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Nicolas Berg, Sie haben in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen auf Xing eine Investoren-Community eingerichtet. Welche Absicht steckt dahinter?
- Die Produzenten der Sendung, Kurt Schaad und Alexander Mazzara, haben vor einem Jahr mit der Start up-Szene Kontakt aufgenommen, zu der auch wir gehören. Wir haben dann überlegt, welche Rolle wir für die Sendung "Start up" spielen können. Sei dies über unseren Start-up-Fonds Redalpine als möglicher Investor, sei das als Plattform, die weitere Investoren an den Tisch bringt. Ich bin aus Faulheit immer auf Effizienz bedacht, darum habe ich vorgeschlagen, bei Xing ein eigenes "Start up"-Forum zu gründen. Diese Premium-Gruppe bietet ein Forum für alle, die sich als Gründer, Forscher, Unternehmer, Supporter oder Investoren professionell für Schweizer Start-ups interessieren.
Wie gross ist die von Ihnen betitelte Start up-Szene?
- Wir sprechen da von einem Minderheitenprogramm. Es gibt in der Schweiz cirka 160'000 Millionäre, aber nur knapp 500 davon betätigen sich regelmässig als Direktinvestoren für junge, international ambitionierte Start-ups.. Das ist schade. Im institutionellen Bereich sieht es noch schlimmer aus. Pensionskassen etwa investieren viel weniger in Frühphasen-Venture-Fonds als im angelsächsischen Raum, auch weil es hierzulande kaum mehr Fonds gibt, die aktiv in Start-ups investieren.
Glauben Sie, dass die Sendung "Start up" an der Situation etwas ändern wird?
- Ich bin begeistert, dass das Thema vom Fernsehen in dieser Form aufgegriffen wird. Was das Schweizer Fernsehen an Recherchekapazität investiert hat ist enorm. Die Vorbereitungen laufen seit einem Jahr mit grossem Aufwand. Die Sendung ist wirklich keine Billig-Produktion. Als Teil der Start up-Szene kann mir die mediale Thematisierung nur helfen. Je mehr Personen wissen, dass es in der Schweiz möglich ist, ein Unternehmen zu gründen oder als Investor erfolgreich zu sein -- natürlich in beiden Fällen nicht ohne ein gewisses Risiko -- desto besser. Vielleicht können wir so den Rückstand gegenüber angelsächsischen oder skandinavischen Ländern aufholen, bevor wir in diesem Bereich aus der Hitliste verschwinden.
Will das Schweizer Fernsehen über Xing wirklich Investoren finden oder geht es mehr um den Werbeeffekt für die Sendung?
- Bei Xing Schweiz ist noch nie eine Gruppe so schnell gewachsen. Zurzeit hat die Gruppe 900 Mitglieder. Jeden Tag haben wir zwei Dutzend Anfragen für Beitritte. Wir glauben, dass mit diesem Forum ein ernsthafter Treffpunkt für die Start up-Szene geschaffen werden kann. Das Forum ist aber sicher auch als Werbung fürs Schweizer Fernsehen und die Sendung gedacht.
Eigentliche Werbemöglichkeiten auf Xing gibt es nicht. Wird das so bleiben?
- Das Business-Modell von Xing sieht vor, die Einnahmen über die Premium-Mitgliedschaft zu generieren. Es ist die Philosophie der Gründer, auf Werbung zu verzichten. Man muss sich aber schon darüber im Klaren sein, dass bei Xing sehr wertvolle Werbeflächen brach liegen und auf potenzielle Einnahmen in Millionenhöhe verzichtet wird. Vielleicht wird der Gründer-Geist dieser Erkenntnis einmal weichen. Mich würde es nicht stören, Online-Kampagnen bei Xing zu integrieren. Mit Werbung ist aber auch Vorsicht geboten, weil die Kommerzialisierung User vertreiben kann. So kann bei Xing jeder User unerwünschte Kontaktversuche mit einem Klick für immer abblocken. Auch die Zentrale in Hamburg geht rigoros gegen Spam-Versuche vor.
