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Am Freitag hat die Medienforschungsfirma Publicom an einer Medienkonferenz in St. Gallen eine Studie vorgestellt, die aufzeigt, wie stark Medien und PR miteinander verwoben sind. In gut der Hälfte der tagesaktuellen Berichterstattung über Medienkonferenzen kantonaler Behörden ist keinerlei inhaltliche Eigenleistung der Medien zu erkennen, wie Studienleiter René Grossenbacher ausführte. Die Autoren der vom BAKOM geförderten Studie rechnen mit einer weiteren Verschiebung der Stärkeverhältnisse zugunsten der PR.
Die Ergebnisse der als Input/Output-Analyse angelegte Untersuchung zeigen, wie gering die inhaltliche Eigenleistung der tagesaktuellen Medien ist. Texte, welche die Medienstellen der kantonalen Behörden abgeben, gelangen mehrheitlich unverändert oder lediglich in gekürzter Fassung an die Öffentlichkeit. Nachrecherchen sind selten. Selektion und Reduktion stellen die Hauptfunktion des Mediensystems dar.
Bearbeitung der Primärtexte:
Bearbeitung der Primärtexte nach Medien:
Medien verschleiern Herkunft der Informationen
Andererseits verdunkeln die Medien ihrem Publikum die Einsicht in die Entstehungszusammenhänge der Berichterstattung. Dass die Informationen im Rahmen einer Medienkonferenz vermittelt wurden, kommt nur in jedem fünften Beitrag zum Ausdruck, und in jedem vierten bleibt die Quelle der Information, die kantonale Behörde bzw. deren Repräsentanten, sogar völlig im Dunkeln.
Nennung der Medienkonferenz als Quelle:
Die Ergebnisse zeigen auch, dass den kantonalen Behörden durch ihre Medienarbeit deutlich positive Reputationseffekte erwachsen: vier von fünf Medienkonferenzen tragen zu einem positiven Bild der kantonalen Behörden bei. In einem Punkt weichen die Medien aber von der Selbstdarstellung der Behörden ab: Sie stellen das politische Geschehen in den Kantonen als wesentlich konfliktreicher dar. Mit der Akzentuierung von Konflikten tragen sie zu einer Emotionalisierung des Politgeschehens bei -- wohl um dadurch die Beachtungschancen im Publikum zu erhöhen, wie die Studienautoren vermuten.
Interpretationen im Primärtext und in den Medien:
Bereits 1986 hatte René Grossenbacher die Beziehung zwischen Public Relations und Medien untersucht. Ein Vergleich zeigt: Der seither erfolgte Vormarsch der elektronischen Medien und des Internets, sowie der damit verbundene Medienwettbewerb haben nicht zu einer verstärkten Eigenleistung des Mediensystems geführt. Dies verhindert gemäss Studienautoren schon der Aktualitätsdruck, der sich durch das private Radio und die Onlinemedien noch erheblich verschärft hat. Die oft als Medienfunktion proklamierte Kommentierungsleistung bleibe dadurch in den elektronischen Medien weitgehend auf der Strecke und werde noch am ehesten in den Zeitungen gepflegt.
PR und Medien als siamesische Zwillinge
Als "prekäres Verhältnis zwischen siamesischen Zwillingen" bezeichnete Publizistikprofessor Ulrich Saxer die Beziehung zwischen PR und Medien anlässlich der Medienorientierung. Angesichts der Verteilung der ökonomischen Gewichte zwischen PR und Medien und der fortschreitenden Professionalisierung erwarten die Autoren der Studie, dass sich die Stärkeverhältnisse weiterhin zugunsten der PR verschieben. Insbesondere der Aktualitätsdruck, dem die tagesaktuellen Medien ausgesetzt seien, schwäche letztlich die Position gegenüber den organisierten Interessen. Das Resultat sei zwar ein Mehr an (redundanter) Information, aber ein Weniger an Tiefe, Reflexion und Hintergrund.
Während eines Zeitraums von zwei Monaten hatte das Projektteam unter Leitung von René Grossenbacher 42 Medienkonferenzen der kantonalen Behörden in den Kantonen Zürich und St. Gallen beobachtet und die redaktionellen Beiträge regionaler Radio- und TV-Programme sowie Regionaljournale von Radio DRS und führender regionaler Online-Portale inhaltsanalytisch untersucht. Als Referenzmedien wurden zwei regionale Tageszeitungen berücksichtigt.
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