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Herr Schönenberger, Herr Graf, Google Schweiz lud heute zur ersten Pressekonferenz überhaupt. Endet damit die Zeit der Geheimniskrämerei Ihres Konzerns?
- Graf: Ich möchte das Wort "Geheimniskrämerei" nicht kommentieren. Uns ist es ein Anliegen, so transparent wie nur möglich zu sein. Dies zeigt sich darin, dass Google Schweiz zum einen mit mir eine Ansprechperson für die Medien eingestellt hat. Zum anderen hätte ich die Stelle nicht angenommen, wenn ich nicht selber das professionelle Bedürfnis hätte, mit Google einen Schritt vorwärts zu machen.
Im aktuellen Pressesprecher-Ranking der Schweiz ist Google Schlusslicht. Erfolgt die Offensive, weil Sie um Ihr Image fürchten?
- Graf: Bei Google gibt es nicht mehr oder weniger Geheimniskrämerei, als bei anderen Unternehmen. Wer die Medienberichterstattung in den vergangenen Monaten verfolgte, weiss das. Aber wir müssen die Altlasten der vergangenen Jahre abtragen. Dass ich im Pressesprecher-Ranking so schlechte Noten erhalten, nehme ich deshalb nicht persönlich. Google deutet das Ranking jedoch als Zeichen, dass die Kommunikation nicht gut genug war. Wir wollen uns verbessern und haben uns bereits verbessert. Dies zeigt doch auch die Pressekonferenz am heutigen Tag.
Die mangelnde Kommunikation trug Google nicht nur hier in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern das Image ein, arrogant zu sein. Ist die neue Offenheit Ergebnis einer weltweiten Strategieumkehr?
- Graf: Noch vor zwei Jahren kümmerten sich für Google in ganz Europa drei Personen um die Kommunikation. Das Unternehmen hatte vor allem ein Ressourcen-Problem und konnte die vielen Anfragen überhaupt nicht bearbeiten. Dies legten die Medien uns in der Folge als Arroganz aus. Die früheren Verfehlungen in der Kommunikation hatten insofern nicht mit einer bestimmten Politik zu tun, sondern mit dem rasend schnellen Wachstum eines Unternehmens, das in den vergangenen Jahren über sich hinausgewachsen ist.
Das Werbeunternehmen Google betreibt kaum Eigenwerbung und tritt nirgends als Sponsor auf -- weshalb?
- Schönenberger: Wir haben auch schon Werbung geschaltet, allerdings keine Image-, sondern lediglich Produktwerbung. Was die Corporate Communications anbelangt, wollen wir vor allem die PR-Schiene bedienen. Der Bekanntheitsgrad der Marke ist sehr hoch. Wir müssen aber daran arbeiten, dass wir so gesehen werden, wie wir sind.
Sie haben am Dienstag das Online-Tool "Google Maps"" vorgestellt. Welche Möglichkeiten tun sich damit im Geo-Marketing auf?
- Schönenberger: Unsere ureigenste Mission ist es, Informationen dieser Welt zu organisieren und diese den Menschen auf möglichst gute und universelle Art und Weise zur Verfügung zu stellen. "Google Maps" ist da ein sehr wichtiges Element. Ein Beispiel: Wer auf google.ch ganz normal nach Übernachtungsmöglichkeiten in Zürich sucht, erhält bei den Suchergebnissen auche eine Karte in der Grösse eines Fingernagels. Wie viel Power wir dank "Google Map" gewinnen, lässt sich auch an Zahlen illustrieren: 80 Prozent der weltweiten Information hat einen Bezug zur Geographie. 50 Prozent der Anfragen auf Google sind lokaler Natur. Gelingt es uns, hier Verbindungen zu schaffen, ist dies unheimlich wertvoll für den User.
Wie generiert Google dabei Werbeeinnahmen?
- Schönenberger: Mit "Google Maps" verfügen wir über eine sehr attraktive Plattform für Werbetreibende. Unternehmen erhalten von uns die Möglichkeit, über ein so genanntes lokale "Business Center" Informationen hochzuladen und regionenspezifische, kommerzielle Botschaften zu vermitteln. Die Anzeigen sind als solche selbstverständlich gekennzeichnet. Wie sich unser Angebot entwickelt, werden wir nach dem Launch sehen.
"Google Maps" ist auch per Handy abrufbar. Welche Bedeutung messen Sie der mobilen Verbreitung bei?
- Schönenberger: Weltweit verfügt gut eine Milliarde Menschen über einen Internet-Zugang, Mobiltelefon-Benutzer aber gibt es rund 2.5 Milliarden. Die Weltbank schätzt zudem, dass rund 60 Prozent der Weltbevölkerung in der Nähe eines Mobilfunk-Netzbetreibers situiert ist. Für uns heisst das: Verschafft sich künftig der Grossteil der Bevölkerung per Handy Zugang ins Internet, erhalten für uns mobile Geräte eine herausragende Bedeutung.
Noch aber erzielt Google 90 Prozent seiner Einkünfte mit Internet-Werbung.
- Schönenberger: In einigen Ländern -- darunter Japan -- verschaffen sich bereits heute mehr Menschen Zugang zum Internet über das Handy als über Laptops und PCs. Wir sprechen also nicht bloss über künftige Entwicklungen.
