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Herr Wanner, die drei überregionalen Sonntagsblätter beherrschen den Sonntagmarkt -- sie haben die Themenführerschaft und dominieren den Werbemarkt. Hat es da noch Platz für die MZ?
- Davon sind wir überzeugt, ja. Wobei wir nicht eine eigenständige Sonntagszeitung lancieren, sondern eine siebte Ausgabe der MZ. Damit kann das Blatt bereits im September in einer gesicherten Auflage von 200'000 Exemplaren erscheinen -- und hat danach noch Steigerungspotenzial.
Muss eine Sonntagsausgabe nicht national ausgerichtet sein, um im Anzeigenmarkt erfolgreich zu sein?
- Gewiss sind wir dank der regionalen Verankerung vor allem in der Region Mittelland/Nordwestschweiz vertreten. Für Leser, welche ausserhalb unserer Stammgebiete wohnen, wird die Zustellung am Sonntag schwierig sein. Aber an Kiosken und an Autobahnraststätten der übrigen Schweiz wird die MZ-Sonntagsausgabe auch erhältlich sein.
Worin wird sich das Blatt inhaltlich von den drei grossen Sonntagsblättern unterscheiden?
- Im Gegensatz zu den überregionalen Sonntagsblättern beinhaltet die MZ einen Regionalbund -- und dies bei allen unseren Partnerzeitungen. Ansonsten werden wir nicht ganz so umfangreich sein wie die SonntagsZeitung und die NZZamSonntag. Dessen ungeachtet planen wir, in den wichtigen überregionalen Ressorts qualitativ mit der Konkurrenz mithalten zu können. Wir bilden deshalb einen Redaktionskern, der nur für die Sonntagsausgabe arbeitet.
Wieviele Mitarbeiter zählt dieser Kern?
- Zwischen 12 und 15 Personen. Dazu werden einige Regionalressorts verstärkt. Insgesamt werden 20 bis 25 Redaktionsstellen geschaffen.
Sie haben einen SonntagsBlick-Mann als Chefredaktor engagiert. Soll die AZ am Sonntag boulevardlastiger sein als unter der Woche?
- Nein. Patrick Müller schrieb in seiner Laufbahn auch schon für die SonntagsZeitung und für uns. Wir kennen ihn also gut -- er ist ein sehr gut ausgebildeter, vielseitiger Journalist und für uns der ideale Mann für dieses Projekt.
Am MZ-Verbund sind fünf Partnerverlage beteiligt, es gibt eine Wochen- und eine Sonntagsredaktion. Ist diese Konstellation nicht zu kompliziert, um eine gute Sonntagsausgabe zu produzieren?
- Natürlich sind die Prozesse komplex, aber wir haben bereits viel Erfahrung gesammelt. Was unter der Woche funktioniert, sollte auch am Sonntag gut herauskommen.
Auch in Basel erwägt man die Option Sonntagsausgabe. Rechnen Sie mit dem Szenario, dass auch die Basler Zeitung eine siebte Ausgabe lanciert?
- Da müssen Sie schon BaZ-Verleger Matthias Hagemann fragen. Wir könnten uns allerdings in verschiedenen Gebieten eine Zusammenarbeit mit Herrn Hagemann vorstellen.
Haben Sie bereits entsprechende Signale aus Basel empfangen?
- Nein.
Die Beziehungen zwischen Basel und Aarau haben sich stark abgekühlt, seit die AZ in den Raum Basel vorgestossen ist. Auf welcher Grundlage soll da eine Kooperation stattfinden?
- Die Stimmung hat sich ein wenig verbessert. Aber sie ist in der Tat noch nicht so gut, dass wir ein gemeinsames Projekt in Angriff nehmen können.
Wird die Sonntagsausgabe allein rasch Gewinn bringen müssen? Oder starten Sie diese, um der MZ mehr Renommee zu verschaffen?
- Wir glauben, dass der Lesermarkt auf die Sonntagsausgabe der MZ wartet. Denn der Sonntag wird immer mehr zum Lesetag, während dazu unter der Woche da und dort die Zeit fehlt. Diese Entwicklung, die sich noch verstärken wird, hat die Werbung bereits antizipiert. Deshalb müssen wir dabei sein, wenn wir nicht zuschauen wollen, wie die Entwicklung an uns vorbeigeht.
Und dafür nehmen Sie auch das Risiko in Kauf, mit der Sonntagsausgabe einstweilen Verluste zu schreiben?
- Wir haben seriös gerechnet. Die Lancierung einer eigenständigen Sonntagszeitung wäre sehr kühn, weshalb wir davon absehen. Auch mit einer Gratiszeitung würde wir kaum schwarze Zahlen schreiben können. Allein das Modell mit der siebten Ausgabe rechnet sich und lässt sich verantworten.
Abschlussfrage: Sie waren in den vergangenen Jahren vom Erfolg verwöhnt und konnten das Stammgebiet der MZ stetig ausbauen. Was gibt Ihnen die Sicherheit, dass auch die Sonntagsausgabe nicht scheitern wird?
- Die Erfolge der vergangenen Jahre sind mir noch nicht in den Kopf gestiegen (lacht).
Natürlich besteht aber immer die Gefahr eines Rückschlags. Bei der Lancierung der Sonntagsausgabe aber bin ich felsenfest vom Erfolg überzeugt. Schliesslich trage ich diesen Traum schon seit langer Zeit in mir und habe das Projekt auf Herz und Nieren geprüft. Ich musste lange auf den richtigen Zeitpunkt warten, nun aber ist der Sonntag für mich gesetzt. Eher gebe ich sonst einen Wochentag auf als den Sonntag.
(Interview: David Vonplon)
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