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Herr Trüb, "Cash wird es in einem Jahr sicher noch geben", sagten Sie im "persönlich"-Interview im vergangenen November. Nun stellen Sie die Wirtschaftszeitung trotzdem ein. Weshalb?
- Wir hatten gehofft, dass Cash mit der Lancierung von Cash daily Aufwind erhält. Das hat sich als Irrtum herausgestellt. Während wir im Lesermarkt gut aufgestellt waren, hat sich der Rückgang im Anzeigenmarkt fortgesetzt -- was dann den Ausschlag für unsere Absichtserklärung gab, Cash einzustellen. Endgültig entschieden ist aber noch nichts.
Weshalb gelang es nicht, die gute Stellung im Lesermarkt auf das Anzeigengeschäft zu übertragen?
- Im Gegensatz zu anderen Titeln wie die Handelszeitung und die Finanz und Wirtschaft wurden wir zu den Reichweitentiteln gezählt und nicht zu den Special Interest-Titeln. Wir mussten deshalb gegen die Sonntagszeitungen und Facts etc. antreten. Im Wettbewerb mit diesen Medien waren wir aufgrund der kleineren Reichweite chancenlos.
Hat die Lancierung von Cash daily die Wochenzeitung gar noch geschwächt?
- Nein, das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Cash ist vielmehr auch den langfristigen Trends im Printgeschäft zum Opfer gefallen: Die Leserzahlen- und das Anzeigenvolumen entwickelten sich in der Vergangenheit rückläufig, in den Wirtschafts- und Finanzmedien holt sich das Publikum ihre Informationen immer mehr in den Online-Medien ab. Für uns war stets klar, dass wir den Rhythmus vor allem in diesen Medien erhöhen müssen -- unabhängig von der Entwicklung des Wochentitels.
Was passiert nun mit den Mitarbeitern von Cash?
- Stellen wir Cash tatsächlich ein, werden wir eine Vielzahl von Stellen anbieten können. Angesichts des ausgetrockneten Arbeitsmarktes mache ich mir über die Zukunft der Cash-Angestellten jedenfalls keine grossen Sorgen. Falls es zu Härtefällen kommt, bestehen die nötigen Auffangnetze und Sozialpläne. Ich gehe aber davon aus, dass alle Mitarbeiter eine Beschäftigung finden werden.
Ringier teilte am Donnerstag reichlich euphemistisch mit, die Cash Gruppe setze nun auf den digitalen Wachstumsmarkt, die Einstellung von Cash wurde bloss in einem Nebensatz erwähnt. Folgen diesen Lippenbekenntnissen auch Taten?
- Ganz sicher. Wir werden die Multimedia-Plattform massiv ausbauen.
Wo setzen Sie an?
- Erste Priorität hat die Entwicklung der Website. Zweite Priorität ist, die starken Elemente der Wochenzeitung Cash zu Cash daily zu transferieren. Allein damit wird unser digitales Angebot erheblich gestärkt.
Der Ausbau des TV-Angebots ist offensichtlich unwichtig.
- Es fehlt uns immer noch ein guter Sendeplatz. Wir haben trotzdem begonnen, auf tiefem Niveau ein Web-TV zu produzieren und liefern täglich 7-8 Minuten-Beiträge. Wir wollen dieses Angebot Schritt für Schritt ausbauen.
Wo steht Cash daily denn heute?
- Die anfänglichen Probleme in der Distribution haben wir mittlerweile im Griff. Ende Juni werden wir voraussichtlich gut 100'000 Exemplare verteilen. Mit dieser Reichweite sind wir zufrieden -- mehr wollen wir einstweilen nicht. Zugleich nutzen zwischen 27'000 bis 30'000 registrierte Nutzer unser Livepaper. Bei ca. 1.5 Leser pro Exemplar werden wir bereits bei über 150'000 Leserinnen und Leser landen. Mit dieser Reichweite können wir im Anzeigenmarkt der Finanzmedien eine wichtige Rolle spielen.
Hat Cash daily die Akzeptanz im Anzeigenmarkt schon gefunden?
- Nein, das noch nicht. Eine hohe Akzeptanz erreichen wir bereits heute in der Finanzwelt. Wie andere neue Titel auch machen wir aber die Erfahrung, dass wir -- solange wir keine Reichweiten ausweisen -- nicht eben mit Anzeigen überschüttet werden. Sobald wir die Leserzahlen erhalten, wird es sicher einfacher für uns.
Abschlussfrage: Hat Ringier mit Cash eigentlich je Geld verdient?
- Ja. Bis ins Jahr 2000 schrieb der Titel schwarze Zahlen. In den vergangenen fünf Jahren war dies zugegebenermassen nicht mehr so.
(Interview: David Vonplon)
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