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Herr Zimmermann, Sie nennen die Verleger in Ihrer aktuellen Weltwoche-Kolumne "korrupte Schmiergeldjäger", die "für ein paar lächerliche Millionen ihre Seele verkaufen" würden. Wie viele E-Mails von verärgerten Verlegern haben sich in Ihrer Mailbox bereits angestaut?
- Noch nicht allzu viele. Eine interessantes Telefon habe ich von einer sehr bekannten Schweizer Verlegerpersönlichkeit erhalten. Er sagte mir, er sei hundertprozentig mit meiner Einschätzung einverstanden. Leider aber könne er dies nicht öffentlich sagen.
Sie führen selbst eine Agentur für Medienberatung. Hätten Sie den Verlegerradios nicht auch geraten, mit der publisuisse gemeinsame Sache zu machen?
- Es gilt zu unterscheiden: Als Finanzberater, von einem rein kommerziellen Standpunkt aus gesehen, hätte ich den Verlegern auch geraten, die publisuisse als Vermarktungspartner zu wählen. Denn sie bietet tatsächlich die besten Konditionen. Als Strategieberater jedoch hätte ich ihnen geraten, von einer Partnerschaft mit der SRG-Tochter abzusehen. Es ist einfach unmöglich für die Verleger, sich ins Bett mit dem Feind zu legen.
Der Printpresse geht es schlecht. Ist es da nicht legitim, dass man alte Feindschaften zu Gunsten von kommerziellen Vorteilen hintan stellt?
- Die Verleger haben von den Bauern eines in brillanter Art und Weise gelernt: das Jammern. Denn der Branche geht es derzeit glänzend, die Verlagshäuser schreiben Rekordgewinne. Die Frage ist nicht, ob die Verleger jedem Rappen hinterher jagen sollen, sondern vielmehr wer der Hauptgegner im Markt der Printverleger ist. Meiner Auffassung nach ist dies die SRG. Unternehmerisch betrachtet müsste man gegen diesen sehr starken und politisch geförderten Gegner Front machen -- und ihn nicht die eigenen Geschäfte führen lassen.
Die Verleger sind Ihrer Ansicht nach also nicht nur Kleinkrämer, sondern auch schlechte Unternehmer?
- Es gibt in der Schweiz eine ausserordentlich überraschende Nähe des staatlichen Senders mit den privaten Verlegern. In keinem anderen Land herrscht eine vergleichbare Situation. Stellen Sie sich einmal vor, die ARD würde Geld an Springer oder Burda bezahlen. Das ist doch unvorstellbar, in der Schweiz aber Realität. Langfristig werden die Verleger unterliegen, da sie sich von der SRG in jeder Beziehung überrollen lassen.
Woher kommt diese Nähe zum Staat?
- Die Mentalität, die Pressepolitik ähnlich zu behandeln wie die Landwirtschaftspolitik, wurde unter Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument viel stärker akzentuiert als noch unter seinem Vorgänger Hans-Heinrich Coninx. Neuerdings wurden die Schweizer Verleger sehr talentierte Subventionsjäger. Auf der anderen Seite wurden sie auch durch die bizarren Verhältnisse in der Medienlandschaft zu dieser Rolle gezwungen, indem die Politik verlegerfeindlich und SRG-hörig agiert.
Entspricht die Subventionshascherei nicht einfach einem ökonomisches Kalkül, das eigentlich in jeder Branche vorherrschend ist?
- Die Verleger können meinetwegen Subventionen einstreichen, soviel sie wollen. Nur müssen sie dann folgerichtig ihre eigene Rolle kennen und nicht gleichzeitig, wie Hanspeter Lebrument an der letzten Dreikönigstagung, vor der Übermacht des Staates warnen. Wer Geld vom Staat bezieht, darf sich nicht wundern, wenn dieser auch Einfluss nimmt. Genau dies tut der Staat. So hat er den Privatverlegern ein Wachstumsverbot verordnet. Im neuen RTVG etwa steht, dass kein Medienhaus mehr als zwei Radios besitzen darf. Das ist Planwirtschaft pur. All dies haben die Verleger akzeptiert, weil sie auf der anderen Seite die hohle Hand machen. Das ist meines Erachtens eher skandalös.
Wie weit geht diese Kooperation mittlerweile?
- Die Verleger können inzwischen sowohl im Regionalfernsehen als auch -Radio auf den Staat als Instanz vertrauen, der ihre roten Zahlen in schwarze verwandelt. Natürlich wird der Staat nicht Einfluss aufs Programm der Sender nehmen, das würde er nie tun. Aber er hat mittlerweile eine sehr enge und regulatorische Medienordnung geschaffen, die ihm entgegen kommt. Die SRG ist ein Spinnennetz, in dem sich die Verleger fangen lassen.
Wie könnten die Verleger der Fuchtel des Staates noch entkommen?
- Die Printverleger sind in einer Engpasssituation. Es vermutet niemand, dass das Zeitungsgeschäft in Zukunft wachsen wird. Die Verleger können nur hoffen, dass der Rückgang möglichst schwach ausfällt. Dort wo Potenzial vorhanden ist -- in den elektronischen Medien -- und dort wo es Potenzial in der Verknüpfung mit multimedialen Auftritten gibt, ist die SRG am stärkeren Hebel. Das ist das Bedauerliche an der heutigen Situation. Die SRG hat sich in hohem Masse das Zukunftsgeschäft gesichert. Die Verleger haben gewisse Vorteile im Geschäft der Vergangenheit herausgeholt. Nicht sehr clever.
Das sind düstere Aussichten…
- Man muss die Verleger auch verstehen. Auch für sie gilt der alte amerikanische Merksatz "If you can’t beat them, join them." Es ist klar, dass die Verleger die SRG im wichtigsten nationalen Medienmarkt der Schweiz nicht schlagen können. Ich verstehe in einem gewissen Sinne auch, dass die Verleger ein gewisses Anlehnungsbedürfnis haben. Ich teile dies aus einer unternehmerischen Haltung heraus nicht. Aber ich habe leicht reden, denn ich bin nicht Besitzer eines grossen Verlagshauses.
Sie selber waren Mitglied der Tamedia-Konzernleitung, ihre Frau Uli Rubner ist dies heute. Zählen Sie das Zürcher Medienhaus eigentlich auch zur Kategorie "Schmiergeldjäger"?
- Man darf natürlich den Artikel auch nicht auf die Goldwaage legen. Er ist deklariert als eine Polemik. Aber die Tamedia gehört sicherlich auch in diese Reihe. Auch wenn sie immer auch einen relativ liberalen Ansatz vertreten hat.
Bei der Vergabe des Swiss Radio Pools an die publisuisse war die Tamedia federführend. Und TeleZüri will auch an den Gebührentopf.
- Der liberale Ansatz mag mittlerweile ein wenig eingebrochen sein. Aber man muss Tamedia -- wenn wir eine Unterscheidung zwischen den Guten und den Bösen anstellen -- zu den Guten setzen. Auch wenn es ein paar Bündner geben mag, die dies wohl anders sehen… (lacht)
Und in welche Kategorie gehört Weltwoche-Verleger Roger Köppel?
- Köppel ist noch ein Jungverleger. Es ist deshalb schwierig, eine Kategorisierung vorzunehmen. Ich nehme aber auch nicht an, dass Köppel freiwillig auf die dank Subventionen reduzierte Mehrwertsteuer verzichtet, die im Verlagswesen üblich ist. (lacht)
(Interview: David Vonplon)
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