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Herr Felser, Sie sind heute zum Werber des Jahres gewählt worden, herzliche Gratulation. Was bedeutet Ihnen der Titel?
- Es macht Freude, wenn aus der Branche Anerkennung für das Geleistete kommt.
Sie sind Ökonom. Entsprechen Sie dem typischen Bild des Werbers?
- Das Fröhliche an der Werbung ist doch gerade, dass sie aus vielen verschiedenen Komponenten besteht. Auf der einen Seite zählen die Kreation und die Umsetzung, auf der anderen Seite aber auch die strategische und vor allem eine unternehmerische Komponente. Ich interpretiere den Titel "Werber des Jahres" als Auszeichnung für die Agentur. Wir haben offenbar eine optimale Kombination von strategischer Potenz und Kreativität gefunden. Vielleicht hat die Branche uns dafür belohnt.
Sind Sie innerhalb der Agentur die Person, welche vor allem die unternehmerische Komponente in die Agentur bringt?
- Es gibt bei uns keine klare Aufteilung. Martin Spillmann denkt sehr unternehmerisch und strategisch, ich selber mute mir auch zu, einen kreativen Beitrag zu leisten.
Seit 20 Jahren arbeiten Sie mit Martin Spillmann zusammen, das vergangene Jahr war eines der erfolgreichsten für Sie. Was gab dazu den Ausschlag?
- Nicht nur die letzten 12 Monate waren eine schöne Zeit für uns, sondern der Aufbau der Agentur in den vergangenen Jahren insgesamt. Wir verstehen uns blind, haben die gleichen Ziele und Visionen und müssen uns nicht jeden Morgen die Agentur erklären. Kurzum: Wir sprechen alle vom Gleichen.
Wie erreicht man, dass dieses Zusammenspiel fruchtbar bleibt und sich keine Routine einschleicht?
- Jeder muss selber eine Basismotivation mitbringen.
Rolf Zimmermann, Martin Spillmann, Peter Brönnimann und ich sind alles leidenschaftliche Werber. Das ist die wichtigste Voraussetzung, dass es klappt.
Wie wollen Sie die hohe Pace künftig halten?
- Wir sind optimistisch, weil viele gute und motivierte Mitarbeiter mit uns am gleichen Strick ziehen. Optimale Voraussetzungen, um erfolgreich zu bleiben.
Ihre Agentur gilt in der Werbebranche als eingeschworene Gruppe, der fast etwas Sektiererisches nachgesagt wird. Stimmt dieses Bild?
- Ich glaube schon, dass wir eine eingeschworene Gruppe sind. Wir achten bewusst darauf, dass sich unsere Mitarbeiter wohl fühlen und auch bei uns arbeiten wollen. Wir verzichten bewusst auf zu viele Freelancer. Kontinuität und Vertrauen sind zentral. Wir sind ein Team, das gut eingespielt ist.
Ihre Kampagnen für Schweiz Tourismus und Mammut hatten national und international eine überwältigende Medienpräsenz. Kann man eine solche Verbreitung planen?
- Zum Teil. Die Kampagnen waren zum einen klug geplant, hatten ein klares Ziel und zeichneten sich durch viel Relevanz aus. Zum anderen muss ich aber zugeben, dass auch eine Portion Zufall und Glück im Spiel waren, um eine solche Wellenbewegung auslösen zu können. Dass der Spot für Schweiz Tourismus 750 Millionen zusätzliche Kontakte generieren würde, konnten wir nicht voraussehen. Zugleich war der Erfolg dieser Kampagnen nur möglich, weil auch die Journalisten bei der Sache "mitmachten".
Machen auch Sie die Erfahrung, dass heute zwar viel Geld in die Werbung fliesst, die Agenturen aber davon nicht profitieren können?
- Nein. Ich bin der Ansicht, dass die Agenturen weniger stark unter den konjunkturellen Veränderungen leiden als die Medien. Agenturen müssen lernen, sich unabhängig vom wirtschaftlichen Klima im Verdrängungskampf zu behaupten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Budgets dünner werden. Es gilt einzig, noch kreativer zu sein und andere, neue Wege zu beschreiten. Die Honorare werden in diesem Prozess nicht kleiner, denn die Aufgabe für die Agentur wird durch die zunehmende Komplexität anspruchsvoller und deshalb auch wertvoller.
Ist der hart umkämpfte Markt der Kreativität eher förderlich, oder verhindert er vielmehr mutige Werbung?
- Ich bin der Auffassung, dass die Auswirkungen der konjunkturellen Veränderungen stets überschätzt werden. Es war vor zehn Jahren schwierig, mutige Werbung zu machen, es ist heute schwierig und es wird auch in Zukunft schwierig bleiben.
Abschlussfrage: Welches war Ihre Lieblingskampagne aus Ihrem Haus?
- Ich habe zwei verschiedene Kategorien von Lieblingskampagnen: Auf der einen Seite habe ich grosse Freude an jenen Kampagnen, die langfristig mit demselben Grundgedanken laufen. Ich denke hier an die Kampagnen "Gemeinsam wachsen" für die Kantonalbanken, "Bereit für die Zukunft" für Swiss Life, oder auch "Frauen sind so" für die annabelle. Es macht mir einfach Spass, wenn eine Kampagne über Jahre hinweg on air ist. Zugleich freue ich mich auch über die aktuellen Kampagnen, die Wirbel auslösen. Neben den TV-Spots für Schweiz Tourismus und Mammut hat es auch die Wappen-Kampagne für den Tages-Anzeiger geschafft, viele positive Reaktionen auszulösen.
(Interview: David Vonplon)
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