|
Verleger Michael Ringier erteilt Spekulationen über einen allfälligen Verkauf des Unternehmens an Springer eine Absage: "Springer ist viel zu gross für eine Partnerschaft", erklärt der 58-Jährige in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Er verstehe, dass Springer Ringier gern übernehmen würde, dies komme aber nicht in Frage. "Solange Unabhängigkeit ein Vorteil ist, möchte ich die auch behalten."
Ringier ist einer Partnerschaft mit einem anderen Medienhaus jedoch nicht grundsätzlich abgeneigt: "Ich habe immer gesagt, ich bin lieber mit 50 Prozent an etwas Erfolgreichem beteiligt, als dass ich etwas zu 100 Prozent mitschleppe." Hätte er allerdings im Jahr 2002 einer Fusion mit Springer zugestimmt, wäre er nur Aufsichtsrat gewesen und hätte einmal im Jahr mit einem Chefredaktor essen dürfen; "der hätte nett zugehört und dann doch gemacht, was er für richtig hält." Dies sei nicht seine Vorstellung von einem Verleger.
Der Eindruck, dass er mit der Einstellung der Wirtschaftszeitung Cash und dem Verkauf fast aller TV-Zeitschriften, die Braut hübsch für einen Verkauf mache, ist laut Ringier falsch. "Wir haben Cash eingestellt, weil wir keine Chance mehr gesehen haben." Der Konzern habe insgesamt über 30 Millionen Franken reingesteckt -- und das in der Hochkonjunktur. Die Schweiz sei ein kleiner Markt, da sei die Refinanzierung von Journalismus schwierig.
Zum Engagement von Ex-Kanzler Gerhard Schröder äussert sich Ringier nur widerwillig. "Ich habe irgendwann beschlossen, darüber eigentlich nicht mehr reden zu wollen." Ob sich die Investition Schröder gelohnt hat, lässt er offen; er rechne nicht , was dieser als Türöffner gebracht habe. Ein bisschen mehr als Zigarren rauchen tue Schröder in seinem Büro jedoch schon. "Wir waren etwa gerade zehn Tage in Vietnam und China."
Ringier kann sich durchaus vorstellen, in Deutschland einen neuen Titel zu lancieren -- allerdings erst wenn Cicero und das Kunstblatt Monopol profitabel sind. Eine Gratiszeitung in Deutschland zu starten, würde Ringier nicht wagen: "Das hätte man viel früher machen müssen" Die Verteidigungsbereitschaft der deutschen Verlage sei derzeit auf dem absoluten Maximum. An dieser Schlacht möchte sich der Schweizer Verleger nicht beteiligen.
|