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Herr Schneider, ist es heutzutage noch zeitgemäss einen Buchverlag zu gründen?
- Sicher. Ich habe gerne Bücher und kaufe gerne Bücher. Da bin ich hoffentlich nicht der einzige. Meine Partner Wendelin Hess und Beat Müller gestalten Bücher professionell, wir glauben alle daran, dass das Buchgeschäft nicht untergehen wird.
Erfüllt sich der Ökonom Markus Schneider wie sein Kollege Roger Köppel den lange gehegten Traum, Unternehmer zu werden?
- Ein Vergleich mit Köppel wäre vermessen. Die Weltwoche ist ein kommerzielles Unternehmen. Wir dagegen starten mit ein paar Büchern und warten ab, welche Eigendynamik daraus entsteht. Es ist ein Versuch, in einer Branche, in der alle nur klagen, mit Enthusiasmus etwas selber aufzubauen. Ob sich im Buchmarkt tatsächlich kein Geld verdienen lässt, sehen wir dann. Im Moment arbeiten wir einfach mehr oder weniger gratis und gehen davon aus, dass wir mindestens unsere Investitionen hereinspielen können.
Ihr Verlagsprojekt ist also vor allem von Idealismus getrieben?
- Nein, sondern von der festen Überzeugung, dass wir ein Publikum finden werden, wenn wir es schaffen, interessante Bücher von interessanten Autoren herauszugeben.
In ihrem Buch "Klassenwechsel", das Sie im Echtzeit-Verlag herausgeben, behaupten Sie, dass die Tellerwäscherkarriere nach amerikanischem Vorbild auch in der Schweiz möglich ist. Hat Sie die Auseinandersetzung mit diesem Thema zur Verlagsgründung inspiriert?
- Der Buchmarkt ist dafür wohl die falsche Branche. In der kleinen und segmentierten Schweiz sind wir limitiert. Lassen sich von einem Titel 3'000 Exemplare verkaufen, ist das bereits ein Erfolg. Reich werden kann man damit nicht.
Dann werden Sie weiterhin als Journalist arbeiten müssen?
- Ja, ebenso werden auch Wendelin Hess und Beat Müller weiter als Art Direktoren tätig sein. Wir bauen den Verlag nebenher auf. Dank der technologischen Entwicklung ist es heute im Vergleich zu früher einfacher, Verleger zu werden.
Welche Bücher werden von Echtzeit verlegt?
- Journalistische Bücher, eher der Aktualität als der Ewigkeit verpflichtet. Wer mit einer Buchidee zu uns kommt, muss zuerst einmal uns -- Wendelin Hess, Beat Müller und mich überzeugen können. Denn wir müssen immer mindestens 3'000 Exemplare verkaufen können, um die Fixkosten für den Druck, das Lektorat, das Korrektorat und die Gestaltung zu decken. Auch wenn wir dieses Ziel wohl kaum mit jedem Titel erreichen werden, muss bei jedem Projekt zumindest diese Hoffnung bestehen. Wir sind nicht bereit, bewusst in ein Defizitgeschäft einzusteigen.
Ist Echtzeit mehr als eine Plattform für die Zweitverwertung journalistischer Texte?
- Schindhelms Buch ist eine Erstverwertung, und meines unter dem Titel "Klassenwechsel" auch. Selbst bei den Kolumnenbüchern bieten wir einen Mehrwert. Das Wanderbuch von Thomas Widmer wird schöne Landkarten haben, das Buch "Die 50 wichtigsten Künstler der Schweiz" von Jörg Becher wird Portrait-Fotos von Tom Haller enthalten. Die Idee des Verlags ist, dass wir unabhängig von einem Zeitungsverlag mit den besten Journalisten der Schweiz zusammenarbeiten können. Nur dann können wir die Bücher auch vermarkten, in hoffentlich enger Zusammenarbeit mit den Titeln, in denen die Autorinnen und Autoren gerade tätig sind.
Viele Bücher von Journalisten werden von den Zeitungsverlagen selbst herausgegeben. Weshalb braucht es noch einen zusätzlichen Verlag?
- Unser Vorteil ist eben, dass wir unabhängig sind. Hierzulande scheuen sich Journalisten häufig, Bücher, die von einem Konkurrenzverlag herausgegeben werden, zu besprechen. Der Tages-Anzeiger hat eine merkwürdige Hemmung über ein NZZ-Buch zu schreiben und umgekehrt. Es erstaunt deshalb kaum, dass Journalisten, die Bücher schreiben, in Ländern wie den USA, Frankreich oder Deutschland ein höheres Renommé geniessen als in der Schweiz. Wir hoffen, mit unserem Verlag dazu beizutragen, das Ansehen der Journalisten hierzulande zu erhöhen.
Wieviele Bücher will Echtzeit in diesem Jahr herausgeben?
- Ziel ist, neben den vier Büchern, die im Frühling 07 erscheinen, im Herbst noch einmal vier Bücher herauszugeben. Weit fortgeschritten ist das "Wurst-Buch", das die NZZ-Folio-Kolumnen von Andreas Heller sammelt. Die weiteren Projekte sind weit fortgeschritten, aber noch nicht spruchreif.
Die Herausgabe eines Buches ist aufwändig. Was machen Sie selber, was wird ausgelagert?
- Wir versuchen, den eigenen Aufwand möglichst klein zu halten. Im Lektorat arbeiten wir mit Journalisten zusammen, die von uns zu den üblichen Journalisten-Honorarsätzen bezahlt werden. Die Gestaltung übernimmt die Agentur Müller + Hess, die Auslieferung die AVA. Unsere Veranstaltungen organisiert die Agentur swissandfamous.
Weshalb eigentlich heisst der Verlag Echtzeit?
- Weil dieser Name gut klingt und modern ist. Jedes Kind kennt ihn aus der Game-Welt: In Echtzeit reagiert ein Spieler auf ein sich veränderndes Umfeld. Dieser Name hat auf den ersten Blick so gar nichts mit dem Buch gemein hat, ein Buch wird üblicherweise für die Ewigkeit geschrieben, doch genau das wollen wir nicht: Echtzeit bringt Bücher für das Hier und Jetzt.
-->Bücher bestellen unter http://www.echtzeit.ch. Ab Samstag, 3. Februar, kommt das Buch "Mein Abenteuer Schweiz" von Michael Schindhelm in den Verkauf. Eine erste Lesung findet am 3. Februar im Theater Basel statt, wo Schindhelm früher Direktor war.
(Interview: David Vonplon)
Die Gründer des Echtzeit-Verlags: Markus Schneider, Wendelin Hess und Beat Müller (v.l.n.r.)
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