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Die gestrige sechste Verlegertagung der Publicitas im Kongresshotel Seepark Thun widmete sich dem Thema "Die regionale Tageszeitung: Herausforderung an eine neue Zeitungskultur". Prof. Dr. Roger Blum, Direktor des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Bern, zeigte den Verlegern auf, welche Herausforderungen sie annehmen müssen, um auch künftig auf dem Markt bestehen zu können.
Die Stärke einer regionalen Zeitung sieht Blum darin, dass sie in ihrer Region Identität stiftet. Als fortwährende Geschichtschronik einer Region sei sie unentbehrlich. Wolle man sich über eine Region informieren und wissen was die Leute bewegt, komme man nicht am Studium einer Regionalzeitung vorbei. Diese stiften gemäss Blum auch in Zukunft Identität, aber nur, wenn sie sich markant verändern.
So könne eine Regionalzeitung nur Identität stiften, wenn sie auch von Lesern genutzt werde. Genau daran hapere es aber. Tatsache sei, dass die Reichweiten der Regionalpresse zurückgehen. "Mehr denn je muss sich die regionale Zeitung unverzichtbar machen", erklärte Blum den Anwesenden. Die Zeitung müsse ein Leitblatt sein, das den Leser bindet.
Rennovationsprogramm für Regionalzeitungen
Um eine grössere Leserbindung zu erreichen, schlug Blum den Verlegern ein Rennovationsprogramm vor. So gehörten Details nicht mehr in die Zeitung: "Alles, was nur lokal interessiert, und alles, was dokumentarischen Charakter hat, gehört ins Internet.“ Auf der anderen Seite sollte nach Meinung Blums auch jeder Artikel in der Zeitung einen Link ins Internet haben. Der Leser will unter dem Motto "Raus aus dem Haus“ zu den Schauplätzen geführt werden. Über grosse Themen wird dabei nicht nur im Blatt debattiert, sondern immer auch ausserhalb, vor Ort. So etwa bei Podiumsdiskussionen.
Der Nutzen für den Leser stehe im Zentrum. "Die Zeitung soll so wichtig werden, wie es früher der Pfarrer oder heute der Psychologe ist", umschreibt Blum die Aufgabe der Verleger. Die Zeitung müsse die neue "Vertrauensperson" sein, die Menschen bei Alltagsproblemen berate und ihnen den Zugang zu Ereignissen und Einrichtungen erleichtere.
Aber auch als Motor für die politische Partizipation des Publikums müsse eine Zeitung wirken. Die Interaktion mit dem Leser sei dabei gefragt. "Die Zeitung engagiert sich für die demokratische Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger", sagte Blum, "sie betreibt Public Journalism und ermöglicht Citizen Journalism.“
Vielfalt vs. Ökonomie
"Rein in den Mantel" lautete eine weitere Forderung Blums. Aus Sicht der Vielfalt gebe es zwar bereits zu viele Regionalzeitungen in einem Mantelgebilde, aus ökonomischer Sicht gebe es aber zu wenige und zu wenig grosse. Die Regionalzeitung könne die überregionale journalistische Kompetenz nur sichern, wenn sie sich an einem grossen Mantel beteilige.
Schliesslich erklärte Blum den Anwesenden, dass es auch unabdingbar sei, neue Einnahmequellen zu erschliessen. Die Zeitung müsse sich als publizistisches Kompetenzzentrum verstehen und dem Publikum auch andere Medien (wie Bücher, CDs, DVDs) verkaufen.
Die regionale Tageszeitung wird also in den Augen von Roger Blum nicht verschwinden, in der klassischen Form aber keine Zukunft haben. Es ist an den Verlegern, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Viele haben die Zeichen der Zeit erkannt und bereits auf diese Entwicklung reagiert, die anderen werden folgen müssen.
(Text: Stefan Wyss)
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