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Mark van Huisseling, 3+ hat sie als Juror von "Superstar" entlassen. Mit welcher Begründung?
- Nachdem die Kandidaten drohten, dass sie nicht mehr auftreten, wenn ich in der Jury verbleibe, hat die Sendeleitung von 3+ nach eigenen Angaben eine Publikumsbefragung durchgeführt. Die Auswertung ergab offenbar, dass mich auch die Zuschauer nicht mehr in der Jury haben wollen. Der Sender begründete mir gegenüber, dass man sich nicht dem Ultimatum der Kandidaten gebeugt, sondern dem Wunsch des Publikums entsprochen habe.
Können Sie diese Gründe nachvollziehen?
- Ich will kein schlechter Verlierer sein, darum respektiere ich den Entscheid von 3+. Nachvollziehen kann ich den Schritt aber nur intellektuell, emotional nicht. Dem Druck des Publikums sollte man von mir aus gesehen nicht einfach so nachgeben. Das Publikum weiss nämlich oft nicht, was es ändern will. Es ist natürlich in der Lage zu beurteilen, ob es eine Sendung sehen will oder nicht. Fragt man aber, "was konkret würden sie ändern?", kommen oft keine verwertbaren Antworten.
Was wären denn für Sie nachvollziehbare Gründe, um einen Juror zu entlassen?
- Ich bin der Ansicht, dass es nur zwei Gründe gibt, einen Juror zu entlassen: Wenn er parteiisch ist oder wenn er einen sexuellen Übergriff auf einen Kandidaten begeht. Beides war bei mir nicht der Fall. Wenn aber jemand im Rahmen seiner Tätigkeit als Juror seine Aufgabe wahrnimmt -- wenn auch in einem Stil, der einigen Kandidaten nicht passt -- sehe ich das nicht als Grund für eine Entlassung.
Sie haben zur Abendzeitung "heute" gesagt: "Ich verlasse die Jury nicht von mir aus, nur weil einzelne Kandidaten nicht kritikfähig sind und die Regeln einer Castingshow nicht richtig verstanden haben." Kann es auch sein, dass Sie die Regeln nicht verstanden haben?
- Ich habe nur die Noten 1, 5 und 10 vergeben, also die Skala ausgenützt. Das war vielleicht etwas exzentrisch, aber regelkonform. Ich habe aber sicher mindestens einen Fehler gemacht: Es ist mir nicht gelungen, meine Notengebung klar zu begründen. Dem Publikum war offenbar trotz meinen Erklärungen nicht klar, warum ein Kandidat einen Punkt, fünf oder zehn Punkte erhalten hat. Zudem konnten die Zuschauer offensichtlich nicht zwischen meiner Bewertung für den jeweiligen Auftritt und einer Bewertung des Kandidaten als Person unterscheiden. Habe ich eine Performance mit einer Eins -- und damit als superstarunwürdig -- beurteilt, wurde es so ausgelegt, dass ich die Person als solches für unwürdig betrachte.
Wie erklären Sie sich diese Unklarheiten?
- Vielleicht ist das Medium Fernsehen, das zwischen dem Knabbern von Nüssen und dem Aufsetzen von Teewasser konsumiert wird, zu flüchtig. Man hört weniger genau hin, als man bei Printtiteln liest. Vielleicht war aber in der Sendung auch die Zeit zu knapp, um mich deutlicher zu erklären. Das spielt aber am Ende keine Rolle. Man kann dem Publikum nicht vorwerfen, dass es mich nicht verstanden hat. Entscheidend ist, dass ich es nicht geschafft habe, dass das Publikum mich versteht.
Haben Sie das Medium TV unterschätzt?
- Nicht nur unterschätzt, sondern auch falsch eingeschätzt. Es hat sich schnell gezeigt, dass die Kandidaten und Zuschauer von "Superstar" meine Arbeit nicht kennen. Dadurch habe ich wohl in ihren Augen wenig Legitimation als Juror.
Warum haben Sie nicht einfach nachgegeben und Ihr Bewertungssystem geändert?
- Ich wollte urteilen wie der Konsument. Dieser differenziert nicht in kleinen Abstufungen. Er kauft eine CD, weil er sie gut findet, oder er kauft sie nicht, weil er sie schlecht findet. Dieses Denken, das meinem System zu Grunde liegt, erachte ich als richtig und darum konnte ich mein System auch nicht ändern.
Sie haben also den Eklat in Kauf genommen?
- Nein, dass es soweit kommt, hätte ich nicht gedacht. Ich bin aber insofern mit dem Ausgang der Geschichte nicht nur unglücklich, weil ich meiner Linie treu geblieben bin und mich nicht verbiegen musste.
Hätten Sie von 3+ mehr Rückendeckung erwartet?
- Der Sender sollte hinter seinen ausgewählten Juroren stehen. Ich wurde ja nicht als unbeschriebenes Blatt in die Jury geholt, sondern weil ich einen Stil habe und dazu gehört, dass ich manchmal unangenehme, ja harte Dinge sage und wenig Kuschelfaktor aufweise. 3+ hat gewusst, wen sie eingekauft haben. Und schliesslich hat sich der Sender irgendwie von den Kandidaten erpressen lassen.
Welches Fazit ziehen Sie aus Ihren TV-Auftritten?
- Ich werde mir in Zukunft sehr gut überlegen, ob ich im TV-Bereich tätig sein will, wenn meine Affinität zu einer Sendung nach aussen hin nicht gut sichtbar ist.
(Interview: Stefan Wyss)
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