In den USA und in England ist Google als Werbevermittler ins Zeitungs- und TV-Geschäft eingestiegen. Wie weit ist man davon in der Schweiz entfernt?
- Schönenberger: Google hat den Werbemarkt revolutioniert, indem man Werbung nicht mehr nach Milimetern- oder Sekunden verkaufte, sondern zu einem Auktionsverfahren überging. Mit diesen Versteigerungen experimentiert Google nun auch in anderen Medien, in Grossbritannien etwa im Pressemarkt. Was daraus entsteht -- und was dies für das Schweizer Geschäft bedeutet -- ist noch offen.
Themenwechsel: Google Schweiz streitet sich mit den Verlegern über die Rechtmässigkeit von "Google News". Kamen die Verhandlungen bereits zu einem Abschluss?
- Schönenberger: Die Gespräche mit den Verlegern laufen weiter. Wir versuchen derzeit, den Verlegern aufzuzeigen, welche technischen Möglichkeiten unsere Plattform bietet. Schliesslich stammt auf Websites wie 20 Minuten.ch oder NZZ.ch rund ein Viertel des Traffic von Google Plattformen wie "Google Search" oder "Google News". Damit liefern wir den Verlegern einen grossen Mehrwert.
Fürchtet sich Google vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung?
- Graf: Wir erachten es als sinnvoll, einen gemeinsamen Weg zu finden -- aber nicht aus einer Position der Schwäche heraus. Werden wir aber zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung gezwungen, sind wir bereit. Und glauben Sie mir, wir verfügen über gute Juristen. Wir denken aber, dass immer noch grosse Missverständnisse vorhanden sind. Die Verleger haben noch viel zu wenig erkannt, welches Potenzial ihnen die Plattform "Google News" bietet.
Wie gross ist Ihre Kompromissbereitschaft?
- Graf: Wir sind der Meinung, dass wir uns innerhalb der gesetzlichen Richtlinien bewegen. Auf "Google News" zeigen wir nur kleine Auszüge der Artikel. Wie einigen Personen der Aushang der Schlagzeilen am Kiosk genügt, reichen einigen Usern unsere Textanrisse. Die meisten Benutzer aber wollen mehr -- womit wir den Verleger-Websites Leser zuführen. Dass wir dafür bezahlen müssen, können wir nicht nachvollziehen.
Spüren Sie denn von Seiten der Verleger Verständnis für Ihre Haltung?
- Graf: Ja. Es wäre falsch, einen Kampf zwischen Google und den Verlegern hochzustilisieren. Der Umgangston in den Gesprächen ist freundlich. Und durch ihr öffentliches Nachdenken über die Lancierung einer News-Plattform nach unserem Vorbild, haben die Verleger bereits kundgetan, dass auch für sie die Entwicklung in dieselbe Richtung geht.
(Interview: David Vonplon)
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[15.11.2007 - 8.46 Uhr]
schorsch
Die Verleger haben wirklich noch nicht begriffen welches Potential ihnen Google bieten kann. Ich denke mal, dass die Verleger sich eher in der Ehre verletzt fühlen, als etwas anderes. Denn Google ist einfach zu schnell für uns. Das wollen die Verleger einfach nicht einsehen. |
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[15.11.2007 - 8.56 Uhr]
Google-Kritiker
Nun ja, aber fremden Content nutzen und nicht einsehen, dass man dafür zahlen muss, ist auch ziemlich fragwürdig. Bei Google muss der Verleger für Werbung ja auch zahlen, obwohl man umgekehrt sagen könnte, Google als Suchmaschine ist nur solange interessant, als der Inhalt, die Ergebnisse relevant und interessant sind. Wären sie Schrott, könnte man auf Google verzichten. Also ist letztendlich auch Google von den Content-Anbietern abhängig.
Ich habe grosse Mühe mit Leuten, die ein Riesengeschäft machen, aber wenn sie selbst mal was - für echten Inhalt - bezahlen müssten, so tun, als ob auch das ihnen noch gratis zustehen müsste. |
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[15.11.2007 - 9.01 Uhr]
Google-Kritiker 2
Wer wie Herr Schönenberger drohen muss: "Und glauben Sie mir, wir haben gute Juristen", der legt ein fragwürdiges Verständnis von Geschäftspolitik an den Tag und bleibt für mich auf dem letzten Platz des Pressesprecher-Rankings und wird sich von dort auch keinen Millimeter wegbewegen. Google mag mal eine kleine, nette Firma gewesen sein, heute steht sie im Geschäftsgebaren Microsoft um nichts nach: Pure Arroganz, anderen nichts zahlen zu wollen für Inhalte, die sie erarbeitet haben. |
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[15.11.2007 - 9.23 Uhr]
Pierre Rappazzo
@google-Kritiker: Sie haben völlig Recht, der Goodwill von Google sinkt rapide. Google verhält sich absolut arrogant. Das gefährliche daran ist, Google hat teilweise schon Monopolstellung (online Werbevermittlung) und diese wird auf andere Bereiche übergreifen (offline Werbevermittlung). Hoffen wir, dass Google einsichtig ist und nicht zum Online Imperialisten wird. |
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