|
Herr Wälty, ab März sind Sie der Chef des neuen News-Verbunds. Können Sie damit leben, dass 20 Minuten ab dann zu Ihren härtesten Konkurrenten gehören wird?
- Ja. Es geht für mich nun darum, ein Online-Netzwerk aufzubauen -- von der Konkurrenz wird vorerst einmal kaum die Rede sein. Meine Aufgabe wird vielmehr darin bestehen, die einzelnen Regionaltitel in das zentrale Netzwerk zu integrieren. Ob sich die Sache in Richtung einer frontalen Konkurrenz zu "20 Minuten" bewegt, kann ich derzeit nicht abschätzen.
Welches werden Ihre ersten Schritte sein?
- Erst einmal werde ich mit den Betreibern der Stammblätter intensive Diskussionen führen müssen. Denn noch kenne ich deren Vorstellungen nicht, was den Online-Auftritt betrifft. In einem zweiten Schritt werde ich versuchen, diese mit meiner eigenen Vorstellung zu kombinieren.
Wie wollen Sie die unterschiedlichen Bedürfnisse aus Zürich, Bern, Basel, Winterthur und Frauenfeld unter einen Hut bringen?
- Die beteiligten Zeitungstitel müssen sich zum einen in hohem Masse mit dem Produkt identifizieren können. Das geht nur, wenn ich ganz genau zuhöre, mit welchen Bedürfnissen die einzelnen Titel an das Projekt herantreten und wie sie sich ihren Auftritt vorstellen. Zugleich aber muss es auch gelingen, eine gemeinsame Identität zu entwickeln, um das Netzwerk vermarkten zu können. Der Trick wird sein, einen vernünftigen Kompromiss zu finden.
Befürchten Sie nicht, dass die Zeitungsredaktionen auf Sie Druck ausüben werden?
- Es gibt einen publizistischen Beirat, der glücklicherweise primär daran interessiert ist, dass endlich etwas geht. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass man mir gegenüber kulant sein wird. Was Zürich anbelangt, geniessen wir -- natürlich stets in Abstimmung mit dem Mutterblatt -- eine sehr grosse Autonomie. Was Basel betrifft, gilt es, immer wieder von neuem das Gespräch zu suchen und einen Weg zu finden.
Keine einfache Aufgabe.
- Natürlich besteht die Gefahr, sich in endlose Diskussionen zu verstricken. Das Internet hat aber den entscheidenden Vorteil, dass sich Erfolg rasch messen lässt. Haben wir einmal den richtigen Weg eingeschlagen, wird dies Signalwirkung auf alle Titel haben.
Heisst das, Sie werden auch beim News-Verbund Quotenbolzerei betreiben?
- Ich wurde gefragt, wie viele Melanie Winiger-Storys es auf tages-Anzeiger.ch verträgt. Meine Antwort: Mich interessiert allein, was der "Tages-Anzeiger"-Leser im Internet lesen will. Sind es People-Geschichten, werden entsprechende Inhalte auf der Website zu finden sein.
Wird sich der Online-Verbund -- analog zur Pendlerzeitung "News" --allein auf harte News konzentrieren?
- Wir werden abdecken, was über die Agenturticker rein kommt. Daneben gibt es aber eine Kür. Das kann die Installation eines Reporterteams sein, oder auch der Einsatz von Multimedia-Inhalten.
Heisst dies, Sie wollen sich auch Zugriff auf die Inhalte der regionalen TV-Sender verschaffen?
- Die Regionalsender sind an ihren eigenen Rhythmus gebunden. Wenn sich um 15 Uhr etwas in Zürich ereignet, können wir nicht bis zu den 18 Uhr-Nachrichten auf TeleZüri warten. Wir müssten selber ein Video-Team hinschicken. Es gibt aber auch sehr viele Bereiche, in denen eine Zusammenarbeit sehr spannend wäre. Ich denke etwa an die Sendung "Talk Täglich", die man sehr gut mit dem E-Talk des Tages-Anzeigers verbinden könnte. Wir wollen diese Dinge ausprobieren.
Zum Abschluss die Frage: "20 Minuten" trat mit dem Anspruch an, die Nummer 1 unter den Medienwebsites zu sein. Bis heute haben Sie es nicht geschafft, den "Blick" zu überholen…
- Warten wir den nächsten Monat ab. Unsere Ziele bei "20 Minuten Online" haben wir mehr als erreicht. Der geplante redaktionelle Ausbau hat stattgefunden und wir konnten den Anteil Eigenleistungen stark erhöhen. Auch was die Nutzungszahlen betrifft, können wir zufrieden sein. Denn im Internet kann "20 Minuten" nicht von den Vorteilen profitieren, die der Titel im Print hat -- Die Distribution, das Format und vor allem, dass er kostenlos ist. Es ist nicht einfach, sich als Gratistitel im Internet zu behaupten.
(Interview: David Vonplon)
| |
[01.11.2007 - 0.04 Uhr]
Constant Pochon
Kompromisse sind nie gut! |
| |
|