandidatur ist also vor allem politisch motiviert?
- Es geht nicht an, dass die Elite der Schweiz in der Bundesversammlung sitzt, bloss um eine Kandidatin durchzuwinken. Dies finden im Übrigen auch viele Parlamentarier eine Sauerei, wie ich von mehreren Mitgliedern des Stände- und des Nationalrats erfahren habe.
Die Parlamentarier sollen Caduff aus Protest ihre Stimme schenken?
- Wir hoffen, dass Rinalda Caduff Stimmen erhält, ja. Und wir gehen die Sache seriös an: Es wird eine Pressekonferenz in Bern geben, ebenfalls begrüssen wir es, wenn Caduff zu den Kandidaten-Hearings der Fraktionen eingeladen wird.
Haben Ihnen Basler Parlamentarier bereits ihre Stimmen zugesagt?
- Wir haben bereits schweizweit Gespräche geführt. Es geht uns aber in erster Linie darum, aufzuzeigen, dass es Alternativen zu Leuthard geben muss. Stimmen zählen wir dann in der letzten Woche.
Als ehemaliger "10vor10"-Chef verfügen Sie über einige Kontakte nach Bern. Werden Sie das Coaching von Caduff übernehmen?
- Wir verfügen über ein mehrköpfiges Team, das wir an der Pressekonferenz vorstellen werden. Frau Caduff wird also gut beraten -- unter anderem auch von mir.
Wird die Sendung "Café Bâle" in den kommenden Wochen als Plattform für die Wahlkampagne dienen?
- Wir betreiben im Fernsehen keine Kampagne für Rinalda Caduff. Aber Désirée Oppliger, gespielt von Caduff, ist in der Sendung ebenfalls Bundesratskandidatin.
Damit könnten Sie Probleme mit den Behörden erhalten. Politische Werbung am TV ist in der Schweiz verboten.
- Désirée Oppliger ist eine fiktive Figur. Dazu kommt: die Wahl von Frau Leuthard weist totalitäre Züge auf. Mich erinnert dies an die DDR, wo die Mitglieder des Politbüros auch einfach durchgenickt wurden. Verbietet man nun einer Schauspielerin, in einer satirischen Rolle aufzutreten, fände ich dies bedenklich, aber hübsch.
Sie sprechen bloss von der Politik. Ist die Aktion nicht in erster Linie ein PR-Coup für die Sendung "Café Bâle"?
- Wir haben nichts dagegen, wenn die Sendung "Café Bâle" durch die Kandidatur eine gewisse Werbewirkung erfährt. Genauso wie die CVP nichts dagegen hat, mit der Wahl Leuthards eine gewisse Werbewirkung zu erzielen. Wichtigster Grund für die Kandidatur ist aber der totalitäre Einervorschlag.
Wagen Sie doch zum Schluss eine Prognose für uns: Wieviele Stimmen wird Rinalda Caduff erzielen?
- Caduff wird einen Achtungserfolg erzielen. Da bin ich mir sicher. Und sie wird stolz sein dürfen, dass sie eine für die Schweiz wichtige Diskussion ausgelöst hat.
(Interview: David Vonplon)
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