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Herr Pillard, weshalb beschränken Sie Ihre Tätigkeit als Geschäftsführer von Ringier Schweiz auf ein Jahr?
- Bevor ich zusagte, habe ich Ringier-CEO Martin Werfeli diese Bedingung gestellt. Ich kann für Ringier nicht der Manager der Zukunft sein: Ich bin in erster Linie Journalist, auch wenn ich einige Management-Erfahrungen aufweisen kann. In der herrschenden schwierigen Situation von Ringier helfe ich aber gerne aus. Das Unternehmen hat mir in den vergangenen 22 Jahren viel gegeben, da konnte ich fast nicht Nein sagen.
Ringier ist in einer schwierigen Situation?
- Wenn ein Medienhaus auf einen Schlag seinen Geschäftsführer feuert und noch dazu den Leiter Zeitungen absetzt ist das schon ein Problem. Thomas Landolt und Patrick Vogt hinterlassen eine grosse Lücke. Es ist für den Verlag schwierig, rasch die geeigneten Personen in der Geschäftsleitung zu finden.
Ihr Vorgänger war ein Unternehmensberater, Sie sind von Haus aus ein Journalist. Ist damit die "Hegemonie der Erbsenzähler" bei Ringier vorbei?
- Es ist sicherlich ein Signal, dass die publizistischen Belange wieder stärker gewichtet werden sollen. Als Geschäftsführer möchte ich jedoch vermeiden, dass es zu einer Schlacht zwischen Journalisten und Beratern kommt. Wichtig ist, dass sich beide Seiten ergänzen. Ich werde eng mit Patrick Vogt zusammenarbeiten, der Kompetenzen besitzt, die ich nicht habe. Vogt kennt die Zahlen und kann sie analysieren. Wie allerdings unsere Produkte aussehen sollen, müssen wir Journalisten entscheiden.
Kamen die publizistischen Belange in der Vergangenheit zu kurz?
- Ich war nun sechs Monate an den Geschäftsleitungssitzungen dabei und wir haben kaum einmal über Inhalte gesprochen. Das ist schade.
Ringier agiert im Schweizer Markt seit längerem ziemlich erfolglos. Welches sind Ihres Erachtens die grössten Baustellen?
- Ganz sicher das Projekt Blick 2010. Damit hängt auch die Entwicklung der Abendzeitung "heute" zusammen, da die beiden Titel in einem komplementären Verhältnis zueinander stehen. Eine weiter Baustelle sind sicherlich die Online-Medien. Auch diese haben viel mit dem Blick zu tun: Es ist nicht möglich, sich über die Zukunft vom Blick Gedanken zu machen, ohne sich auch mit der Online-Strategie auseinanderzusetzen.
Der Blick kommt durch die Lancierung neuer Gratiszeitungen weiter unter Druck. Wie soll der Blick zu alter Stärke zurückfinden?
- Er muss mehr leisten als gegenwärtig. Er muss besser, interessanter und nützlicher sein als die Gratiszeitung. Dies zu erreichen ist aber eine äusserst schwierige Angelegenheit. Wir sehen dies auch in der Westschweiz. Peter Rothenbühler ist ein hervorragender Blattmacher, trotzdem leidet Le Matin unter 20 Minutes.
Wie sieht der Blick der Zukunft aus?
- Er muss sich stark wandeln. Er muss viel kreativer, nützicher, überraschender werden. Wichtig bleibt der Sport, im Print wie in den Online-Medien. Schliesslich ist er ein grosser Mehrwert des Blicks. Die Gratiszeitungen werden ihm diesbezüglich nie das Wasser reichen können. Deshalb wird er auch im Blick der Zukunft einen zentralen Teil ausmachen.
Und weiter: Sind radikale Änderungen geplant?
- Wir dürfen nicht den Fehler begehen, alles auf den Kopf zu stellen. Der Blick ist der Blick und nicht "heute" und nicht 20 Minuten. Deshalb dürfen wir die bisherige Leserschaft nicht vergessen. Diese ist auch heute noch gross genug, um dem Verlag Gewinne zu bescheren. Natürlich aber muss der Blick seine Leserschaft erweitern. Er muss urbaner werden, denn fast alle Schweizer leben mittlerweile in urbanen Gebieten. Wir wollen aber nicht über die Clubbing-Szene berichten, sondern über die Themen Wohnen, Arbeit und Mobilität. Wichtig sind auch die beiden Wörter "jung" und "weiblich". Zu einer Hype-Zeitung für coole Städter wird der Blick aber nie: das ist die Rolle von "heute".