Wie beurteilen Sie als Investor eigentlich die Geschäftsideen der Jungunternehmer von "Start up"?
- Ich habe nicht alle 938 eingereichten Ideen gesehen, nur die besten 80. Sieben von zehn Projekten waren mir schon bekannt, da ich mich als Investor und venturelab Trainer selber in der Szene bewege und jeweils früh mit neuen Geschäftsmodellen konfrontiert werde. Pro Jahr werden mir etwa 1000 Business-Ideen angeboten, die Hälfte davon aus der Schweiz. Zudem schaue ich mich natürlich auch aktiv nach Projekten um. Das jetzt bei SF in einer viel kürzeren Zeit fast 1000 Projekte eingereicht wurden, zeigt mir, dass es doch noch eine unbekannte Menge an Businessideen gibt, die in der Szene nicht bekannt sind. Die Qualität der Vorschläge hat mich überrascht. Wer heute blind in die 40 besten Ideen Geld investieren würde, könnte in zehn Jahren durchaus eine positive Rendite einfahren.
Werden die Jungunternehmer durch die TV-Präsenz leichter an Investoren herankommen?
- Die TV-Präsenz schafft keine Neutralität. Weiss jemand, dass er beobachtet wird, verhält er sich anders. Die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit zu stehen, wird einige Investoren stimulieren, weil sie gerne im Vordergrund stehen. Andere wiederum schreckt das Rampenlicht ab, weil sie um Diskretion bemüht sind. Vor- und Nachteile dürften sich also die Waage halten.
Besteht für die Jungunternehmer die Gefahr, dass ihre Ideen kopiert werden, weil sie diese öffentlich präsentieren?
- Es ist ein grosser Irrtum zu glauben, dass eine Idee gestohlen wird, sobald jemand davon hört. Das habe ich noch nie erlebt. Bei etwas Bewährtem, das auf dem Markt schon präsent und erfolgreich ist, gibt es natürlich Nachahmer. Eine Idee, die noch nie realisiert wurde, ist schwer zu kopieren, weil das Know-how gar nicht vorhanden sein kann. Trotzdem hat es bei "Start up" aber gerade im Bereich der Wissenschaft wenig Einreichungen gegeben. Viele wollen nicht an die Öffentlichkeit gehen, bevor nicht alle Aspekte der Idee patentiert sind. Einige Jungunternehmer befürchteten auch, ihre Ideen seien zu komplex und darum nicht über das Fernsehen vermittelbar.
Zurück zu Xing: Welche Rolle spielt Ihre Networking-Plattform heute als Stellenmarkt?
- Bei Headhuntern und Personalchefs ist die Suche nach Mitarbeitern über Xing beliebt. Sie können über Xing geeignete Kandidaten sehr gut ansprechen oder Referenzen einholen. Sie können davon ausgehen, dass ein Profi, der sie über Xing für einen Job anspricht, schon mindestens drei Referenzen eingeholt hat. Die meisten Leute geniessen es auch, wenn sie von Headhuntern angesprochen werden, auch wenn sie gar nicht wechseln wollen.
Kann ich mir mit meiner Teilnahme bei Xing oder ähnlichen Communities nicht auch schaden?
- Auf Online-Plattformen sind wir heute soweit, das Teenager ihre Bauchnäbel, Singles ihre sexuellen Vorlieben und Geschäftsleute ihre Lebensläufe zeigen. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Lust zum Selbstmarketing. Und scheinbar ist bei einigen die Lust auf Selbstdarstellung grösser als die Angst vor allfälligem Schaden. Es liegt aber in der Selbstverantwortung jedes einzelnen, wieviel er von sich preisgeben will. Es wird niemand dazu gezwungen.
(Interview: Stefan Wyss)
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