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Herr Suter, Ihre Kolumne "Business Class" endet. Lassen Sie uns raten: Sind Ihnen nach fünfzehn Jahren die Geschichten ausgegangen?
- Nein, ich hatte noch Geschichten auf Lager und stiess auch immer wieder auf neue.
Sie wohnen derzeit in Guatemala und Spanien. Ist der Entscheid aufzuhören, nicht auch eine Folge davon, dass Sie sich von der Managerwelt zu weit entfernt haben?
- Die Menschen ändern sich ja nicht und von der Managerwelt können wir uns leider nicht so weit entfernen, dass sie uns nicht immer wieder einholt. Selbst dass ich "Business Class" aufhöre, ist die Spätfolge eines Managemententscheids.
Eines Managemententscheids?
- Ein Verlagshaus funktioniert eben gleich wie heutzutage jedes andere Unternehmen: Der CEO hat die einfache Aufgabe, im Sinne der Shareholder Zielvorgaben zu setzen, und das Kader die schwierige, diese zu erfüllen. Deshalb wollen alle Kader CEO werden. Bleiben wir in der Business-Sprache: Unter den revidierten Zielvorgaben konnte sich das Middlemanagement das Produkt nicht mehr leisten und war gezwungen, es im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Hersteller aus dem Sortiment zu nehmen.
Ihr Honorar wurde bereits im vergangenen Mai gekürzt. Sie haben damals aus Protest die Schlusspointe der Kolumne verweigert. Sind Sie für das Magazin immer noch zu teuer?
- Damit keine Missverständnisse entstehen: Dass die Kolumne eingestellt wird, ist keine direkte, sondern nur eine indirekte Folge der Honorarkürzung, sonst hätte ich nämlich schon im Mai aufgehört. Der Entscheid war der Anlass für alle Beteiligten, grundsätzlich über "Business Class" nachzudenken. Ich war einverstanden, zu den neuen Bedingungen weiterzumachen und unterschrieb einen Vertrag für weitere zehn Monate. Erst danach sollte die Kolumne aus dem Heft genommen werden. Das war ein inhaltlicher Entscheid, kein finanzieller. Gut möglich, dass sich die Kolumne abgenützt hat, als Autor kann man das nicht gut selbst beurteilen.
Sie zeichneten in der "Business Class" nicht ein eben freundliches Bild der Manager und Möchtegern-Manager: Jeder denkt zuerst an sich, die Figuren haben den Hang, sich selbst zu überschätzen. Trotzdem die Frage: Haben Sie die Figuren, die Sie in der "Business Class" beschreiben, eigentlich auch gemocht?
- Ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass die Manager (wie
übrigens die meisten Menschen) zuerst an sich denken. Der Erfolg
eines Unternehmens ist meistens nur das Abfallprodukt der
Karriereanstrengungen seiner Manager. Das gilt auch für deren
Misserfolg. Aber Sie haben recht: Ich mag meine Figuren immer auch
ein wenig.
Was hat Sie an der Managerklasse eigentlich so sehr fasziniert, dass Sie wöchentlich darüber geschrieben haben?
- Fasziniert ist etwas übertrieben. Ich habe die Managerwelt halt
während meiner Zeit in der Werbung ziemlich gut kennengelernt. Die
Manager beherrschen unser Leben noch stärker als die Politiker. Das
Thema lag also auf der Hand.
Wieviel von der Person Martin Suter steckt in den Figuren?
- Ich habe da diese Theorie: Man kann sich nicht in jemanden
hineinfühlen, aber man findet in sich alle Regungen und
Charaktereigenschaften, zumindest im Ansatz. Das heisst, in allen
meinen Figuren steckt etwas von mir. Deshalb mag ich sie vielleicht
auch.
Insgesamt haben Sie in den vergangenen 15 Jahren über 700 Kolumnen verfasst. Wie haben sich ihre Kolumnen im Verlauf der vergangenen 15 Jahren verändert?
- Ich habe das nicht systematisch untersucht. Bestimmt haben sich
parallel zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schwerpunkte
verändert, die Konjunktur spiegelt sich, das Thema "Abzocker" wurde
aktuell, auch spielen andere Technologien eine Rolle, am Anfang gab
es noch keine Handys und die Computer waren nur für die Subalternen
ein wichtiges Arbeitsinstrument.
Kommt nun eine neue Kolumne von Martin Suter? Welche Themen würden Sie interessieren?
- Das ist noch alles offen. Erst einmal geniesse ich es, nicht jede
Woche einen Abgabetermin zu haben.
Sie bleiben dem Magazin als freier Autor erhalten. Was dürfen wir Leser von Ihnen erwarten?
- Es gibt im Moment keine konkreten Projekte. Ich will damit einfach
ausdrücken, dass ich dem Magazin verbunden bleibe und mich auch in
Zukunft jede Woche darauf freue.
Sie arbeiten derzeit an einem neuen Buch. Können Sie schon verraten, worum es geht?
- Mein neuer Roman stellt, wie alle seine Vorgänger, am Anfang die
Frage: "Was wäre, wenn?" und versucht die Leser mit der Antwort in
der richtigen Mischung mal zu bestätigen, mal zu überraschen.
(Interview: David Vonplon)
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