Müsste der Blick künftig nicht wieder mehr die Zähne zeigen und weg kommen vom Konzept eines sozial angehauchten Boulevards?
- Nein. Wir können in der Schweiz nicht den Boulevardjournalismus machen wie in Osteuropa. Damit kann die junge Generation hierzulande nicht mehr viel anfangen. Die Zeit der Machozeitung mit dem Seite 3-Girl ist definitiv vorbei. Das ändert aber nichts daran, dass der Blick eine Boulevardzeitung bleibt, die aggressiv sein, überraschen und provozieren soll, ohne dabei jedoch seine Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Sowohl der Blick als auch die Schweizer Illustrierte werden seit Monaten durch einen interimistischen Chefredaktoren geleitet, zugleich scheint die Konzeptionsphase für einen neuen Blick kein Ende zu nehmen. Weshalb dauert das alles so lange?
- Wir haben in der Tat viel Zeit verloren. So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Es ist höchste Zeit, endlich Klarheit zu schaffen, was die Besetzung der Chefredaktoren betrifft. Denn es ist unbestritten, dass der herrschende Zustand negative Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter hat. Glauben Sie mir, ich setze viel Druck auf, damit endlich eine Entscheidung fällt. Das letzte Wort hat aber der Verleger.
Wann kommt der neue Blick?
- Ich schätze um Weihnachten herum, möglich ist auch, dass es Januar wird. Unser nächster Fixpunkt ist jedoch der September, da dann die Werbeindustrie über das Budget des kommenden Jahres entscheidet. Dann alleine zu sagen; "Ja, wir arbeiten an einem neuen Blick", reicht nicht. Wir müssen wenigstens erklären können, welche Mannschaft hinter dem Blatt steht, wer der Chefredaktor ist, und wie der neue Blick aussehen wird. Sonst sind wir in grossen Schwierigkeiten.
Ringier hat die TV-Zeitschriften an Springer verkauft. Wie wahrscheinlich ist es, dass weitere Titel verkauft werden?
- Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Ich habe zwar erfolgreich dafür gekämpft, dass Ringier Romandie die Fernsehzeitschrift TV8 behält. Generell hat Ringier aber sehr schlechte Erfahrungen mit den Programmzeitschriften gemacht. Erinnern Sie sich nur an die beiden Hahn-Brüder! Das war ekelhaft. Diese Erfahrung hat die Entscheidung Ringiers zu verkaufen sicher beschleunigt. Hinzu kommt die Marktentwicklung: Die TV-Zeitschriften besitzen heute noch einen Wert, ob dies auch in Zukunft so bleibt, ist höchst ungewiss. Es geht Ringier also nicht darum, seinen Familienschmuck zu veräussern.
Gerüchte, wonach Ringier seinen Verlag nach und nach an Springer verkaufen wird, halten sich hartnäckig. Was ist dran an diesen Spekulationen?
- In Gesprächen mit Michael Ringier spüre ich stets heraus, dass er immer noch voller Ideen und Projekte steckt. Er ist stolz auf seinen Verlag und will auch in der Schweiz noch einmal punkten.
(Interview: David Vonplon)
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[16.07.2007 - 8.25 Uhr]
Hahn, R.
Sehr geehrter Herr Pillard
Der Text zur vorletzten Frage ist leicht missverständlich. Sollten Sie tatsächlich meinen, dass ich "ekelhaft" bin, ist dies in diesem Zusammenhang ein Fall für meinen Rechtsanwalt.
Sollten Sie jedoch gemeint haben, dass ich es in nur fünf
Jahren geschafft habe (mit TVvier, ohne fremde Mittel wie Banken...) einen grossen Medienkonzern zum Wanken
gebracht zu haben - auch wenn dies nie mein Ziel war - ist dies sicherlich ein Kompliment.
Sachlich gesehen dachte ich bisher immer wir hätten ein
faires und für beide Seiten gutes Geschäft gemacht, Herr Werfeli hatte dies auch des öfteren bestätigt. Nur wenn
man sich ein wenig in der Branche umhört, tönt es ein
wenig anders, das find ich Schade.
Ich hätte gerne mit ihnen zusammen gearbeitet, wäre
vielleicht nicht die schlechteste Lösung gewesen.
Wenn es Ihre kostbare Zeit zulässt, geben Sie doch
bei Gelegenheit hierzu ein Feedback.
MfG, R. Hahn
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