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Am 12. Dezember 2006 erschien in SI Style eine ganzseitige Armani-Anzeige mit einem männlichen Model. Am vergangenen 23. Februar 2007 warb das gleiche Modell in der Abendzeitung "heute" und nochmals am 25. Februar in der SonntagsZeitung für Gucci. Beim Model handelt es sich um Juan Isidro Casilla, der sich fälschlicherweise als der bekannte Latino-Sänger Chayanne ausgibt.
Die Gucci-Anzeige hätte auch im Blick vom 27. Februar erscheinen sollen, wie einem Artikel über den Schwindel in der Dienstagsausgabe der Zeitung entnommen werden kann. Dort werden auch die erschienenen Fake-Anzeigen in "heute" und der SonntagsZeitung aufgeführt. Die gefälschte Werbung in der SI Style von Dezember letzten Jahres bleibt aber unerwähnt.
Dabei stellt sich gerade bei Ringier die Frage, warum man durch die gefälschte Anzeige im Lifestylemagazin bei "heute" und Blick nicht vorgewarnt war. Die interne Kommunikation scheint erst beim dritten Versuch Casillas, eine Anzeige in einem Titel des Medienhauses zu platzieren, funktioniert zu haben.
"Das kalkulierte Vorgehen des Schwindlers erschwert das Prüfen stark", erklärt Prisca Wolfensberger, Leiterin der Ringier Medienstelle, auf Anfrage von "persoenlich.com". Sein Trick sei es, kurz vor Drucklegung noch eine Anzeige zu platzieren. "Bis die Prüfung erledigt ist, ist es meistens schon zu spät, die Anzeige zurückzuziehen. Erschwerend kommt dazu, dass er immer wieder unter anderen 'Auftraggebern' auftritt."
Bei der Sonntagszeitung traf die Anzeige mit dem gefälschten Absender von Gucci am Freitagnachmittag nach dem eigentlichen Inserateschluss ein. "Es gab zu diesem Zeitpunkt jedoch keinen Grund an der Echtheit der Anzeige zu zweifeln, darum entschied man sich bei der SonntagsZeitung, die Anzeige kurzfristig noch aufzunehmen", erklärt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage von "persoenlich.com".
Den entstandenen Schaden kann Zimmer nicht genau beziffern, der Anzeigenplatz entspreche aber einem Gegenwert von fast 60'000 Franken. "Wir werden ein Vorgehen gegen den Betrüger prüfen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass ein solches Verhalten von Tamedia toleriert wird."
Betrüger bereits einmal verhaftet
Auf die Betrügereien von Casilla hat am Montag 26. Februar als erstes gay.ch aufmerksam gemacht. Bei der Zeitschrift hat es das selbsternannte Model mit gefälschten Anzeigen von Pepe Jeans und Armani versucht. Beinahe wäre es ihm auch gelungen, wie Chefredaktor Louis Pestana in der Online-Ausgabe von gay.ch schreibt und gegenüber "persoenlich.com" bestätigt.
Ende 2006 erreichte gay.ch eine Email von Pepe Jeans London. Juan Isidro Casilla hatte die Mail mit dem Absender pepejeans.com verschickt. Ein paar Tage später erreichte gay.ch eine Armani Anzeige. Auf der Anzeige ist wieder Juan Isidro Casilla zu sehen.
Mit der Armani Anzeige wurde ein Lebenslauf von Juan Isidro Casilla, alias Chayenne verschickt -- scheinbar ganz offiziell von der Plattenfirma Sony BMG, Abteilung "Latin USA". Darin stand nicht nur, dass Casilla ein Model ist, sondern auch die Bestätigung, dass es sich bei ihm wirklich um Sänger Chayanne handelt.
gay.ch wollte über den vermeintlichen Latino-Star berichten und lud in dafür zu sich in die Büros ein. Casilla erzählte von Auftritten mit Jennifer Lopez, Britney Spears und Justin Timberlake. Alles gelogen, wie sich nach Rücksprache mit Sony BMG, bei der der echte Chayenne unter Vertrag steht, ergab. Die Plattenfirma versucht schon längere Zeit gegen den Betrüger vorzugehen -- bisher erfolglos.
Casilla wurde von gay.ch nochmals zu sich gelockt, wo der falsche Chayanne von der Polizei verhaftet wurde. Allerdings ist er heute wieder auf freiem Fuss und treibt, wie die Anzeigen in SI Style, "heute" und der SonntagsZeitung beweisen, weiter sein Unwesen.
Der echte Latino-Sänger Chayanne.
(Bericht: Stefan Wyss)
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